Führung durch das "Kunstwerk Stadt"

1. Juni 2009, 16:00
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Autor August Sarnitz fasst in "Architektur Wien: 700 Bauten" exemplarisch Objekte aus allen Epochen und Baustilen zusammen

Wien - Als "Work in Progress" beschreibt August Sarnitz sein neues Buch "Architektur Wien: 700 Bauten". Der Autor führt in beachtlichen 592 Seiten durch das "Kunstwerk Stadt". Einen Schwerpunkt setzen dabei die Bauten und die Stadtplanung der jüngeren Vergangenheit, die Wien ein modernes Gesicht gegeben haben. Mit Essays von Renate Banik-Schweitzer und Matthias Boeckl kommen ExpertInnen zu Wort, die das Thema Stadterneuerung diskutieren und so dem/der LeserIn einen differenzierten Blick auf die Bautensammlung ermöglichen.

Banik-Schweitzer skizziert in ihrem Essay die Stadtentwicklung und spannt dabei einen Bogen vom römischen Legionslager Vindobona (100 n.Chr.) über das Wien als Teil des ungarische Reich (10. Jahrhundert), bis hin zum heutigen Wien als europäische Großstadt. Autor Sarnitz beschreibt die Entwicklung neuer Projekte wie etwa der Wiener Bahnhöfe und des ehemaligen Flugfelds Aspern. Matthias Boeckl hinterfragt im Anschluss den Begriff der Kulturstadt. In seinem Essay hinterfragt er den Begriff "Kultur" und beschreibt die Museums- und Ausstellungsbauten (1975 bis 1990), die Eventkultur und die "Festivalisierung" des Kulturbetriebes.

Blick auf Kulturbauwerke, Lokale und Wohnungsbauten

Sarnitz beginnt sein "Nachschlagewerk" mit einem Blick durch den ersten Gemeindebezirk. Er verweilt unter anderem bei der Wiener Secession. Im Jahre 1897 gegründet, sollte ihre Aufgabe die Zusammenfassung neuer, avantgardistischer Kunstströmungen sein, die durch den Ausstellungsbau einer breiten Bevölkerungsschicht vorgestellt werden sollten. 1898 wurde das Ausstellungshaus nach Entwürfen des Otto Wagner-Schülers Joseph Maria Olbrich erbaut. Von 1982-86 wurde die Secession von Adolf Krischanitz renoviert und umgebaut.

"Architektur ist Hintergrund und soll nicht belästigen"

Mit Aussagen des Architekten Hermann Czech, beschreibt Sarnitz das "Kleine Café" als eine weitere Station in seinem Buch. "Architektur ist Hintergrund und soll nicht belästigen" sei das Architekturverständnis des, Mitte der 1970er Jahre realisierten, "Kleinen Cafés". Der Autor befasst sich aber nicht nur mit touristisch interessanten Bauwerken, sondern, am Beispiel Per-Hansson-Siedlung West (1947), auch mit Wohnblöcken und Siedlungen. Benannt nach dem damaligen Ministerpräsidenten von Schweden, Per Albin Hanson, der durch die "Schwedenhilfe" diesen Siedlungsbau ermöglichte, "zeigt dieser Wohnbau die tatsächlichen Verhältnisse nach dem Krieg", so Sarnitz. Das Architektenteam unter der Leitung Franz Schusters plante die Wohnungen sowie den Kindergarten, die Schule und das Volkshaus in klar strukturierten Reihenhaus- und Zeilenbauten.

Reich bebildertes "Nachschlagewerk"

Der Autor schafft mit seinem Buch ein reichbebildertes "Nachschlagewerk" für alle Intessierten an der Wiener Architektur. Mithilfe des Kartenmaterials, der Indices zu Chronologie und ArchitektInnen erhält der/die LeserIn einen guten Überblick über Bauwerke, aber auch die jeweiligen Epochen, in denen diese entstanden. Ein kurzer Text sowie bestechend gute Bildausschnitte verleiten den Leser auch über Bauwerke zu "stolpern", die bislang kaum näher betrachtet wurden. (red)

August Sarnitz:
"Architektur Wien: 700 Bauten"
Springer-Verlag 2008
ISBN-Nummer 978-3-211-71535-2
34,95 Euro

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    foto: verlag
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