Kriegsverbrecherprozess in Helsinki

1. Juni 2009, 16:49
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Angeklagter soll für Ermordung Tausender im Jahr 1994 verantwortlich sein - Erster derartiger Prozess in Finnland

Helsinki - Finnland macht einem seit rund sechs Jahren in Finnland lebenden Ruandesen wegen mutmaßlichen Völkermordes den Prozess. Die finnische Staatsanwaltschaft hat laut einem Bericht Tageszeitung "Helsingin Sanomat" die Voruntersuchungen abgeschlossen. Prozessbeginn soll im Herbst sein. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, die Ermordung von mehreren Tausend Menschen in der südruandischen Region Nyakizu im Jahr 1994 geplant und geleitet zu haben.

Der Name des Mannes wurde offiziell von den Behörden nicht bekanntgegeben. Es dürfte sich aufgrund übereinstimmender Details mit früheren Berichten jedoch um den 1951 geborenen, ehemaligen Baptistenführer Francois Bazaramba handeln.

Keine Auslieferung

Finnland hatte im Februar dieses Jahres ein Auslieferungsbegehren der ruandesischen Behörden abgelehnt. Zur Begründung verwies das Justizministerium in Helsinki auf eine Stellungnahme des UNO-Kriegsverbrechertribunals für den Völkermord in Ruanda, wonach in Ruanda kein faires Verfahren für den Beschuldigten gewährleistet sei.

Der Beschuldigte suchte 2003 in Finnland um Asyl an. Seit Februar 2007 befindet er sich in Untersuchungshaft. Im Zuge der Voruntersuchung ermittelten finnische Beamte auch in Ruanda. Der kommende Prozess ist in Finnland laut "Helsingin Sanomat" bisher einzigartig.

Bis zu eine Million Tote

Im Zuge des Völkermordes in dem ostafrikanischen Land wurden vermutlich 800.000 bis eine Million Menschen getötet. Die Massaker wurden von extremistischen Hutu-Milizen an Angehörigen der Volksgruppe der Tutsi und an gemäßigten Hutu begangen. Als Auslöser des Völkermordes gilt der Tod von Präsident Juvenal Habyarimana von der Volksgruppe der Hutu, dessen Flugzeug am 6. April 1994 vermutlich abgeschossen wurde.

Die UNO räumte rund zehn Jahre nach den Ereignissen offiziell ihr Versagen bei der Verhinderung des Völkermordes ein. Das UNO-Tribunal zur Aufarbeitung der Kriegsverbrechen in Ruanda wurde 1996 in Arusha (Tansania) eingerichtet. (APA)

 

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