Friedliche Atomenergie, Kontrolle, Sicherheit – "der größte Traum"

24. Mai 2009, 18:45
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    Jean-Pol Poncelet, IAEO-Kandidat

IAEO-Chefposten-Kandidat Jean-Pol Poncelet im STANDARD-Interview

Mit seiner Bewerbung um den Chefposten bei der Atomenergiebehörde IAEO in Wien wolle Belgien einen "dritten Weg" anbieten, sagte der Kandidat Jean-Pol Poncelet zu Julia Raabe.

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Standard: Angenommen, Sie wären neuer IAEO-Chef und hätten einen Wunsch frei, der sich sofort umsetzen ließe. Was würden Sie wollen?

Poncelet: Ich gehe zurück zu Kernziel und Mission der Behörde: einen Weg zu haben, die nachhaltige Entwicklung von Nuklearenergie zu unterstützen, aber zu friedlichen Zwecken. Die Förderung von Atomenergie ist Teil der Lösung des Entwicklungsproblems. Gleichzeitig Vertrauen in das Kontrollsystem und die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen. Es wäre der größte Traum, den ich haben könnte.

Standard: Sie sind als Letzter ins Rennen eingestiegen. Ein Last-Minute-Beschluss?

Poncelet: Es war eine Entscheidung der belgischen Regierung. Sie geht davon aus, dass Belgien als konsensorientiertes Land angesichts der Situation in der Behörde (keine Einigung auf einen Kandidaten in erster Abstimmungsrunde, Anm.) einen dritten Weg anbieten könnte, um einen breiten Konsens herzustellen.

Standard: Das sagen auch Ihre Mitbewerber. Wie unterscheiden Sie sich von ihnen?

Poncelet: Die Frage müsste an die Regierung gestellt werden. Sie hat sich für diesen Weg entschieden. Es ist keine Kandidatur gegen irgendjemanden. Es ist einfach ein konstruktiver Vorschlag der Regierung zu sagen: Wir würden gerne zu einem breiteren Konsens beitragen. Was meinen persönlichen Hintergrund betrifft: Es ist meine Lebensgeschichte. Ich muss kein Bild von mir kreieren. Ich war Vizepremier, aber mit technischem Hintergrund. Ich habe viele Jahre im öffentlichen Sektor und in internationalen Organisationen verbracht. Es ist ein Mix an Erfahrung in verschiedenen Sektoren.

Standard: IAEO-Chef ElBaradei ist teilweise als zu politisch kritisiert worden. Würden Sie es anders machen?

Poncelet: Ich würde es nicht "anders" nennen. Die Aufgabe des Generaldirektors ist es, eine technische Organisation zu leiten. Letzten Endes erwarten die Mitgliedsstaaten von ihm, dass er klare Statements im technischen Bereich macht, über die Situation in jedem Land. Natürlich muss er dann die politische Lage verstehen. Aber das Problem ist, die richtige Balance zu finden. Das ist nicht leicht. Mohammed ElBaradei hat das gut gelöst.

Standard: Eine der brisantesten Fragen ist das iranische Atomprogramm. Was könnte eine mögliche Lösung sein?

Poncelet: Die Rolle der IAEO ist es, Fakten objektiv zu überprüfen. Das wurde vom Generaldirektor und seinem Team gemacht. Ihr Mandat ist es, an den Gouverneursrat zu berichten. Wenn es um eine politische Entscheidung geht, muss sie von den Mitgliedstaaten getroffen werden, nicht vom Generaldirektor. Er und sein Team müssen den bestmöglichen Dialog aufrechterhalten.

Standard: US-Präsident Obama will eine Welt ohne Nuklearwaffen, es gibt Abrüstungsgespräche mit Russland - der Anfang vom Ende des Atomwaffen-Zeitalters?

Poncelet: Es sind gute Neuigkeiten, dass ein Atomwaffenstaat sein Nukleararsenala reduzieren will. Das kann Vertrauen fördern. Aus Sicht der IAEO stellt sich die Frage, welche Folgen das für die Arbeit und das Ziel der Behörde haben könnte. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.5.2009)

Zur Person
Der Belgier Jean-Pol Poncelet (59) ist Direktor für Nachhaltige Entwicklung bei der französischen Energiegruppe Areva. Der studierte Physiker war ab 1995 Vizepremier und Verteidigungsminister, 1998 wechselte er ins Energieministerium. Ab 2001 war er Direktor bei der Raumfahrtbehörde Esa. Insgesamt gibt es fünf Bewerber für den IAEO-Posten. Am Dienstag,präsentieren sie vor dem Gouverneursrat ihre Kandidatur.

Kommentar posten
20 Postings
oiso
63
25.5.2009, 08:52

ein einziges wort sollte reichen

Tschernobyl

fischkopp
31
25.5.2009, 10:37

Auch Autounfälle enden tödlich. Ein einziges Wort sollte reichen:
Trabant

klar kent
00
12.6.2009, 18:37

der vergleich hingt hinsichtlich nachhaltigkeit, umfang und reichweite.

Andrew Jones
00
25.5.2009, 10:23
Sie können auch "Napoleon" erwähnen, oder

globale Erwärmung..

nadoaschauher
00
25.5.2009, 10:05
Sie haben sich wohl nie informiert

Sie können ein kleinwenig nachholen:
http://www.kernenergie.de/r2/docume... l_2006.pdf

Nik M
00
25.5.2009, 11:32

Magnox-Reaktoren sind graphitmoderiert, und britisches Design. Die lassen die Autoren des Zettels, zu dem sie linken, wohl lieber unter den Tisch fallen. Weiters sind Pebblebed Reaktoren graphitmoderiert, und einen positiven Dampfblasenkoeffizienten haben auch die westlichen CANDU Reaktoren.

In der Diskussion um nukleare Sicherheit wird meistens mit den Standards des EPR oder dem AP1000 argumentiert. Und ja, das sind schon sehr sichere Reaktoren. Wenn sie einmal die Flotte der KKWs derzeit ersetzt haben werden.

nadoaschauher
00
25.5.2009, 13:33

Die Magnox-Reaktoren werden in absehbarer Zeit abgeschalten.
Die Pebblebed Reaktoren sind inherent sicher. Beim Abschalten der Kontrolle steigt die Temperatur nur auf einen sicheren Wert an und fällt anschliessend.
Der CANDU hat eine höhere Temperaturkapazität als der RBMK. Er hat auch zwei Abschaltsysteme.

http://canteach.candu.org/library/1... 910101.pdf

I bis
00
25.5.2009, 10:03
Nein, es reicht nicht.


Tschernobyl ist trotz der katastrophalen Folgen kein gutes Argument gegen AKWs. Es ist ein Argument gegen hochriskante Reaktortypen.

Die RBMK-Reaktoren sind tickende Zeitbomben. Keine Sicherheitshülle (hätte viel verhindert), zT unstabil im Betrieb (=neigt zum Durchgehen, wie eindrucksvoll demonstiert wurde), Unmengen an glühendem Graphit im Kern (brennt tagelang). Die wenigen RBMKs, die noch in Betrieb sind, machen mir weit mehr Sorgen als alle anderen europäischen AKWs zusammen.

Die RBMKs sind ein Produkt des Kalten Krieges. Denn so riskant dieses Design auch ist, es hat zwei damals ausschlaggebende Vorteile:

Die Reaktoren sind billig und man kann damit recht einfach waffenfähiges Plutonium herstellen.

grifter
02
25.5.2009, 11:47

Unglaublich, wie schnell dieses Gefühl des Kalt-über-den-Buckel-Rinnens von der Allgemeinheit vergessen werden kann.
Da also die gruselige Radio- und Fernsehmeldungsrealität vom April '86 offensichtlich nicht ausreicht, schlage ich halt ein anderes einziges Wort vor, das reichen sollte:

Endlager.

nix fir unguad
00
25.5.2009, 13:44
Frankreich und Japan arbeiten an der Wiederaufarbeitung

Die Aktinoiede sowie langlebige Spaltprodukte werden aus dem Abfall herausgetrennt und werden als Brennstoff in einem Schnellen Neutronenreaktor oder in einem Energy Amplifier unter Energiegewinnung verbrannt.
Das ganze heisst Partitioning & Transmutation.
Der verbliebene Rest erreicht innerhalb von 1000Jahren die Radioaktivität von natürlichem Uranerz. Eine Lagerung für 1000Jahre ist technisch leicht machbar.
Auch die Endlagerung in Tiefenlöchern (3-5km) ist eine bewältigbare Möglichkeit.

I bis
00
25.5.2009, 12:31


Endlager ist ein besseres Argument.

Es spricht allerdings auch für einen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe, denn deren "Endlager" ist die Athmosphäre, was voraussichtlich zu Zerstörungen führt, die Tschernobyl weit in den Schatten stellen (Küstenstädte im Meer versunken, Wüste in jetzt fruchtbaren Gebieten ...).

Ich persönlich halte den weitgehenden Ausstieg aus der Nutzung von Kohle (am CO2-intensivsten) und Öl (wird zunehmend knapp und damit zunehmend politischer Sprengstoff) deshalb für dringender als den Atomausstieg.

Cerny
00
25.5.2009, 10:27
Permanente Stöhrfälle in europäischen AKW's beweisen das Gegenteil.

Auch wenn die immer wieder als Argument der Atomindustrie strapazierte Wunder der Unwahrscheindlichkeit wegen errechneter Wahrscheindlichkeit pro AKW ins Rennen geführt wird.

Da mag ich Sie doch ersuchen dieselbe Wahrscheindlichkeitsrechnung auf alle AKW's weltweit - inkl. deren Parametern anzuwenden.

So gesehen wissen wir nicht welches uns um die Ohren fliegen wird, sondern nur das dies eigentlich wahrscheindlich ist.

Ist irgendwie Lotto für Optimisten.

mfg

nix fir unguad
00
25.5.2009, 16:27
Sicherlich gibt es Störfälle, aber der Grßteil ist...

...nicht gravierend.
Ein Reaktor westlicher Bauart wird uns nicht um die Ohren fliegen.

Cerny
00
26.5.2009, 09:18
Sagte der Fuchs zum Hasen.

hulkjr
00
25.5.2009, 09:45
harrisburg, sellafield ...

Asse II ...

nix fir unguad
00
25.5.2009, 10:11
Harrisburg war ein Unfall aus dem gelernt worden ist

Sellafield ist vielleicht verbesserungswürdig und Asse kann rehabilitiert werden. In Asse haben wohl die Deutschen nicht mit der sprichwörtlichen Gründlichkeit gearbeitet.

Cerny
00
25.5.2009, 08:35
die nachhaltige Entwicklung von Nuklearenergie

Was soll das den bitteschön sein?

Das herstellen eines breiten Konsens in dieser Frage kann ja auch unterschiedlich interpretiert werden. So als einstellen einer meiner Meinung nach berechtigten Diskussion zu dem Bereich. Oder aber als Möglichkeit einer politischen Handlungsfähigkeit - die ohne Konsens ja schwer möglich ist.

Da die politische Variante ja andernorts deklariert wird sieht es mir eher nach meiner ersteren Vermutung aus...

GarciaLorca
07
24.5.2009, 19:29
Man kann die zivile und militärische Nutzung der Kernspaltungstechnologie nicht voneinander trennen

Das liegt in der Natur der Sache selbst. War schon immer so und wird vermutlich auch immer so bleiben.

Wann kapieren diese Herrn das endlich?

Werner FROELICH
00
25.5.2009, 12:02
kann man doch

erst diesen Monat erreichte ein Transport von MOX Brennelementen von Frankreich kommend Japan.
Diese Brennelemente enthalten Plutonium das in den japanischen Reaktoren ( als einzige auf der Welt ) verheizt ( verbrannt wäre falsch ) wird. Das ist der einzig bekannte Weg Plutonium zu vernichten, ohne dabei einen großen Bumms zu machen.
Und ist ausserdem sehr kostengünstig! Relativ günstig - wenn man die sonstigen Kosten Plutonium zu lagern und zu bewachen betrachtet ist es nachgerade spottbillig!

hcl
11
24.5.2009, 20:02

Aber sicher. Mit einem Kernkraftwerk werden Sie beispielsweise kaum Kernwaffen herstellen können. Das geht mit Forschungsreaktoren viel leichter.

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