Matthias Gattermeier arbeitet für einen Energiekonzern in Lahore - Dessen Hauptquartier liegt nahe der Explosionsstelle
Der Österreicher Matthias Gattermeier arbeitet seit einiger Zeit in Lahore bei einem Energiekonzern. Die Zentrale des Konzerns befindet sich nur etwa 700 Meter vom Anschlagsort vom Mittwoch entfernt. Am Mittwoch schickte er derStandard.at folgenden Augenzeugenbericht:
"Die Explosion war so stark, dass ich in den ersten 30 Sekunden befürchtet habe, dass Gebäude könnte kollabieren. Aus den Fenstern konnten wir die Nachbargebäude nur hinter einer riesige Staubwolke erkennen. Ab dem Moment war klar, dass es sich um eine wirklich massive Explosion handeln musste. Als ich ins Freie gelaufen bin, konnte ich am Himmel einen gut 200 Meter breiten Ring aus weißem Rauch aufsteigen sehen.
Die Menschen auf den Straßen waren erstaunlich gelassen. Auch wenn wenige in ihre Autos gesprungen sind, um möglichst schnell den Ort des Geschehens zu verlassen, so sind die meisten doch langsam in Gruppen Richtung Detonationsort marschiert. Knapp fünf Minuten nach der Explosion sind Schüsse gefallen. Militär und Polizei haben die Straßen abgeriegelt und versuchten Passanten und Schaulustige zurückzuhalten.
Die Einsatzkräfte schienen gut organisiert zu sein. Eine Straßenseite wurde als Einfahrt in Richtung Zentrum des Geschehens etabliert, eine andere als Ausfahrt, im Halb-Minuten-Takt sind Rettungsfahrzeuge und Busse voller Spezialkräfte und Polizei so an den Ort des Geschehens geschleust worden. Circa eine oder eineinhalb Stunden später ist unser Headquarter evakuiert worden auf Grund des Verdachts eine zweite Detonation stünde unmittelbar bevor.
Viele menschen haben sich seltsam verhalten, gruppenweise haben sie sich vor den Fernsehern gescharrt obwohl sie ihre Köpfe kaum 20 Zentimeter nach rechts hätten drehen müssen, um die Geschehnisse live mitverfolgen zu können.
Es ist zu vermuten, dass es sich bei dem Anschlag um eine Reaktion der Taliban auf die militärische Offensive in der Nordwest-Grenzprovinz handelt, daher kommt der Anschlag auch nicht unerwartet, erstaunlich für mich ist eher, dass dieser erst so spät kommt, ich hätte damit bereits letzte oder sogar vor zwei Wochen gerechnet. Das könnte darauf hinweisen, dass die Kapazitäten der Taliban bereits weitgehend durch den Krieg im Norden (Swat, Bunder, etc) ausgereizt sind bzw. ihre organisatorischen Fähigkeiten überschätzt wurden." (27.5.2009)
Die Taliban haben sich am Donnerstag zu dem verheerenden Bombenanschlag in der
ostpakistanischen Stadt Lahore mit 30 Toten und über 250 Verletzten bekannt. (red)