Federer am Aus vorbei, am Titel dran

1. Juni 2009, 16:38
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Schweizer gewann Drama in fünf Akten nach 0:2-Satzrückstand gegen Haas - Jetzt wartet Monfils - Serena Williams souverän

Paris - Roger Federer darf weiter vom ersten Triumph in Roland Garros träumen. Nach seinem dramatischen Fünf-Satz-Sieg gegen den Deutschen Thomas Haas am Montagnachmittag, trifft er im Viertelfinale auf den Franzosen und Melzer-Bezwinger Gael Monfils, der gerade rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit in drei Sätzen gegen den US-Amerikaner Andy Roddick 6:4,6:2,6:3 gewann.

Der als Nummer sechs gesetzte Roddick, der in Paris erstmals das Achtelfinale erreicht hatte, ärgerte sich nicht zuletzt über die schlechten Lichtverhältnisse. Schon Ende des zweiten Satzes beschwerte er sich beim Umpire, der seinem Wunsch nach einem Abbruch aber kein Gehör schenkte. "Ich habe Probleme, den Ball zu sehen", meinte Roddick zum Spielleiter, "als wir begonnen haben, wie hat der Himmel da ausgesehen? Schauen Sie jetzt hinauf, und sagen Sie mir, was sich verändert hat."

Die einstige Nummer eins der Welt "schenkte" Monfils den ersten Satz mit einem Aufschlag-Return ins Netz und verlor den zweiten, nachdem er drei Breakbälle im achten Game vergeben hatte. Beim Seitenwechsel beim Stand von 3:2 im zweiten Satz urgierte er erneut den Abbruch, warf den Schläger wütend zu Boden und erntete dafür Buhrufe von den Rängen. Ein Fehler am Netz besiegelte schließlich um 21.37 Uhr Ortszeit seine Niederlage. "Es ist ein fantastischer, großer Moment", sagte Monfils, der seinem kommenden Gegner Federer im vergangenen Jahr im Semifinale unterlegen war. "Mit so einem Publikum im Rücken hoffe ich noch besser zu spielen."

Roddick haderte auch mit sich selbst: "Ich weiß nicht, ob ich mich mehr über die Dunkelheit ärgern soll, oder darüber, dass mir nicht gelungen ist, was ich in die Praxis umsetzen wollte." Und er lobte seinen Konkurrenten. "Er ist der beste Athlet, der je auf einem Tennisplatz gestanden ist."

Federer war nach seinem denkbar knappen Erfolg gegen Haas, bei dem er einen Zwei-Satz-Rückstand noch in einen Erfolg umwandelte, guter Dinge. "Wenn man ins Viertelfinale eines Major-Turniers kommt, darf man nicht beunruhigt sein. Ich habe viel Tennis gespielt und dazu immer auf dem Centre Court, zudem habe ich ja viel Erfahrung und spiele zum Schluss des Turniers oft besser. Aber eines ist klar: Wenn der Wind stark ist, muss ich im weiteren Verlauf des Turniers schon viel besser spielen", prophezeite Federer.

Durch das Ausscheiden seiner beiden Hauptrivalen haben sich für Federer die Siegeschancen natürlich massiv erhöht. Schließlich hat er seit 2005 in Paris gegen Nadal viermal verloren, gegen alle anderen aber eine 27:0-Bilanz. Zudem hat er gegen keinen der verbliebenen Spieler auf Sand schon verloren. Er selber misst dem Scheitern des Mallorquiners aber noch keine gewaltige Bedeutung bei: "Natürlich ist es eine große Überraschung. Für mich wäre es eine andere Situation, wenn ich im Finale wäre und dann nicht Rafa auf der anderen Seite steht. Aber so lange ich noch nicht so weit bin, ist es noch nicht wichtig."

Nach dem Scheitern von Nadal verkam die Niederlage von Novak Djokovic völlig zur Randnotiz. Der als Nummer 3 gesetzte Serbe, von den Resultaten her gesehen der zweitbeste Spieler der Sandsaison, gewann am Samstag gegen Philipp Kohlschreiber (GER/29) keinen Satz. Kohlschreiber scheiterte dann am Montag an Tommy Robredo (ESP/16), der nun Juan Martin Del Potro (ARG/5) herausfordert. Dieser beendete am Montag das Turnier von Jo-Wilfried Tsonga (FRA/9).

Das Damenturnier stand bisher noch stärker im Schatten des Männerevents als sonst. Während sich Topfavoritin Dinara Safina weiter beeindruckend durchs Tableau spielt - sie gab in vier Partien nur fünf Games ab - sind die Serbinnen Ana Ivanovic und Jelena Jankovic gegen andere osteuropäische Hoffnungen ausgeschieden. Titelverteidigerin Ivanovic unterlag am Sonntag Miami-Siegerin Victoria Asarenka, Jankovic am Montag der noch wenig etablierten 19-jährigen Rumänin Sorana Cirstea (WTA 41). Sie hat nun die große Chance, im Außenseiterinnenduell mit Samantha Stosur (AUS/30) das Halbfinale zu erreichen. Dort wäre dann wohl gegen Swetlana Kusnezowa (RUS/7) oder Serena Williams (USA/2) Endstation. (APA/Reuters/Si)

  • Nach dem Match war Roger Federer um einiges entspannter.
    foto:epa

    Nach dem Match war Roger Federer um einiges entspannter.

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    Andy Roddick diskutiert mit dem Oberschiedsrichter.

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