Kaddoumi: "Wir haben die Nase voll von all diesen Gesprächen"

31. Mai 2009, 17:57

PLO-Spitzenfunktionär: Europa und USA müssten gegenüber Israel Taten setzen

Wien - Der neue Ton, den US-Präsident Barack Obama gegenüber Israels Regierung angeschlagen hat, ist für Farouk Kaddoumi (Faruk Kaddumi) kein Grund zu Optimismus. Denn die USA, wie auch die europäischen Länder, würden in erster Linie Israel unterstützen, sei es mit Finanz- und Waffenhilfe oder politischer Unterstützung, meint der Leiter der Politischen Abteilung der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) am Sonntag in Wien gegenüber der APA: "Wir haben die Nase voll von all diesen Gesprächen."

"Ich hoffe, dass der Präsident der Vereinigten Staaten sein Bestes tun wird, um Druck auf Israel auszuüben, damit es die Besatzungskräfte abzieht und die Palästinenser in einer friedlichen Lösung ihren eigenen Staat aufbauen können," sagt Kaddoumi, der am Wochenende zur Jerusalem-Konferenz (Al-Quds-Konferenz) der Union der palästinensischen Diaspora-Gemeinden nach Wien angereist ist. "Aber das sind nur Reden, Reden, Reden," meint Kaddoumi - seit 40 Jahren eine Schlüsselfigur der PLO - in Hinblick auf Obamas Appell an Israel, den Siedlungsbau im besetzten Westjordanland einzustellen: "Sie müssen die Israelis stoppen, mit diesen Grausamkeiten fortzufahren."

Druck ausüben

"Ich erinnere daran, dass die Europäer bereits 1991 das Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung akzeptiert haben, aber das sind nur Reden und keine Unterstützung für diese Ideen." Wenn man auf Israel Druck ausüben wolle, könne dies nicht mit Gesprächen allein geschehen, meint Kaddoumi. Die Europäer müssten zum Beispiel den Handel mit Israel stoppen, wenn ihnen der Frieden wichtig wäre.

Der Konflikt zwischen den beiden großen palästinensischen Bewegungen Fatah und Hamas sieht das Fatah-Mitglied Kaddoumi nicht als Problem der Palästinenser. Das zentrale Problem bleibe die israelische Besatzung. Abbas sei als Staatschef und Vorsitzender der PLO ein Ansprechpartner für Verhandlungen. Die palästinensische Einheitsregierung werde in zwei Monaten stehen, ist sich Kaddoumi sicher.

Den Gesetzentwurf der ultranationalistische Partei des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman, demzufolge die israelischen Staatsbürger einen Loyalitätseid auf den jüdischen Staat ablegen sollen, bezeichnet Kaddoumi als "Zeichen, dass Israel ein rassistischer Staat" sei. Die neue rechtsgerichtete israelische Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanyahu unterscheidet sich für Kaddoumi wenig von den früheren. "Das ist fast das gleiche, nur die Sprache ist anders," erklärt der PLO-Spitzenfunktionär. "Wir sind aber über die Taten besorgt. Denn alle haben viele Worte gesprochen und Initiativen gesetzt, die Durchsetzung ist jedoch stets gescheitert."

Kaddoumi verteidigt im Gespräch mit der APA auch den verstorbenen früheren österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim: "Waldheim war ein netter Mann, ich kannte ihn persönlich, die Israelis haben ihn beschuldigt, ein Nazi zu sein, das sind verrückte Leute," erklärte Kaddoumi.

Die Union der palästinensischen Diaspora-Gemeinden organisierte am Wochenende (30. und 31. Mai) im Wiener Hotel Hilton eine Jerusalem-Konferenz (Al-Quds-Konferenz) unter dem Motto "Wir leben um zurückzukehren". Neben Kaddoumi nahmen unter anderen der arabische Abgeordnete zum israelischen Parlament (Knesset) Muhammad Barakah, der orthodoxe Erzbischof Theodosios Attalah Hanna von Sebastia aus dem Westjordanland, der Leiter des Büros der Arabischen Liga, Michael Wehbe, und der palästinensische Missionschef in Österreich, Botschafter Zuheir el-Wazer an der Veranstaltung teil. (APA)

 

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11 Postings
Glod
01
Wir sollten alle Hilfen an beide Seiten einstellen

und ein Handelsembargo verhängen bis endlich Frieden herscht.

Beide Seiten heizen den Konflikt an und erwarten von der anderen alle Forderungen sofort zu erfüllen, bevor sie selber irgendetwas tun.

d_parker
94
EU und USA sollten den Palästinensern sämtliche Geldhähne zudrehen und Hilfslieferungen etc. einstellen, damit Scherzkekse wie Hr. Kaddoumi merken wie sich keine Unterstützung wirklich anfühlt. Das Motto der Konferenz "Wir leben um zurückzukehren"

ist ja wohl auch mehr als bezeichnend. Sämtliche Organisationen und Personen, die an dieser Konferenz teilnehmen gehen also davon aus, dass das sog. "Rückkehrrecht" der echten pal. Flüchtlinge (soweit sie noch leben) und der angeblichen (also aller Generationen danach) 1:1 umgesetzt wird, gleichbedeutend mit der Auslöschung Israels als jüdischer Staat. Sorry guys, aber 3+ Kriege anfangen, verlieren und dann jaulen, dass aus dem Status quo ante nichts wird...

Lichtfreak
31
Die Palästinenser haben 3 Krige begonnen?

Na das müssen sie mir jetzt aber erklären!

Ahhh, die Nachbarn mit dem gleichen Glauben waren es? Ok, Sippenhaftung wurde von Israel wieder eingeführt, sollen dann nicht klagen, wenn SIE wieder das Opfer von Sippenhaftung werden....

Antisemitismus ist wiederlich - aber was ist anders daran, wenn Israel alle Muslime in einen Topf rührt?

d_parker
32
Ihre politisch korrekte Ignoranz in allen Ehren, aber lassen Sie mal die Moschee im Dorf... In Form von Pogromen (z.B. 1929 Hebron) und des Arab. Aufstandes (1936-1939, unter der Führung des Hitler-Fans Amin el-Husseini) haben "die Palästinenser"...

... schon Krieg geführt, bevor sie sich als "Palästinenser" verstanden haben. Solang es gegen eine jüdische Präsenz geht, ist eine Differenzierung zwischen den "Nachbarn mit de gleichen Glauben" obsolet, da sind sich auch Shiiten und Sunniten meist einträchtig einig (gewesen). Nona ging es den arab. Staaten nur vorgeblich um "die Palästinenser", sonst wäre ja vor 1967 im WJL und Gazastreifen ein pal. Staat etabliert worden, nicht wahr? Aber ihr Patronat haben sich die Pal. schon selbst zuzuschreiben... Die 3 Nein von Khartoum etc.

Makronaut
11

die palästinenser waren jedenfalls dabei. siehe zb die "holy war army".

außer ihnen spricht hier übrigens niemand von "den muslimen". also bitte paranoia einstellen.

gez69
 
22

Ausgezeichnete Zusammenfassung, deshalb grün von mir.

Eidechse
91

primitiver Dummkopf

drKannibalFekter
 
210
Genau das ist der Punkt!

Israel benötigt massiven Druck damit die Einsicht kommt - ohne Palästina geht es nicht in Frieden zu leben.

khaleb
12
Präsident Dr. Obama ist nicht der palästinensische Weihnachtsmann

er hat beim Treffen mit Abbas deutlich gesagt, dass die Palästinenser aufhören müssten, in Schulen und Moscheen Hass gegen Israel zu schüren.
Vice Versa: Ohne Frieden mit Israel kein Palästina.

rustikal
38
31.5.2009, 19:53
Man kann dem Herrn nur recht geben und hoffen das nach den nie endenwollenden Friedensgesprächen endlich mal taten folgen werden.

Dani B.
64

stimmt schon, nur sind am stillstand die araber nicht unschuldig. wenn man sachen lesen muss wie

"Der Konflikt zwischen den beiden großen palästinensischen Bewegungen Fatah und Hamas sieht das Fatah-Mitglied Kaddoumi nicht als Problem der Palästinenser."

dann weiss man, es ist noch nicht soweit, die araber sind noch am lernen, das dauert noch so einige zeit.

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