"Was hier angerichtet wird, ist zum Schaden Österreichs"

1. Juni 2009, 17:45
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FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sieht sich und seine Partei als stets dialogbereit an, auch mit Ariel Muzicant

Er wirft Bundeskanzler Werner Faymann "Gedankenmuster à la Stalin" vor. 

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Standard: Haben Sie, wie spekuliert wurde, am Pfingstwochenende das Sakrament der Firmung empfangen?

Strache: Bitte respektieren Sie, dass es sich hier um eine private Herzensangelegenheit handelt. Ich bin nicht bereit, das in der Öffentlichkeit zu behandeln - auch wenn manche glauben, damit ein politisches Geschäft machen zu können.

Standard: Das heißt: Sie lehnen ein politisches Geschäft mit religiösen Symbolen ab? Obwohl Sie sich selber symbolträchtig mit einem Kreuz ans Rednerpult gestellt haben?

Strache: Ich lehne das ab. Ich habe das Kreuz verteidigt, weil ich nicht will, dass es aus unseren Schulklassen verschwindet. Weil ich nicht will, dass der Nikolaus Auftrittsverbot in unseren Kindergärten bekommt. Und weil ich mich zu den christlich-abendländischen Werten und zu dem Menschenbild, das dahinter steht, bekenne.

Standard: Dieses christliche Menschenbild stellt doch das Gebot der Nächstenliebe an die erste Stelle - Sie auch?

Strache: Selbstverständlich. Aber nicht die Übernächsten-Liebe.

Standard: Wer ist denn ein "Übernächster" , den Sie nicht einschließen?

Strache: Wenn wir im Land so viele Probleme haben, dann beginnt die Nächstenliebe im eigenen Umfeld. Wir bringen die Probleme auf den Punkt, wenn wir den EU-Verfassungsvertrag ansprechen, die Öffnung der Schengen-Grenze abgelehnt haben, wenn wir auf den Sicherheitsnotstand hinweisen und auf den Asylmissbrauch. Wenn wir diese Probleme in den Griff bekommen haben, können wir gerne auch allen Menschen und Völkern dieser Welt helfen.

Standard: In den letzten Wochen gab es ja viel Diskussionen um Symbole - von Ihrem Kreuz bis dahin, dass man in Ihrem Comic mit der Lupe nach versteckten Runen gesucht hat. Haben Sie so etwas vom Zeichner verstecken lassen?

Strache: Was wir da erleben, ist doch durchschaubar: Man ist gegen mich, weil ich für die Bürger bin. Da gibt es eine unglaubliche Wortverdrehungsmaschinerie, eine Diffamierungsmaschinerie. Wir haben ein Comic gemacht, bei dem auch wir einmal die Freiheit der Kunst in Anspruch genommen haben. Wenn man so tut, als wären die dort abgebildeten Graffiti nicht gang und gäbe, dann ist das doch absurd.

Standard: Nun geht es aber so weit, dass der Herr Bundeskanzler meint, eine Partei wie die Ihre gehöre von allen öffentlichen Ehrenfunktionen ausgeschlossen.

Strache: Der Bundeskanzler ist der erfolgloseste Parteichef der SPÖ - er versucht, von der eigenen Unfähigkeit abzulenken. Und er beginnt nun, sich außerhalb des Verfassungsbogens zu stellen. Sein Vorschlag erinnert an Gedankenmuster à la Stalin.

Standard: Den Vorstoß, den Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf abzuwählen, qualifizieren Sie ähnlich?

Strache: Selbstverständlich, das ist gegen den Verfassungsgrundsatz. Es muss möglich sein, dass sich jemand wie Präsident Graf im Sinne einer verbalen Notwehr dagegen zur Wehr setzt, dass seine und meine Person und die FPÖ beflegelt werden mit Begriffen wie "Kellernazis" . Und dagegen, dass Vergleiche mit Goebbels und Eichmann angestellt werden - da hört sich doch jeder Spaß und jedes Niveau auf. Da habe ich keine Zurückweisung solcher Beschimpfungen durch den Bundeskanzlers gehört - da hat auch der Herr Bundespräsident leider Gottes keine Stellung bezogen. Wir haben von unserer Seite immer den Dialog gesucht und gepflegt - ich habe nach politischen Äußerungen des Herrn Muzicant schon im Jahr 2008 einen Brief geschrieben und das Gespräch gesucht, genauso wie Präsident Graf. Muzicant hat das leider nicht angenommen und uns weiter in der Öffentlichkeit mit unhaltbaren, skandalösen Bemerkungen beschimpft. Da wird man sich einmal zur Wehr setzen dürfen.

Standard: Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Auseinandersetzungen Ihrer Partei nutzen. Vielleicht sind sie Ihnen gar nicht so unrecht, weil sie eine Art Werbung für Sie darstellen?

Strache: Das, was hier passiert, kann für niemanden eine Werbung sein. Das ist zum Schaden Österreichs, was hier angerichtet wird - was von Bundeskanzler Faymann angerichtet wird, ist für niemanden von Vorteil. Da werden junge Menschen kriminalisiert, weil sie nicht so wählen, wie sich die SPÖdas wünscht.

Standard: Sie meinen die jungen Menschen, die bei Ihnen in Graz mit Hitlergruß fotografiert worden sind?

Strache: Nein! Ich meine die Wähler. Aber wenn Sie Graz ansprechen:Da werden Standbilder herausgegriffen und so dargestellt, als wäre etwas passiert, was nicht passiert ist. Bei uns haben Extremisten keinen Platz, weder von rechter noch von linker Seite. Da waren hunderte linksextremistische Gewalttäter zugegen, die mit allen möglichen Gegenständen auf mich und die Besucher geworfen haben:Das ist ungeheuerlich, was da passiert. Nach der Hetze des Bundeskanzlers Faymann gegen die Freiheitliche Partei bin ich persönlich von 50 Linksextremisten angegriffen worden, und Mitarbeiter von mir wurden verletzt, weil Flaschen auf sie geworfen wurden.

Standard: Schaut die Öffentlichkeit zu sehr auf die Handhaltung Ihrer Anhänger und zu wenig auf die, die gegen Sie auftreten?

Strache: Da ist eine gefährliche politische Methode dahinter. Wir wissen, es gibt auch Agents Provocateurs von linker Seite. Der sogenannte Antifaschist muss ja nicht immer ein Demokrat sein - Stalin war auch Antifaschist. Wir dagegen sind 100 Prozent Demokraten. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 2.6.2009)

ZUR PERSON: Heinz-Christian Strache (40) ist seit 2005 FP-Chef.

  • Hört er wohl recht? Heinz-Christian Strache sieht sich von einer
"Wortverdrehungs- und Diffamierungsmaschine" verfolgt - dabei werde von
seiner FPÖ doch nur die "Freiheit der Kunst" genutzt.
    foto: standard, newald

    Hört er wohl recht? Heinz-Christian Strache sieht sich von einer "Wortverdrehungs- und Diffamierungsmaschine" verfolgt - dabei werde von seiner FPÖ doch nur die "Freiheit der Kunst" genutzt.

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