"In Europa gab es immer eine gute Balance"

20. Mai 2009, 17:14
  • Rudolf Lennkh stellt sich den Fragen der Schüler.

    Rudolf Lennkh stellt sich den Fragen der Schüler.

Österreichs Spitzendiplomat Rudolf Lennkh spricht über das Modell der EU, die Aufgaben eines Botschafters, seinen neuen Job in Spanien und die EU-skeptischen Österreicher

Welche konkreten Aufgaben hat ein Botschafter?

Rudolf Lennkh: Der Botschafter ist eine Art Berufstitel. Ein Botschafter ist ein Diplomat, also der oberste Beauftragte eines Staates in einem anderen Land.
Er hat die Aufgabe, durch seine Arbeit zur Förderung und zur Weiterentwicklung der guten Beziehungen zwischen zwei Staaten beizutragen. Ich persönlich leite eine Sektion, es gibt sieben davon, und ich habe ca. 60 Mitarbeiter. Wir machen die EU-Koordination. Jede Woche findet ein Treffen in Brüssel statt. Es nehmen alle Botschafter der 27 Mitgliedstaaten teil und es werden alle Beschlüsse des Ministerrates, zum Beispiel der Umweltminister oder der Landwirtschaftsminister vorbereitet.

Viele Österreicher sind der Meinung, dass sie viel zu wenig über die EU wissen und informiert werden. Was muss Ihrer Meinung nach passieren, dass die EU- Stimmung in Österreich verbessert wird?

Rudolf Lennkh: Über den Vertrag von Lissabon hat in Österreich eine unglaubliche Debatte eingesetzt. Es hat sich nämlich eine Parlamentspartei, die Freiheitlichen, dagegen gestellt. Sie haben das öffentlich diskutiert und danach eine Volksabstimmung gefordert. Plötzlich gab es in Österreich eine Debatte über eine EU-Materie wie es sie vorher noch nie gegeben hat. Die Bevölkerung fühlt sich nicht genug informiert, jeden Tag bekommen wir acht bis zehn Mails, in denen das steht. Ich glaube, das Problem ist, dass die EU selbst nicht genügend tut um die Bevölkerung zu informieren. In Frankreich haben sie den Vertrag von Lissabon flächendeckend verteilt. Die Reaktion war furchtbar, die Bürger regten sich über die Verschwendung ihrer Steuergelder für solche sinnlosen Aktionen auf. Wir haben jetzt einen neuen Versuch gestartet. Außenminister Spindelegger ist in jedes Bundesland gefahren und hat mit interessierten Leuten gesprochen. Die Idee dahinter war gut, aber die Leute zeigen einfach zu wenig Interesse. (Gregor Moritz, Philipp Wedenig)

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