Laut Meinungsforschern vieles offen

22. Mai 2009 09:07

Experten wagen kaum Prognosen - Wähler-Mobilisierung wichtigste Frage

Wien - Gut zwei Wochen vor der EU-Wahl am 7. Juni sind die Prognosen der Experten mehr als unsicher. Die Vorhersagen für diese Wahl seien insgesamt äußerst schwierig, so der Tenor der offenbar noch recht ratlosen Meinungsforscher. Aktuell sehen die Experten weiter ein Kopf-an-Kopf-Rennen von SPÖ und ÖVP, wobei beide Parteien verlieren dürften. Die FPÖ wird demnach stark zulegen. Grundsätzlich orten die Meinungsforscher eher geringes Interesse an der Wahl - auch seitens der Parteien, was sich etwa in den Wahlkampf-Ausgaben manifestiere.

Im Vorteil seien die Parteien, die ihre eigene Klientel am besten mobilisieren können, sagten die Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer (OGM) und Peter Hajek im Gespräch mit der APA. Für Hajek sind das derzeit nach wie vor diejenigen, die der EU gegenüber positiv eingestellt sind, die EU-Gegner hätten derzeit ein "Mobilisierungsproblem". Auch die Strategie der FPÖ, die etwa mit ihrem Wahlslogan "FPÖ-Veto gegen EU-Beitritt von Türkei und Israel" für heftige Aufregung gesorgt hatte, ist für Hajek ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Freiheitlichen "mit allen möglichen Mitteln" Leute zur Wahl bringen wollten. Wem der in der Folge ausgebrochene Konflikt mit der SPÖ letztlich nützen wird, sei offen.

Bachmayer ortet bezüglich Mobilisierung in den Umfragen der vergangenen Wochen ein "seltsames Phänomen": Im Zuge der Wirtschaftskrise sei die Gruppe EU-Befürworter größer geworden. Und diese "grundsätzliche pro-europäisch eingestellte Gruppe" beabsichtige, "sich in höherem Maße an der Wahl zu beteiligen als die etwas geschrumpftere Gruppe der EU-Kritiker" - eine ungewöhnliche Situation, denn: Im Normalfall seien jene besser zu mobilisieren, "die sich ärgern", so Bachmayer. Diese Situation würde bedeuten, dass kritische Parteien wie die FPÖ diesmal eine schlechte Ausschöpfung erreichen und ein schwächeres Ergebnis einfahren könnten. Auch der heftige FPÖ-Wahlkampf der letzten Tage weise darauf hin, dass diese These richtig sein könnte, so Bachmayer.

Bei der Klarheit ihrer Botschaften haben laut Experten FPÖ und BZÖ die Nase vorne. Grüne, ÖVP und SPÖ hätten das Problem, dass sie in ihren Botschaften nicht sehr kantig und erkennbar seien. Für das BZÖ sieht Hajek den Einzug ins EU-Parlament allerdings als noch nicht fix an. Gute Chancen, ein zweites Mandat zu machen, räumt er der FPÖ ein - dies hänge aber vom Abschneiden Hans-Peter Martins ab. Von einer "heiklen prognostischen Situation" sprach Bachmayer, der Vorsprung der ÖVP auf die SPÖ scheine derzeit sehr knapp. Auch laut Harald Pitters (Gallup) ist die Entscheidung um Platz eins noch lange nicht gefallen. Prognosen seien schwer: "Die Anzahl derer, die entschieden sind, ist nochmals deutlich geringer, als es bei nationalen Wahlen der Fall ist", sagte er.

Klar feststellbar ist laut Bachmayer derzeit lediglich, dass Martin seit der Bekanntgabe seines Antretens in den Umfragen sehr deutlich zugelegt hat. Er prognostiziert dem streitbaren EU-Mandatar ein zweistelliges Ergebnis.

Einig sind sich die Forscher darin, dass die EU-Wahl auf eher geringes Interesse stößt - nicht nur beim Wähler: Es werde "viel weniger investiert" als bei Nationalratswahlen, so Pitters. In den Medien stoße der Wahlkampf auf geringeres Interesse. Werner Beutelmayer (market) konstatiert: "Die EU-Wahl ist derzeit noch nicht sehr im Bewusstsein der Wähler."

Bachmayer meint allerdings, dass die Europawahlen für die Parteien dennoch wichtig seien, denn die innenpolitischen Effekte wären doch "beträchtlich". SPÖ-Chef Werner Faymann müsse nach den "unbefriedigenden Ergebnissen in Kärnten und Salzburg" ein gutes Resultat vorlegen. ÖVP-Obmann Josef Pröll sieht der Experte weniger unter Druck, denn die ÖVP sei in der "angenehmen Situation", von Platz zwei aus zu starten.

Die Wahlbeteiligung dürfte laut Experten ziemlich stabil bleiben (2004: 42,4 Prozent). Extrem niedrig angesetzte Prognosen wie etwa jene der Eurobarometer-Umfrage, wonach nur 21 Prozent der Österreicher wahrscheinlich zur Wahl gehen wollen, hält Bachmayer für "Schwachsinn". Er vermutet einen leichten Anstieg gegenüber 2004. Denn trotz mangelndem Interesse an EU-Themen sei Europa dieses Mal viel präsenter als in den letzten Jahren. Grund dafür sei die Wirtschaftskrise, im Zuge derer "fast jeden Abend im Wohnzimmer durch Nachrichten" europapolitische Themen präsent seien. (APA)

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23 Postings
davethebrave
 
24.05.2009 16:58

wir wissen nichts und wollen dieses wissen verkaufen

Maronibrater
24.05.2009 13:22
Kaffeesudleser

Diese Umfragen sind ja reine Kaffeesudleserei. Dass die FPÖ nach ihrem Wahldesaster vom letzten Wahl wieder zulegt, ist ja eh klar. Ich hoffe nur, dass diesmal genug Profis reingewählt werden, Leute wie Karas und Rübig oder Bösch, die in Brüssel Sachen auch durchsetzen. Die Lage ist zu ernst für Gspassetln.

mr smoky
mr smoky
24.05.2009 16:25

ich denke es gibt sehr wohl methoden um von umfragen aus voraussagen (gültig für den zeitpunkt der umfrage, nicht gültig für den wahltag) zu machen

dumm ist halt nur das viele menschen meinen eine umfrage hat 1:1 mit dem ergebnis einer wahl übereinzustimmen, ansonsten sei sie das papier nicht wert ...

es gibt noch mehr info in einer umfrage als nur eine schlagzeile (o.k., nicht in österreichs medienlandschaft)

derfalke
24.05.2009 11:08
Diese unseriösen Wahlprognosen kann man getrost vergessen!

Sicher ist nur, dass jene Altparteien, die den Lissabon-Vertrag gegen den Willen der großen Mehrheit des Volkes durchgewunken haben, ganz gewaltig abgestraft werden. Für SPÖ, ÖVP und Grüne sind deshalb erdrutschartige Verluste zu erwarten.

Das Dritte Lager wird hingegen für seinen EU-kritischen Kurs belohnt werden. Vor allem das BZÖ hat das überzeugendste Konzept in der Europapolitik und kann somt am 7. Juni mit einem hervorragenden Ergebnis rechnen.

T. Lurker
24.05.2009 12:45
Sie haben etwas vergessen:

Sie hätten ihren Beitrag unter <ironie>-Tags stellen sollen ... !

Ravenhorst
22.05.2009 23:42
Umfragewert FPÜ 14 Prozent

das tatsächliche Wahlergebnis wird wahrscheinlich bei 24 Prozent liegen..............

Thomas Felder
24.05.2009 13:32

kaum anzunehmen

h 90
23.05.2009 14:14

ich kann mir nicht vorstellen, dass die den zwanziger knacken koennen.

angehender Medientechniker
 
23.05.2009 18:55

Ich halte es für gar nicht so unwahrscheinlich. Wer sagt schon öffentlich(oder in einer Umfrage), dass er der FPÖ seine Stimme geben wird.

Nightstallion
25.05.2009 23:15
Mittlerweile?

Jeder, der's tut. Die Akzeptanz der FPÖ ist mittlerweile im öffentlichen Eindruck so weit, dass es da kaum noch eine Unterreportage gibt.

W. Müller
 
23.05.2009 13:28
Ich fürchte sehr, ...

... Sie könnten Recht behalten.

135
 
22.05.2009 19:21
Die besteuerung von finanztransaktionen wäre

eine der wichtigsten aufgaben, die die EU-verantwortlichen durchsetzen müßten.
Srärkste fraktion im EU-parlament sind die konservativen, also die gruppe, der auch die ÖVP kandidaten angehören.
Bei strasser und co allerdings ist eine transaktionssteuer kein ernsthaftes anliegen, dafür sorgt schon die spendenfreudige IV.

Wie rücksichtslos die arbeitgeber-und bankenlobby auf allen ihr zugänglichen bereichen der EU arbeitet ist nicht vielen bekannt, sollte es aber sein. kapital soll -so ist ihr wunsch-ungezügelt fließen bis die nächste krise kommt.

Eine wahl der ÖVP-kandidaten ist eine bestärkung eines "feldzuges" der konservativen grgrn eine vernünftige regulierung. Man soll sie abblitzen lassen...

Le guignol
24.05.2009 14:43

Was genau meinen Sie mit Finanztransaktionen?

proteus
22.05.2009 21:34

Als ob das EU-Parlament auch nur irgendwas zu sagen hätte in Sachen Transaktionssteuern.

135
 
22.05.2009 22:36
Auch wenn das eu-parlament kein initiativrecht

bekommen hat, in der Rechtssetzung spielt es sehr wohl eine rolle.
So gering sollte man die Bedeutung des parlaments nicht einschätzen, schließlich hat es weder redeverbot. noch ist es nicht in der lage auf kommission und rat moralischen einfluß zu nehmen.
und wenn nun endlich die intransparente geheimndiplomatie zu ende geht, dann ist eine moralische einflußmöglichkeit für die bürger gegeben...
Also keine stimme der bisherigen konservativen fraktion und offenlegung des wuchernden lobbyunwesens...

Apoc
22.05.2009 18:10
Wer nichts ist und wer nichts kann

fertigt zu Wahlen Prognosen an!

derFaIke
 
22.05.2009 14:24
Das BZÖ holt die Absolute und bis 2084 ist die EU-Flagge orange! Garantiert!

vis comica
23.05.2009 18:51

Warum werden hier medizinisch-psychiatrische Diagnosen über das Geflügel von der Zensur entfernt?

Roman Santos
22.05.2009 16:27
Sie haben die jungen liberalen vergessen

die werden mit ihrer Liste Julis (soll an Julius Meinl erinnern) ganz kräftig absahnen und den Orangen die Suppe versalzen

NONE
22.05.2009 13:05

Ich sollte Meinungsforscher werden.

Meine Zahlen könnten auch nicht viel schlechter sein.

franz fröhlich
22.05.2009 12:28
Laut Meinungsforschern vieles offen...

Vor allem der Wahlausgang :)

derFaIke
 
22.05.2009 12:14
Je höher die Wahlbeteiligung. Desto schlechter wird die FPÖ abschneiden.


Geht wählen! Aber zackig!

h 90
23.05.2009 14:16

Da waere ich mir gar nicht mehr so sicher. Umso juenger umso eher FPOE

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