Susan Boyle auf dem Weg der Besserung

1. Juni 2009, 13:42
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Schottische Hausfrau war nach überraschendem Scheitern beim Talentshow-Finale emotional erschöpft

London - Die nach ihrer überraschenden Niederlage bei der Fernseh-Talentshow "Britain's got Talent" in eine Klinik eingelieferte schottische Hausfrau Susan Boyle ist nach den Worten ihres Bruders auf dem Weg der Besserung. Die 48-Jährige spreche mit dem Personal in der Londoner Priory-Nervenklinik über ihre Gefühle und die Zukunft, sagte Gerry Boyle am Montagabend dem britischen TV-Sender ITV. Bei einem Telefongespräch habe sie schon viel besser geklungen als noch am Sonntag, als sie "ein bisschen erschöpft und unsicher" gewesen sei.

Boyle war am Sonntag kurz nach ihrer Niederlage in der Talentshow in die Klinik eingeliefert worden. Seit April hatte die arbeitslose Kirchenhelferin aus dem schottischen Ort Blackburn mit ihrem Auftreten für Aufsehen gesorgt. Innerhalb kurzer Zeit wurde das schüchterne Mauerblümchen mit den starken Augenbrauen und der unmodischen Kleidung zum Mega-Star im Internet und zum gern gesehenen Gast in Fernsehtalkshows.

Wuchtige Stimme - plumpes Auftreten

Zum Schluss wurde die TV-Show "Britain's Got Talent" für Susan Boyle dann aber wohl doch zu viel: Der raketenhafte Aufstieg der schottischen Hausfrau zum globalen Kultstar, der Medienrummel, aufdringliche Fans und der Druck, gewinnen zu müssen. Und dann auch noch das überraschende Scheitern beim Show-Finale am Samstagabend, wo die 48-Jährige der Tanzgruppe "Diversity" den Vortritt lassen musste. Keine 24 Stunden später lag Susan Boyle in einem Londoner Krankenhaus. "Erschöpft und emotional ausgelaugt", beschrieb ein Sprecher der Sendung ihren Zustand.

Dabei hätte die Sängerin mit der wuchtigen Stimme, die wegen ihres altbackenen Äußeren zunächst ausgelacht worden war, so gerne als Siegerin der Show vor der Queen gesungen. Sie setzte auf das Lied "I Dreamed A Dream" aus dem Musical "Les Miserables". Das Stück, mit dem sie in der Vorrunde die zunächst spottende Jury zu Tränen gerührt und das sie dank mehr als 100 Millionen Klicks beim Videoportal YouTube weltberühmt gemacht hatte. Und ihr gelang gesanglich sogar ein noch besserer Auftritt als beim ersten Mal.

Doch irgendetwas klappte nicht. Als die Musik verstummte, war das Publikum im Saal nicht so aus dem Häuschen wie zuvor nach ihren Auftritten. Sogar einzelne Buh-Rufe wurden laut. Vielleicht lag es daran, dass die Zuschauer den Song aus der Vorrunde schon kannten, vielleicht hatte Susan Boyle durch ihren Ruhm und ihre Favoritenrolle auch ihr "Underdog"-Image verloren. Sicher fehlte der Überraschungseffekt. Schließlich war Boyle deshalb berühmt geworden, weil ihr plumpes Auftreten überhaupt nicht mit ihrem atemberaubenden Gesang zusammenpasste.

Ganz anders die elfköpfige Tanzgruppe "Diversity". Die Street-Dancer eroberten mit ihrer Show voller Knalleffekte, Dynamik und Witz die Herzen der 19 Millionen Zuschauer an den TV-Bildschirmen im Sturm. Und auch das normalerweise sehr strenge Jury-Mitglied Simon Cowell, so etwas wie der Dieter Bohlen des Königreichs, fand den "Diversity"-Auftritt "absolut brillant".

Die Fassung verloren

Der Zusammenbruch hatte sich schon nach dem Ende der Show angedeutet. Zwar zeigte sich Boyle vor der Kamera als faire Verliererin und scherzte später noch ein wenig mit den Siegern. Dann soll sie aber geweint und die Fassung verloren haben. "Ich hasse diese Show", brüllte sie hinter den Kulissen und schüttete Wasser über einen Mitarbeiter, der sie beruhigen wollte. Auch am folgenden Tag soll sie sich im Hotel "seltsam" benommen haben. Schließlich holte sie ein Krankenwagen ab.

Susan Boyles Auftritt im Finale. Sie erreichte den zweiten Platz.

Hoher Marktwert

Finanziell dürfte sich die Niederlage für Boyle aber nicht auswirken. Zwar muss sie das Preisgeld von 100.000 Pfund (rund 114.000 Euro) "Diversity" überlassen. Aber das wird sie verschmerzen können, denn Medien taxieren ihren Marktwert auf bis zu acht Millionen Pfund.

Ein Plattenvertrag, ein Buch, ein Film über ihr Leben, Rechte an Bildern - wenn Boyle gut beraten wird, dürfte die Kasse kräftig klingeln. Vor allem in den USA könnte sie mächtig absahnen. Dort machten sie Talkshow-Auftritte bekannt, dort ist es den Menschen egal, wer eine Show in Großbritannien gewinnt. Selbst Juror Cowell ist sich sicher: "Sie hat eine großartige Zukunft vor sich." (APA/AFP/AP)

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    Susan Boyle ...

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    ... überraschte mit ihrem Auftritt bei der Casting-Show "Britain has got Talent". Am Samstag war das Finale: Sie wurde Zweite.

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