IAEO-Chefposten-Kandidat Jean-Pol Poncelet im STANDARD-Interview
Mit seiner Bewerbung um den Chefposten bei der Atomenergiebehörde IAEO in Wien wolle Belgien einen "dritten Weg" anbieten, sagte der Kandidat Jean-Pol Poncelet zu Julia Raabe.
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Standard: Angenommen, Sie wären neuer IAEO-Chef und hätten einen Wunsch frei, der sich sofort umsetzen ließe. Was würden Sie wollen?
Poncelet: Ich gehe zurück zu Kernziel und Mission der Behörde: einen Weg zu haben, die nachhaltige Entwicklung von Nuklearenergie zu unterstützen, aber zu friedlichen Zwecken. Die Förderung von Atomenergie ist Teil der Lösung des Entwicklungsproblems. Gleichzeitig Vertrauen in das Kontrollsystem und die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen. Es wäre der größte Traum, den ich haben könnte.
Standard: Sie sind als Letzter ins Rennen eingestiegen. Ein Last-Minute-Beschluss?
Poncelet: Es war eine Entscheidung der belgischen Regierung. Sie geht davon aus, dass Belgien als konsensorientiertes Land angesichts der Situation in der Behörde (keine Einigung auf einen Kandidaten in erster Abstimmungsrunde, Anm.) einen dritten Weg anbieten könnte, um einen breiten Konsens herzustellen.
Standard: Das sagen auch Ihre Mitbewerber. Wie unterscheiden Sie sich von ihnen?
Poncelet: Die Frage müsste an die Regierung gestellt werden. Sie hat sich für diesen Weg entschieden. Es ist keine Kandidatur gegen irgendjemanden. Es ist einfach ein konstruktiver Vorschlag der Regierung zu sagen: Wir würden gerne zu einem breiteren Konsens beitragen. Was meinen persönlichen Hintergrund betrifft: Es ist meine Lebensgeschichte. Ich muss kein Bild von mir kreieren. Ich war Vizepremier, aber mit technischem Hintergrund. Ich habe viele Jahre im öffentlichen Sektor und in internationalen Organisationen verbracht. Es ist ein Mix an Erfahrung in verschiedenen Sektoren.
Standard: IAEO-Chef ElBaradei ist teilweise als zu politisch kritisiert worden. Würden Sie es anders machen?
Poncelet: Ich würde es nicht "anders" nennen. Die Aufgabe des Generaldirektors ist es, eine technische Organisation zu leiten. Letzten Endes erwarten die Mitgliedsstaaten von ihm, dass er klare Statements im technischen Bereich macht, über die Situation in jedem Land. Natürlich muss er dann die politische Lage verstehen. Aber das Problem ist, die richtige Balance zu finden. Das ist nicht leicht. Mohammed ElBaradei hat das gut gelöst.
Standard: Eine der brisantesten Fragen ist das iranische Atomprogramm. Was könnte eine mögliche Lösung sein?
Poncelet: Die Rolle der IAEO ist es, Fakten objektiv zu überprüfen. Das wurde vom Generaldirektor und seinem Team gemacht. Ihr Mandat ist es, an den Gouverneursrat zu berichten. Wenn es um eine politische Entscheidung geht, muss sie von den Mitgliedstaaten getroffen werden, nicht vom Generaldirektor. Er und sein Team müssen den bestmöglichen Dialog aufrechterhalten.
Standard: US-Präsident Obama will eine Welt ohne Nuklearwaffen, es gibt Abrüstungsgespräche mit Russland - der Anfang vom Ende des Atomwaffen-Zeitalters?
Poncelet: Es sind gute Neuigkeiten, dass ein Atomwaffenstaat sein Nukleararsenala reduzieren will. Das kann Vertrauen fördern. Aus Sicht der IAEO stellt sich die Frage, welche Folgen das für die Arbeit und das Ziel der Behörde haben könnte. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.5.2009)
Zur Person
Der Belgier Jean-Pol Poncelet (59) ist Direktor
für Nachhaltige Entwicklung bei der französischen Energiegruppe Areva.
Der studierte Physiker war ab 1995 Vizepremier und
Verteidigungsminister, 1998 wechselte er ins Energieministerium. Ab
2001 war er Direktor bei der Raumfahrtbehörde Esa. Insgesamt gibt es
fünf Bewerber für den IAEO-Posten. Am Dienstag,präsentieren sie vor dem
Gouverneursrat ihre Kandidatur.