"Politische Bildung" der FPÖ in Comicform

28. Mai 2009, 16:23
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Als blaues, muskelbepacktes Comicmännchen kämpft Strache gegen die übermächtige EU und warnt vor einer "Umvolkung"

Der EU-Wahlkampf treibt seltsame Blüten - und mehr oder weniger kreative Geister dazu, sich künstlerisch zu engagieren. So hat das FPÖ-Wahlkampfteam in altbewährter Manier zum Zeichenstift gegriffen und auf ihrer Homepage einen Comic veröffentlicht. "Der blaue Planet - HC's Kampf für Freiheit gegen eine zentrale EU" heißt das Stück und der Parteichef ist darin der muskelbepackte - an mancher Stelle fast nackte - strahlende Held namens "HC Stra-Che".

Die Handlung: Böse Aliens vom "Zentralplaneten" wollen den "blauen Planeten" mittels Reformvertrag unterjochen. Der mutige "HC" durchschaut als einziger das böse Spiel und besucht zwecks Recherche den "grauen Planeten", wo ihm ein Doppelgänger namens "Stra-Che" die Folgen des Vertrags vor Augen hält.

Bereits zu Beginn heißt es in einer Art Vorwort, es handle sich dabei um "keine Parteiwerbung und keine öde Belehrung". Und man habe auch sicherlich "manches ein bisschen übertrieben ;-)!"

Für Wörter, die aus Augen der Verantwortlichen für den gemeinen Leser zu kompliziert sein könnten, gibt es Fußnoten. Wie bei "Bürokraten" - das sind laut Übersetzung: "Hochbezahlte Beamte in Brüssel" oder "Patriotismus" - "Heimatliebe im besten Sinne des Wortes". Dafür nahm man es bei der korrekten Schreibweise nicht so genau - "Paket" verkommt dabei schon mal zu "Packet".

Damit der Comic bei der Zielgruppe ankommt, für die er gedacht ist, verschickt Strache zusätzlich  Briefe an Jugendliche, um sie auf das Erzeugnis aufmerksam zu machen. Es gehe ihm um "politische Bildung einmal anders", steht da drinnen. Diese Bildung nach Strache warnt die Jugendlichen jedenfalls gleich einmal vor einer "Umvolkung" - nach der man nicht mehr mit "Grüß Gott" grüßen darf (siehe Ausschnitt).

Verantwortlich für den Inhalt als Herausgeber ist übrigens das Freiheitliche Bildungsinstitut.

Strache rappt wieder 

Aus der gleichen Gesinnungsfeder dürfte auch der neuste HC-Rap stammen: "Österreich zuerst". In dem Lied, das mit einer Abwandlung der Europa-Hymne beginnt, gibt Strache altbekannte FPÖ-Kritik über die Union zum Besten. So werden Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Josef Pröll als "Brüsselbrüder" bezeichnet, die Österreich "nieder regieren" würden.

"Rot-Schwarz knausert bei den Armen, bei Gold für Brüssel sagen's Ja und Amen", meint der Hobby-Rapper weiter. Auch vor einem EU-Beitritt des Sudans und Chinas wird gewarnt: "Geht es nach EU und USA, ist das kein Scherz, sondern morgen wahr."

Beschwerde von Mercedes - FP-Comic wird überarbeitet

 Die FPÖ hat ihr EU-Wahlkampfcomic inzwischen vom Netz genommen. Auf der Homepage der Partei stand am Donnerstagnachmittag nur noch der "EU-Rap" zum Download bereit, der Link zur blauen Bildergeschichte ("Der Blaue Planet") war verschwunden. Als Grund nannte FP-Generalsekretär Herbert Kickl einen Beschwerdebrief von Mercedes: Auf einem der dargestellten Autos sei "so etwas wie ein Mercedesstern" zu sehen gewesen. Das werde nun korrigiert, dann komme das Comic wieder ins Internet, kündigte Kickl gegenüber der APA an.

Weitere Korrekturen am Comicstrip wird es laut Kickl nicht geben. "Gar nix wird korrigiert", wies der FP-Generalsekretär die Kritik der Sozialistischen Jugend zurück, die dem Cartoon sexistische und hetzerische Züge attestiert hatte. Die Sozialistische Jugend solle sich lieber fragen, warum ihnen die Jungwähler "in Scharen davonlaufen", sagte Kickl. (red/APA)

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