24 Tote und 300 Verletzte bei Explosion einer Autobombe - Regierungsgebäude eingestürzt - Mit Video
Die pakistanischen Behörden vermuten Islamisten hinter dem blutigen Bombenanschlag in Lahore am Mittwoch. Damit wollten diese die Offensive der pakistanischen Armee im Swat-Tal kontern, hieß es.
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Lahore - Ein Minibus fährt zwischen der Einsatzzentrale der pakistanischen Polizei und dem Hauptquartier des Geheimdienstes ISI in Lahore vor. Vier bewaffnete Männer springen heraus und eröffnen sofort das Feuer auf die Wachmannschaften vor der ISI-Zentrale. Minuten später wird das Auto von einem starken Sprengsatz zerrissen, der den Straßenzug verwüstet.
So zeichnen die pakistanischen Behörden den verheerenden Bombenanschlag nach, der sich am Mittwoch in der ostpakistanischen Metropole ereignete. Zwei Dutzend Menschen kamen dabei ums Leben, rund 300 wurden verletzt. Innenminister Rehman Malik machte "Elemente, die das Land destabilisieren wollen" für das Attentat verantwortlich. Gleichzeitig deutete Malik an, es könne sich um einen "Racheakt der radikal-islamischen Taliban" handeln, gegen die die Armee seit Anfang Mai eine Großoffensive im nordwestlichen Swat-Tal führt. Der Justizminister der Provinz Punjab, Rana Sanaullah, sagte, nach dem Anschlag seien in der Nähe des Tatorts mindestens zwei Verdächtige festgenommen worden. Fernsehsender zeigten, wie Polizisten zwei bärtige Männer abführten.
Die angegriffene dreistöckige Polizeistation wurde durch die Wucht der Detonation vollständig zerstört. Auch mehrere Gebäude in der Nachbarschaft wurden zum Teil schwer beschädigt. Augenzeugen beschrieben die Situation dramatisch: "Es war eine massive Explosion in unserer Nachbarschaft. Unser Gebäudekomplex bebte höllisch", twitterte der Österreicher Michael Gattermeier, der sich zum Zeitpunkt der Detonation in der Universität von Lahore aufhielt, unmittelbar nach dem Vorfall. Rettungskräfte suchten Mittwochabend in den Trümmern noch nach Verschütteten.
Die Streitkräfte hatten ihre Offensive gegen die Taliban im Swat-Tal im vergangenen Monat begonnen, nachdem sich die militanten Kämpfer der Hauptstadt Islamabad bis auf 100 Kilometer genähert hatten. Seitdem wurden nach Militärangaben mehr als 1000 Taliban getötet und mehrere Landstriche zurückerobert. Allerdings führten die blutigen Gefechte auch dazu, dass allein in den vergangenen Wochen rund zwei Millionen Zivilpersonen fliehen mussten.
Petraeus in Islamabad
Von Regierungsseite war befürchtet worden, dass die Aufständischen mit Bombenanschlägen auf die Offensive reagieren könnten. Derzeit hält sich auch der Oberbefehlshaber der US-Truppen in der Region, David Petraeus, zu Gesprächen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad auf.
Die pakistanischen Regierungstruppen sehen die Taliban im umkämpften Swat-Tal am Rande einer Niederlage. Als Beleg dafür galt vor allem eine Erklärung der Islamisten vom Montag, in der sie ankündigten, die Regierungstruppen in der Hauptstadt des Swat-Tals, Mingora, nicht mehr angreifen zu wollen, um Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden. Weiter hieß es jedoch auch, dies sei ein langer Kampf und die Taliban würden ihn fortsetzen, bis ein islamisches System durchgesetzt sei.
In diesem Jahr wurde Lahore bereits von mehreren spektakulären Anschlägen erschüttert. Anfang März griffen schwerbewaffnete Extremisten die Fahrzeugkolonne der Cricket-Nationalmannschaft von Sri Lanka an. Dabei wurden sieben pakistanische Sicherheitsbeamte getötet sowie acht Sportler verletzt. Wenige Wochen später attackierten Aufständische eine Polizeischule am Stadtrand von Lahore und töteten mehrere Menschen. (AP, dpa, red(DER STANDARD, Printausgabe, 28.5.2009)