"Brücke zwischen zwei Welten"

21. Mai 2009, 18:09
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    foto: der standard

    Luis Echavarri, NEA-Chef und IAEO-Kandidat.

Der spanische Nuklearexperte Luis Echávarri will Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO in Wien werden

Im Gespräch mit Julia Raabe plädiert er für verstärkte IAEO-Kontrollen.

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STANDARD: Sie bewerben sich in zweiter Runde für den IAEO-Chefposten. Hat man Sie überreden müssen?
Echávarri: Die Blockade (im Gouverneursrat) hat meine Regierung dazu veranlasst zu sagen, dass ich eine Person bin, die die unterschiedlichen Positionen überbrücken könnte. Das war der Grund für die Kandidatur.
STANDARD: Am 26. Mai präsentieren sich alle Bewerber dem Gouverneursrat. In einem Satz: Wie empfehlen Sie sich den Staaten?
Echávarri: Ich würde Jahrzehnte an politischer und technischer Erfahrung im den Arbeitsbereichen der IAEO mitbringen. Mein Hintergrund ist das Profil, das die IAEO derzeit braucht.
STANDARD: Die künftige Rolle der IAEO und des Generaldirektors sind umstritten. Wie sehen Sie das?
Echávarri: Die IAEO muss auf die Bedürfnisse aller Staaten eingehen. Sie muss sich natürlich um die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen kümmern. Aber gleichzeitig ist es sehr wichtig, Ländern bei der Nutzung von Atomenergie zu helfen. Die IAEO sollte nicht polarisiert werden. Sie muss beide Dinge integrieren. Hinzu kommt die wichtige Frage der Sicherheit von Nuklearenergie.
STANDARD: Konkret: Was würden Sie anders machen?
Echávarri: In den nächsten Jahren werden wir eine Ausweitung von Atomenergie sehen. Das muss gut gemanagt werden. Es ist notwendig, den Ländern beim Aufbau der Programme zu helfen und eine Infrastruktur zu errichten - vor allem in puncto Sicherheit. Gleichzeitig müssen bei den bestehenden Anlagen die Kontrollmechanismen verstärkt werden, um sicherzugehen, dass sie sich innerhalb des Non-Proliferationssystems befinden.
STANDARD: Wollen Sie also die IAEO-Kontrollen ausbauen?
Echávarri: Das Zusatzprotokoll ist hier sehr wichtig. Die Summe der Inspektionen muss im Verhältnis zur Bedeutung der Anlagen und deren Aktivitäten stehen. Die Funktion der IAEO ist es sicherzustellen, dass der Atomwaffensperrvertrag in allen seinen Teilen implementiert wird. Also braucht man ein Inspektionssystem, das dem entspricht.
STANDARD: Wie politisch soll der IAEO-Chef sein?
Echávarri: Es ist wichtig, dass der Generaldirektor technische Erfahrung hat im Umgang mit Inspektoren, Evaluierungen etc. Andererseits ist der Generaldirektor die Brücke zwischen der technischen und der politischen Welt. Er muss realistisch sein und die politischen Realitäten kennen. Er sollte sich aber nicht in generelle politische Dinge einmischen, sondern sich an die politischen und technischen Bereiche der IAEO halten.
STANDARD: Iran, Nordkorea, Syrien - wo sind die Hürden?
Echávarri: Die größte Herausforderung ist das Verhalten dieser Länder. Die IAEO muss unabhängige und objektive Berichte über die dortigen Atomaktivitäten erstellen. Dafür braucht sie uneingeschränkten Zugang für die Inspektoren. Ein Problem ist, dass die Länder die Arbeit der IAEO nicht voll unterstützen. Präsident Obama hat ein wichtiges Gesprächsangebot gemacht. Diese historische Chance sollten sie nicht verpassen.
STANDARD: Zum Iran: Aus Israel kommen Drohungen, Obama hat deutlich gemacht, dass er nicht ewig wartet.
Echávarri: Ich kümmere mich mehr um strategische als um taktische Dinge. Das sind taktische Dinge. Die Strategie ist klar: Sie lautet Dialog. Und das ist das Wichtige. (Julia Raabe/DER STANDARD, Printausgabe, 22.5.2009)

ZUR PERSON: Der Spanier Luis Echávarri, geb. 1949, leitet seit 1997 die Kernenergieagentur NEA der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Zuvor war der Ingenieur u. a. Generaldirektor des Spanischen Forums für Nuklearindustrie. Neben ihm bewerben sich vier weitere Kandidaten um die IAEO-Chefposition.

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