Für 123 Millionen Euro - Außerdem sei eine Vertriebsvereinbarung für DSL-Produkte geschlossen worden
Der Internetanbieter United Internet (UI) steigt mit der Übernahme des DSL-Geschäfts von Freenet zum zweitgrößten Anbieter von schnellen Internetanschlüssen in Deutschland auf. Freenet schlägt seine defizitäre Breitband-Sparte nach fast einjähriger Käufersuche für 123 Millionen Euro an seinen Großaktionär UI los und streicht dabei weit weniger ein als ursprünglich erhofft. Noch zu Jahresanfang hatten Analysten den Wert auf das zwei- bis dreifache geschätzt.
Kurssprung ausgelöst
An der Börse löste das Ende der Hängepartie einen Kurssprung bei United Internet und Freenet aus. Die beiden im TecDax gelisteten Aktien führten mit einem Kursplus von sechs beziehungsweise drei Prozent die Gewinnerliste in ihrem Segment an. Experten rechnen nun damit, dass die erwartete Konsolidierung am umkämpften DSL-Markt Fahrt aufnimmt.
Vereinbart wurde, dass Freenet zum Jahresende 2009 rund 700.000 DSL-Kunden an United Internet übergibt. Freenet leidet im DSL-Geschäft unter massivem Kundenschwund und zählte Ende März noch 910.000 Breitband-Anschlüsse. Mit der in dem Abschluss genannten Zahl geht das norddeutsche Telekommunikationsunternehmen von einem Verlust von 150.000 Verträgen in den nächsten Monaten aus. Rund 60.000 DSL-Anschlüsse aus dem regionalen Gemeinschaftsunternehmen KielNet sollen bei Freenet bleiben.
Deutsche Telekom deutlich voran
United Internet mit Sitz in Montabaur zählte Ende März 2,82 Millionen Breitbandanschlüsse und lag damit hinter Vodafone mit 3,22 Millionen DSL-Kunden auf Rang drei. Zusammen mit der Freenet-Sparte käme UI auf 3,52 Millionen. Unangefochten Marktführer ist mit großem Abstand die Deutsche Telekom, die Ende März 13,5 Millionen DSL-Kunden zählte. Vodafone kann die alte Rangfolge wieder herstellen, wenn es den Zuschlag für die zum Verkauf stehende Telecom-Italia-Tochter HanseNet erhält, die zuletzt 2,3 Millionen DSL-Kunden hatte.
Der frühere Freenet-Chef Eckhard Spoerr hatte das Breitbandgeschäft vor knapp einem Jahr zum Verkauf gestellt, konnte aber keinen Interessenten präsentieren. Zuletzt hatte das Unternehmen mit Sitz in Büdelsdorf deshalb auch erwogen, die Sparte zu behalten.
Die Wende
Die Wende kam offenbar mit dem neuen Vorstandschef Christoph Vilanek, der seit April in die Verhandlungen einbezogen war. Der Österreicher schaffte es, den lange offen ausgetragenen Streit mit den beiden Großaktionären beizulegen, der Spoerr letztlich seinen Vorstandsposten gekostet hatte. UI und Drillisch kontrollieren über das Gemeinschaftsunternehmen MSP und direkt 25,9 Prozent von Freenet.
Die beiden Rivalen hatten das DSL- und das Mobilfunkgeschäft von Freenet unter sich aufteilen wollen. Doch Freenet hatte mit der Übernahme des Mobilfunkdienstleisters Debitel die Pläne durchkreuzt.
Konsolidierung
Durch die Übernahme wurde der Finanzinvestor Permira, dem Debitel gehörte, neuer Freenet-Großaktionär.
Drillisch-Chef Pascalis Choulidis sagte zu Reuters: "Wir fühlen uns als Aktionäre von Freenet wohl." Drillisch habe nicht vor, Anteile zu verkaufen. Drillisch mit Sitz in Maintal ist sehr viel kleiner als Freenet und hatte seinen Einstieg damit begründet, die Konsolidierung in der Mobilfunkbranche vorantreiben zu wollen.(APA/Reuters)