Starke Gewinne für die FPÖ bei der Europawahl

1. Juni 2009, 17:35
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SPÖ nun knapp vor ÖVP, FPÖ vor Hans-Peter Martin

Linz - In der Schlussphase des EU-Wahlkampfs zeichnen sich für alle Parteien Verluste ab - mit Ausnahme der FPÖ, der das Linzer Market-Institut eine Woche vor der Wahl bereits 17 Prozent der Stimmen zurechnet. Das wären mehr als zehn Prozentpunkte mehr als 2004.

Damals war die FPÖin einer Zerreißprobe, als sich Andreas Mölzer mit Vorzugsstimmen an den ersten Listenplatz vorkämpfte. Insgesamt wählten damals nur 157.722 Personen (6,31 Prozent der Wähler) die FPÖ. Ein Dreivierteljahr später spaltete sich das BZÖab.

Die beiden jetzigen Regierungsparteien lagen damals mit 33,33 Prozent (SPÖ) und 32,7 Prozent relativ nahe beieinander - die aktuellen Hochrechnungen sehen das ähnlich, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau: Laut Market kann die SPÖ mit 28 Prozent rechnen, sie hätte demnach in der Schlussphase des Wahlkampfs deutlich aufgeholt. Die ÖVP, die lange mehr oder weniger deutlich in Führung gelegen war, käme nach Berechnungen der Linzer auf 27 Prozent.

Ähnlich, aber mit vertauschten Rollen, sieht es die Karmasin Motivforschung für Profil. OGM, das sich auf die Befragung der "sicheren Wähler" stützt, rechnet dagegen eher mit einem Absturz der SPÖ auf 26 Prozent - und einem eher deutlichen Wahlerfolg der ÖVPmit 26 Prozent.

Allen Wahlprognosen ist gemeinsam, dass die FPÖ diesmal den dritten Platz sicher hat - Hans-Peter Martin würde nach allen Berechnungen etwa zwei Prozentpunkte hinter den Freiheitlichen liegen. Martin hatte vor fünf Jahren 13,98 Prozent bekommen und so den dritten Platz geschafft. Kommt er auf ein ähnliches Niveau, reicht es diesmal nur für den vierten Platz.

Ebenfalls einig sind die Meinungsforscher, dass die Grünen deutlich einbrechen dürften: Sie haben im Verlauf des Wahlkampfs noch an Zuspruch verloren, laut Market und OGM könnten sie gut ein Drittel der Anhänger verlieren und statt 12,89 Prozent nur etwa acht Prozent einfahren. Die Karmasin Motivforschung räumt denGrünen zehn Prozent ein, auch das wäre klar schlechter als das Ergebnis, das die Grünen unter Johannes Voggenhuber hatten.

Nur vier (Market) bis fünf (OGM, Karmasin) Prozent winken dem BZÖ, alle anderen Parteien blieben demnach unter einem Prozent.

Was aus der Market-Umfrage ebenfalls hervorgeht, ist die geringe Wahlbeteiligung - da nur 44 Prozent von 400 Befragten sagen, dass sie sicher wählen gehen werden, ist das Hochschätzen eines wahrscheinlichen Wahlergebnisses diesmal besonders schwierig. Schon beim letzten mal war die Beteiligung mit 42,43 Prozent sehr gering - mit durchgreifender Besserung rechnet niemand.

Dabei signalisiert die Umfrage eine relative Zufriedenheit mit der EU: 40 Prozent halten die europäische Wirtschaftspolitik für richtig, 36 für falsch. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 2.6.2009)

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