Graf vs. Muzicant

"Ziehvater des antifaschistischen Linksterrorismus"

27. Mai 2009 12:21
  • Hier der Kommentar von Martin Graf zum Nachlesen

Der dritte Nationalratspräsident nennt Ariel Muzicant den "Ziehvater des antifaschistischen Linksterrorismus" - Die Forderungen nach seinem Rücktritt werden immer lauter

Wien - Wieder einmal sorgt der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf (FPÖ) für Aufregung. Anlass ist ein Kommentar, der in der freiheitlichen Wochenzeitung "Neue Freie Zeitung" am 21. Mai veröffentlicht wurde (siehe Faksimile). Kernsatz darin: Manche fragten sich schon, ob Ariel Muzicant (Präsident der Kultusgemeinde, Anm.) nicht als "Ziehvater des antifaschistischen Linksterrorismus" bezeichnet werden sollte, zitierte die grüne Klubobfrau Eva Glawischnig am Mittwoch im Parlament aus dem Beitrag. Grüne und SPÖ-Politiker, unter ihnen SPÖ-Klubobmann Josef Cap und der Wiener Bürgermeister Michael Häupl, fordern nun den Rücktritt des Dritten Nationalratspräsidenten.

Muzicant schrieb Brief an Regierungsspitze 

Ariel Mucziant hatte sich in einem Schreiben (siehe Im Wortlaut) an die Regierungsspitze, die Klubobmänner von SPÖ, ÖVP und Grünen sowie an die Präsidenten Barbara Prammer und Fritz Neugebauer gewandt und auf den Beitrag von Martin Graf aufmerksam gemacht.

Für Muzicant schreibt der Dritte Nationalratspräsident Graf solche Passagen "wohlweislich unter dem Mantel der Immunität". Der Präsident der Kultusgemeinde fragt nun die Parteien, was "ein Präsident des Österreichischen Nationalrats noch alles tun und sagen kann, bevor ihm das Misstrauen ausgesprochen wird und hier unmissverständliche Konsequenzen gesetzt werden".

Rücktrittforderungen

Die Grünen brachten die Aussagen Grafs in einer Geschäftsordnungsdebatte an die parlamentarische Öffentlichkeit. In einer Aussendung forderte Glawischnig Grafs Rücktritt: Er verletze zum wiederholten Mal "die Würde des Parlaments eklatant" und schade Österreichs Ansehen nachhaltig. BZÖ-Vizeklubchef Peter Westenthaler distanzierte sich "ganz klar" von der Äußerung seines früheren FPÖ-Parteikollegen. In solchen Fragen dürfe es kein Augenzwinkern geben.

Auch SPÖ-Klubobmann Josef Cap, der stets die Wahl Grafs in das Präsidium verteidigt hatte, fordert nun dessen Abgang. Cap verwies auf das Strafgesetzbuch, das die Verächtlichmachung und Beschimpfung von Religionsgemeinschaften unter Strafe stelle. ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf sieht die Aussagen Grafs als bewusste Grenzüberschreitung, um eine Mobilisierung für die FPÖ zusammenzubringen. Das sei "zutiefst verwerflich".

Graf verteidigt Aussagen über Muzicant 

Graf legte inzwischen eins nach und verteidigt seine Aussagen über Muzicant. In seinem Webblog (www.unzensuriert.at) warf er Muzicant Wehleidigkeit vor: "Wer der Parteipolitik nicht gewachsen ist, soll sich aus ihr heraus halten!"

Strache unterstützt Graf

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat den Dritten Nationalratspräsidenten verteidigt und gleichzeitig Ariel Muzicant attackiert. Politische Mitbewerber und Muzicant, "der sich in der Öffentlichkeit wie ein Parteipolitiker geriere", würden "laufend unhaltbare, skandalöse und parteipolitisch motivierte Beschimpfungen gegen die FPÖ und gegen führende FPÖ-Vertreter vom Stapel lassen", kritisierte Strache in einer Aussendung. Die FPÖ werde werden es sich auch "nicht nehmen lassen, diese bewusste und methodische Hetze zurückzuweisen".

Muzicant gieße "seit Jahren Öl ins Feuer", reagiere aber "äußerst wehleidig, wenn er selbst kritisiert" werde, so Strache. "Muzicant hält sich für eine moralische Instanz, knüppelt aber alles, was ihm nicht passt, mit der verbalen Faschismus- und Antisemitismus-Keule nieder." Es sei "hier das Opfer Graf zum Täter umstilisieren" worden, sagte Strache und wies auch den Antisemitismus-Vorwurf zurück.

Faymann: "Wenn es wahr ist, mit Schärfe zurückweisen"

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hatte zuvor die Aussagen von Graf verurteilt, wollte aber deren Wahrheitsgehalt selbst noch prüfen. "Wenn es so war, ist es eine Entgleisung, die mit aller Schärfe zurückzuweisen ist", sagte Faymann vor einem Treffen mit der EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel. "Ich halte es für ausgeschlossen, dass jemand, der im Präsidium des Nationalrates ist, eine derartige Entgleisung an den Tag legt."

Auf die Frage, ob er den Rücktritt von Graf fordern werde, sagte Faymann: "Das ist ein Thema, da verstehen wir keinen Spass. Da geht es um Aufwiegeln und Aufhetzen. Mit Hetzkampagnen und Hasspredigern möchte ich nichts zu tun haben, und daher möchte ich mir vorher noch einmal den Wahrheitsgehalt selbst anschauen."

SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas wird deutlicher: "Einmal mehr bestätigt sich meine Forderung, dass der Graf völlig ungeeignet für sein Amt ist und zurücktreten soll." Die Ausritte gegen Muzicant seien ungeheuerlich und völlig absurd. Für Rudas ist Graf ein "Wiederholungstäter" bei der Verbreitung von radikalem und hetzerischem Gedankengut, bei dem keinerlei Besserung mehr in Sicht sei.

Pröll: "Reihe respektloser Provokationen"

Scharf verurteilt hat auch ÖVP-Chef Vizekanzler Josef Pröll die Attacken Grafs gegen Muzicant. "Diese Aussagen reihen sich ein in eine immer länger werdende Liste gezielter und respektloser Provokationen, die ich aufs Schärfste ablehne. Mit den Äußerungen von Martin Graf hat der Europa-Wahlkampf der FPÖ einen neuen und unwürdigen Tiefpunkt erreicht. Gerade in Krisenzeiten ist eine derartige Kampagnenführung verantwortungslos und gefährlich", sagte Pröll, der heute seinen Salzburg-Tag hat, gegenüber der APA.

Mölzer distanziert sich nicht

Der FPÖ-Spitzenkandidat für die EU-Wahlen, Andreas Mölzer, hat sich am Mittwoch unterdessen nicht deutlich von Martin Grafs Aussagen gegen Ariel Muzicant distanziert. Ob dieser "Ziehvater des antifaschistischen Linksterrorismus" genannt werden solle, habe der dritte Nationalratspräsident "offenbar als Frage in den Raum gestellt", sagte er im Ö1-"Mittagsjournal". "Ich möchte das nicht beantworten."

Vranitzky und Häupl gegen Graf

Zu Wort gemeldet hat sich auch Franz Vranitzky (SPÖ). "Ich gehe aus Prinzip nicht mehr ins Parlamentsgebäude, so lange er dritter Nationalratspräsident ist", sagt der Altbundeskanzler im "News".

Auch Wiens Brügermeister Michael Häupl (SPÖ) forderte laut einer Aussendung der Rathauskorrespondenz den Rücktritt Grafs. "Diese Äußerungen sind aufs schärfste zu verurteilen und eines Demokraten unwürdig", so Häupl. Die Geisteshaltung und die Wortwahl des Dritten Nationalratspräsidenten seien "für ein friedliches Miteinander und einen parlamentarischen Diskurs in unserem Land inakzeptabel - ich fordere Martin Graf daher umgehend zum Rücktritt auf", wird Häupl zitiert. (red/APA)

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FalscherProphet
28.05.2009 19:53
Es ist wohl bezeichnend für Grafs Schmutzgesinnung,

dass er "antifaschistisch" in eine Schimpfbezeichnung einbaut.

Es hätte schon von Anfang an - als Graf FPÖ-intern nominiert wurde (oder kurz davor) von SPÖVP
folgende klare "Message" ausgesprochen werden sollen:

"Ja wir wählen einen FPÖ-ler zum dritten NR-Präsidenten.
Aber garantiert nicht den Olympiaden Graf.
Nominiert's gefälligst einen Anderen!"

Gamauf
28.05.2009 09:52
Ein paar nette Politologinnen ...

aus Rumänien würden mit Herrn Dr. Graf gerne über den bisher unbekannten Begriff des "antifaschistischen Linksterrorismus" diskutieren. Er kann gerne "Mein Kampf" oder das "Kapital" mitnehmen. Die Politologinnen werden ihre Argumente dabei haben. Es wird unter meinr Moderation sicher eine anregende erkenntnistheoretische Begriffsdiskussion ...

Hafner
28.05.2009 08:32
Warum war die Aussage schlecht?

Das ist ja nur ein abgewandeltes Pilz-Zitat?

FalscherProphet
28.05.2009 19:45
und darum ganz nebenbei auch noch sehr billig.

Hast Du die Aussage eigentlich schon fertig analysiert?

Wobei soll ich Dir denn weiterhelfen...

Hafner
28.05.2009 08:31
Muzikant hat

... doch irgendwann den Begriff "Kellernazis" gegen Freiheitliche verwendet.
Ich meine, wer austeilt, soll auch einstecken können.

FalscherProphet
28.05.2009 19:42
Wenn jemand allerdings den Begriff

"Antifaschist" in einen Schimpfbegriff einbaut,
dann ist das wohl sehr bezeichnend
um welchen Nazigeiste es sich hierbei handelt...

project subvert
27.05.2009 18:27

Nun ja, Herr Graf bewegt sich mmn auf der Grenze, denn mit seinen Aussagen unterstellt er eine aktive, antifaschistische Haltung sei linker Terrorismus. In diesem Fall bleibt mir nur eins zu sagen:

ICH BIN TERRORIST!

weil ich was zu sagen hab
27.05.2009 19:13

in der tat...in diesem fall würden dem land mehr terroristen sicher nicht schaden

AllesWieImmer
27.05.2009 18:14
Inklusion - Exklusion

Hr. Graf bedient sich einer Inklusions- bzw. Exklusionsrhetorik mit Todes- / Vernichtungsmetaphorik.
Und er findet "natürlich" deutliche Worte wenn ... zugleich hört sich "jede kultivierte Diskussion auf" wenn ...
Die Tugenden der Ingroup sind die Laster der Outgroup: Die "deutlichen Worte" dort/da sind die "Totschlagargumente" da/dort!
Jeder weiß, dass einzig und genau solch einer Rede die Rote Karte gehört: Mit solch einer Rede schließe ich mich selbst aus! (Oder: Alle tanzen nach meiner Pfeife!)
Ein Ausschluss hat aber nichts mit Tod oder Vernichtung zu tun!
Es ist wie bei geleugnetem Doping: Irgendwann wird man erwischt! Der Verfolgungswahn sagt: Ich bin vernichtet! In Wahrheit ist es Hilfe!

A. Raunzer
27.05.2009 17:46
Was muss noch alles geschehen

bis die Wähler dieser Partei endlich ihre Stimmen entziehen? Welche primitiven und dummen Provokationen werden offensichtlich immer noch mit Gejohle quittiert? Was dürfen sich Spitzenvertreter der FP noch alles erlauben, bis die Stimmung in Ablehnung umschlägt?
Sind das wirklich die Leute auf der Strasse, die uns täglich begegnen, die zu solchen Äußerungen noch applaudieren?
Dann muss man sich ernsthaft sorgen machen, dass die verbale in offene Gewalt umschlägt und die Demokratie zu Grabe getragen wird. Der Wahnsinn lernt nichts aus der Geschichte.

galiontariaho
27.05.2009 17:40
die fpö hats geschafft..

was ich eigentlich nie zun wollte..

aber nachdem die grünen unwählbar geworden sind werde ich zur eu-wahl gehen und entgegen meinem ursprünglichen plan nicht ungültig wählen, sondern das aller erste mal in meinem leben SPÖ...

jeder.. hingehen zur wahl.. und wählt eine partei.... wählt keine rechtsextremen, sondern wählt eine der wählbaren alternativen... tut alles um diese rechtsextremisten zu verhindern.

FalscherProphet
29.05.2009 14:18
Ähnliches hab' ich auch Verwandten gesagt,

die nicht zur EU-Wahl gehen, weil diese meinen:
"Was bringt's denn bitte?"

Mir ganz egal ob sie nun Grüne, SPÖ, Martin, JULis oder die KPÖ wählen - hauptsachen nicht die Braunen!
(Die aktuelle ÖVP-Linie, auf der Strasser den Olympiaden nichteinmal zum Rücktritt aufforderte halte ich ebenfalls für bedenklich...)

Im Exil
27.05.2009 17:38
was ist antifaschistischer linksterrorismus eigentlich?

wo bitte gibt es in österreich linken terrorismus?

ebergassing liegt mittlerweile fast 15 jahre zurück und die einzigen die damals zu schaden gekommen sind, waren die täter selbst.

oder meint er störaktionen bei fpö und anderen nazi veranstaltungen?


so etwas nennt man nicht terrorismus, sondern zivilcourage!
so etwas nennt man

Gamauf
27.05.2009 17:38
Graf ist ein Arschloch ...

... bin neugierg, ob dies jetzt veröffentlich wird. Der Kategorische Imperive (...) ist ja wohl Fehl am Platz.

Gehirnamputierter Volldillo
27.05.2009 17:35
Wo er recht hat

hat er recht.

FalscherProphet
28.05.2009 19:56
Jeder, der Graf mit Deinem Nick bezeichnet

hat recht.

2000 blumen,von anfang an welkig
27.05.2009 17:30
fpö-werbung für den 7.juni an jungwähler

erhalten.schnell wars dort,wos hingehöhrt,nämlich in den mistkübel.

Knicknack
27.05.2009 17:25
Und wieder gibt die FPÖ die Themen vor.

:-(

galiontariaho
27.05.2009 17:34
nope..

sie gibt nicht die themen vor, sie ist das thema..
aber in österreich reicht das völlig..

das ist aber ausschließlich schuld er wähler, denn die aktuellen aussagen der rechtsextremisten kann man nicht mehr so stehen lassen. dass solche aussagen nicht die fpö unter 1% fallen lassen sollte uns allen zu denken geben..

wie dumm ist österreich?

Knicknack
28.05.2009 10:39
Die Frage sollte wohl eher lauten:

Warum sin die anderen Parteien nicht bereit, auch zu unangenehmen Themen und Problemen Stellung zu beziehen?
Dort steckt man den Kopf in den Sand, um nicht bei irgendeiner Wählergruppe anzuecken. Die FPÖ hat dadurch leichtes Spiel, weil sie sich das Image der Partei erhalten kann, die als einzige zu den alltäglichen Problemen des 'kleinen Mannes' eindeutig Stellung bezieht.

couragierter Zivilist
27.05.2009 17:21
An Vorposter: Wieso WählerInnen-Wille?

Wieso sollte es nicht im Bereich d. NR-Abgeordneten,
eine Neuwahl d. 3.NR-Präsidenten durchzuführen, wenn d. von ihnen gewählte 3.Präsident wiederholt rechtsextreme Ansagen tätigt.
Weder in d. Verfassung noch in d. NR-Geschäftsordnung steht, dass der/die 3. PräsidentIn von d. 3.-größten Fraktion im Parlament kommen muß.
Bis 1983 waren d. 1. u. d. 3. NR-Präsident immer von d. stärksten Fraktion, eben aus d. Grund, da weder SPÖ noch ÖVP d. FPÖ d. Posten geben wollten (aus verständlichen historischen Gründen).
Erst mit d. "kleinen" SP/FP-Koalition wurde ein FP'ler 3.Präsident (war teil d. Koalitionsabkommens).
Besser wäre es daher, d. Posten einer/m anderen/m Abgeordneten zu geben, egal ob BZÖ od. Grün (FP scheidet wegen Rechtsbelastung aus)

Hafner
28.05.2009 08:28
Also eine von den Sozialisten ...

... geschaffene Regelung.
Erinnert auch an die Stiftungen. Die kamen auch von denen.
Jetzt tun sie so, als ob das vom Klassenfeind kommt.

Dr.Shirota
27.05.2009 17:18

muzicant als links zu bezeichnen ist ein starkes stück...

Hafner
28.05.2009 08:29
Wieso?

Er vertritt mit der IKG die sozialistische Vertretung.
Einer der Gründe des Zerwürfnisses mit Wiesenthal war, dass Wiesenthal sich der bürgerlichen Seite zugezogen fühlte.

pacatianus
 
27.05.2009 17:16

Dummdreist .. nennt man das - nicht nur die Aussage Grafs, die jetzt endlich zu einem Rücktritt führen muß - ansonsten ist diese Regierung nicht mehr glaubwürdig - sondern ebenso dummdreist sind die Unglaublichkeiten die Strache dazu auskotzt.
Der einzige Schluß, den man daraus ziehen kann: die FPÖ hält ganz Österreich für so dumm wie ihre eigenen Gesinnungsgenossen es offensichtlich sind.
Wenn Graf nich freiwillig geht, dann müssen die Österreicher direkt vor dem Parlament demonstrieren, das sind wir diesem Land und dessen Ansehen in aller Welt schuldig.
Morgen Mittag 28.5.2009 um 12 Uhr Demo vor dem Parlament.

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