General Motors meldet Insolvenz an

1. Juni 2009, 18:06
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Der schwer angeschlagene US-Autohersteller versucht die Sanierung mittels Verkleinerung binnen 60 bis 90 Tagen

Washington - Das Straucheln des einst größten Autoherstellers der Welt war jahrelang mitanzusehen, bei jeder Quartalsbilanz wurden die roten Zahlen größer und die Hoffnung kleiner: Einhundert Jahre, acht Monate und 16 Tage nach seiner Gründung, am Montag um 8 Uhr Detroiter Zeit, war es schließlich so weit. Wie seit längerem erwartet, reichte General Motors beim Insolvenzgericht in New York die Unterlagen für die Eröffnung eines Schuldenregulierungsverfahrens nach Chapter 11 des US-Konkursrechtes an. Es ist dies das größte Verfahren seiner Art in der US-Wirtschaftsgeschichte.

Mit General Motors und Chrysler sind damit binnen einem Monat zwei der in besseren Zeiten "Big Three" genannten US-Hersteller in die Pleite gerast. Nur die Nummer zwei - Ford - will trotz Milliardenverlusten ohne Staatshilfe weitermachen. Die Entscheidung über die Zukunft von GM liegt nun in der Hand des Insolvenzrichters, für das Verfahren wird eine Dauer von 60 bis 90 Tagen angepeilt, hieß es von US-Regierungsbeamten. Nach der De-facto-Verstaatlichung und dem Austausch des Chefs soll sich GM - geschützt vor dem Zugriff der Gläubiger - in der Insolvenz gesundschrumpfen. Der Konzern wird in einen "guten" und einen "schlechten Teil" aufgespalten. Das Problem ist: Der US-Automarkt schrumpft insgesamt, aus früher 16 Millionen Autos pro Jahr könnten zehn Millionen werden.

Elf Werke sollen schließen

Deswegen soll das frühere Symbol für die amerikanische Wirtschaftsmacht zerlegt werden: Laut US-Regierung sollen elf Werke geschlossen und drei weitere nicht mehr genutzt werden. Berichten zufolge sollen erneut zehntausende Stellen wegfallen - auf weltweit unter 200.000 allein in Nordamerika. Vor zehn Jahren gab es noch mehr als doppelt so viele. Die Zahl der US-Marken wird reduziert - es bleiben GMC, Chevrolet, Cadillac und Buick. Der Geländewagenbauer Hummer und Saturn sollen verkauft werden, Pontiac wird eingestellt. Für die bereits länger insolvente schwedische GM-Tochter Saab wird ein Käufer gesucht, auch die australische Tochter Holden soll abgegeben werden.

Die US-Regierung übernimmt rund 60 Prozent an GM neu, Kanada zwölf Prozent. Die Autogewerkschaft UAW erhält für Milliarden-Zugeständnisse knapp 18 Prozent an GM. Für den Verzicht auf 27 Mrd. Dollar an Schulden sollen Gläubiger zehn Prozent bekommen, später könnten es bis zu 25 Prozent werden. Die US-Regierung springt mit weiteren rund 30 Mrd. Dollar ein, um die Insolvenz zu finanzieren, Kanada ist mit knapp zehn Milliarden dabei.

Die Übernahme Chryslers durch den italienischen Autobauer Fiat hat in der Nacht auf Montag die wichtigste Hürde genommen. Das Insolvenzgericht lehnte Einsprüche gegen den Verkauf ab. (Reuters, szem, DER STANDARD, Printausgabe, 2.6.2009)

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    Das US-Insolvenzgericht in New York hat nun die Sanierung von GM, des früheren Symbols der US-Autoindustrie, in der Hand.

     

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