Ende der Swat-Offensive in wenigen Tagen

1. Juni 2009, 16:33
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Armee nach angeblicher Einnahme von Mingora optimistisch

Pakistan kündigt baldiges Ende der Offensive im Swat-Tal an - FTM
Verteidigungsminister: Widerstand vermutlich binnen Tagen gebrochen - Rotes Kreuz "höchst besorgt" über humanitäre Lage

Peshawar/Mingora/Singapur - Die pakistanische Armee steht nach eigenen Angaben vor dem Sieg über die Taliban in der Swat-Region. "Zwei bis drei Tage" werde es vermutlich noch dauern, bis der Widerstand gebrochen sei, sagte Verteidigungsminister Syed Athar Ali am Sonntag in Singapur. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zeigte sich "höchst besorgt" über die Lage in der Region, in der rund 2,4 Mio. Menschen auf der Flucht sind.

"Die Einsätze in Swat, Buner und den angrenzenden Gebieten sind fast vollständig beendet", sagte Verteidigungsminister Ali während eines Sicherheitsforums in Singapur. "Nur fünf bis zehn Prozent der Arbeit" seien noch zu erledigen, in zwei bis drei Tagen dürften auch die letzten "Widerstandsnester" geräumt sein.

"Kampf um Mingora ist beendet"

Die pakistanische Armee erlangte nach eigenen Angaben nach schweren Gefechten die Kontrolle über die Stadt Mingora. Ein Armeesprecher sagte am Samstag, die wichtigste Stadt der Swat-Region im Nordwesten Pakistans stehe nun wieder vollständig unter der Kontrolle der Streitkräfte. "Der Kampf um Mingora ist beendet." Auch um die Stadt Charbagh im nördlichen Teil des Swat-Tals wurden Truppeneinheiten zusammengezogen.

Die Kämpfe weiteten sich am Wochenende offenbar auf eine weitere Region aus: In Süd-Waziristan im Grenzgebiet zu Afghanistan kamen nach Militärangaben mindestens 25 Aufständische und sieben Soldaten ums Leben.

Eine unabhängige Bestätigung für die Angaben zur militärischen Lage gab es nicht, da die Konfliktregion militärisches Sperrgebiet ist. Dem Armeesprecher zufolge dauerten die Kämpfe in anderen Teilen der bergigen Swat-Region an. Das Gebiet war vor dem Vormarsch der Islamisten eine beliebte Urlaubsregion. Die Taliban hatten Mingora vor Wochen besetzt und dort das islamische Sharia-Recht eingeführt. In der Stadt leben normalerweise rund 300.000 Menschen, in den vergangenen zwei Wochen flohen jedoch die meisten Einwohner.

Die Offensive der pakistanischen Armee hat am 26. April begonnen. Es ist bereits der dritte Großeinsatz gegen die Taliban in dem Gebiet in weniger als zwei Jahren. Der Armee zufolge kämpfen rund 15.000 Soldaten gegen bis zu 2.000 Taliban-Krieger in Swat. Seit Beginn der jüngsten Offensive wurden demnach in den Bezirken Unter-Dir, Buner und Swat mehr als 1.200 Aufständische getötet. Die pakistanische Regierung setzte eine Belohnung von umgerechnet 424.000 Euro auf die Ergreifung des mutmaßlichen Rebellenchefs im Swat-Tal, Maulana Fazlullah, aus.

Die an Afghanistan grenzenden Stammesregionen gelten als Hochburg der Taliban und von Anhängern des Terrornetzwerks Al-Kaida. In den vergangenen zwei Jahren drangen die Aufständischen vor allem im Swat-Tal immer weiter vor und standen nur etwa hundert Kilometer vor der pakistanischen Hauptstadt Islamabad.

Die pakistanische Armee wird in ihrem Kampf gegen die Taliban von US-Einheiten unterstützt, die vor allem unbemannte Drohnen im Grenzgebiet einsetzen. Nach Informationen der "Washington Post" (Montag-Ausgabe) wurden bei Drohnen-Angriffen etwa die Hälfte der ausgewählten Ziele getroffen.

Das IKRK zeigte sich am Sonntag "zutiefst besorgt" über die Lage der Zivilisten in den umkämpften Gebieten. Es gebe kein fließendes Wasser, keinen Strom, keine Nahrung, und die Mehrzahl der medizinischen Versorgungszentren sei nicht funktionsfähig, sagte Daniel O'Malley, der erstmals seit Anfang Mai mit einer Delegation in das Gebiet reisen konnte.

Nach Angaben des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) sind knapp 2,4 Millionen Menschen aus den Gebieten im Nordwesten Pakistans geflohen. Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari stellte am Montag Soforthilfe in der Höhe von 500 Millionen Rupien (4,3 Millionen Euro) für die Flüchtlinge bereit. (APA/AP)

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