"Landnutzung weitgehend ignoriert"

2. Juni 2009, 17:12
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Experten beklagen Fokus der Politik auf CO2-Ausstoß

Frankfurt/Main - Die Auswirkungen der Landnutzung auf den Klimawandel werden nach Ansicht von Experten weitgehend ignoriert. Zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen fokussiere sich die Politik zu stark auf den Ausstoß von Kohlendioxid bei der Verbrennung fossiler Energieträger, beklagen Forscher des Joint Global Research Institute im US-Staat Maryland. Dies begünstige das Abholzen von Wäldern, um auf den Flächen die vermeintlich klimafreundlichen Energiepflanzen anzubauen. Aber auch dies treibt die Emissionen in die Höhe, denn in Wäldern sind enorme Mengen Kohlenstoff gespeichert.

Wie sich die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre in bestimmten Grenzen halten lässt, spielten die Wissenschafter am Computer in verschiedenen Szenarien durch. Besteuere die Politik lediglich Emissionen, die beim Verbrennen fossiler Brennstoffe etwa in der Industrie oder im Straßenverkehr entstehen, werde dies den Anbau von Energiepflanzen drastisch in die Höhe treiben - zulasten der Wälder.

Druck befürchtet

"Die wirtschaftlichen Kräfte könnten einen sehr starken Druck zum Abholzen ausüben", fürchtet Studienleiter Marshall Wise. In diesem Fall würden sämtliche Urwälder der Erde bis zum Jahr 2100 verschwinden, schreiben die Forscher im Magazin "Science". Dies sei nicht nur eine ökologische Katastrophe, sondern gefährde auch die Begrenzung der Treibhausgas-Emissionen.

Während die Atmosphäre 750 Milliarden Tonnen Kohlenstoff enthält, sind terrestrisch rund zwei Billionen Tonnen gespeichert, ein großer Teil davon in Wäldern. Werden die zum Anlegen von Feldern abgeholzt, gelangt mehr Kohlenstoff in die Atmosphäre. Besteure die Politik auch diese terrestrischen Kohlenstoff-Emissionen, so würden sich die Wälder vermutlich weiter ausdehnen. Die Kosten für die Begrenzung der Emissionen würden sich halbieren, kalkulieren die Forscher. "Wenn die Gesellschaft die Kohlendioxid-Konzentrationen auf niedrigem Niveau stabilisieren will, können wir die zwei Billionen Tonnen, die in den terrestrischen Systemen stecken, nicht einfach ignorieren", sagt Wise.

Eingeengter Spielraum der Politik

Die Simulationen zeigen, wie sich der Spielraum der Politik zunehmend einengt, denn auch dieses Vorgehen hätte seinen Preis: Breiten sich die Wälder aus, so würden angesichts begrenzter Agrarflächen und zunehmender Nachfrage die Kosten für Lebensmittel steigen. Um Engpässe in der Lebensmittelversorgung zu vermeiden, plädieren die Forscher dringend dafür, die landwirtschaftlichen Technologien zu verbessern. Dies könne für die Emissionskontrolle letztlich ebenso wichtig sein wie klimafreundliche Verfahren zur Energiegewinnung. (APA/AP)

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