Im Interview geht der Botschafter und Hobby-Jäger Rudolf Lennkh näher auf aktuelle Tierschutzprobleme ein und äußert sich über die gesetzliche Grundlage der EU-Mitgliedsstaaten
Herr Botschafter Lennkh, was bedeutet Ihr Hobby, das Jagen, für sie?
Rudolf Lennkh: Meine Frau verwendet dafür den Begriff „bewaffnete Meditation". Also, ich sag es, wie es ist. Ich komme aus einer Jägerfamilie und mein Vater war Forstmeister bei den Österreichischen Bundesforsten. Das heißt, ich bin als Kind mit dem Thema Wald, Jagd und Fischerei aufgewachsen, weshalb es auch zu einem persönlichen Hobby geworden ist. Ich bin, würde ich sagen, ein gemäßigter Jäger. Ich war drei Jahre in Afrika, würde jedoch nie in meinem Leben einen Löwen oder einen Elefanten jagen. Ich brauche keine großen Trophäen an der Wand, die aus irgendwelchen fremden Kontinenten stammen. Mir gefällt die Jagd hier in Österreich. Das heißt Gams, Hirsch, Reh und ein bisschen Niederwild. Ich bezeichne mich nicht als Trophäenjäger. Ich bin auch keiner, der erst aufhört auf Fasane zu schießen, wenn er 300 am Tag erlegt hat. Also fünf tun es auch. Aber ich bekenne mich dazu, ich tue es gerne. Ich empfinde Freude bei einer guten Jagd, und wenn ich Gelegenheit habe dem nachzugehen, dann tue ich es gern.
Wie sie vielleicht wissen, gibt es Fälle, bei denen Vögel speziell für den Schiesssport gezüchtet und dann getötet werden. Können sie diese Leidenschaft nachvollziehen?
Rudolf Lennkh: Diese Vorkommnisse gibt es auch bei uns. Selbstverständlich ist die Jagd ein nicht unwichtiger Wirtschaftszweig und erlebt auch gewisse Deformierungen. Ich weiß, dass es passiert. Ich selbst gehe jedoch auf keine Jagden, bei denen irgendwo in der Mitte des Waldes Jagdgehilfen sind, die 50 Fasane aus Kisten scheuchen, die völlig benommen sind und dann abgeknallt werden, weil sie noch nie frei geflogen sind. Das ist nicht das Meine. Jedoch weiß ich, dass es passiert. Wie gesagt, Ich selbst würde an solchen Jagden nicht teilnehmen, aber ich kann nicht leugnen, dass es passiert.
Wissen sie ob Zugvögel auch in südlicheren Ländern geschützt sind oder nicht?
Rudolf Lennkh: Konkret weiß ich das nicht. Es gibt so wie bei uns Jagdgesetze, was jagbare und nichtjagbare Tiere sind. Nichtjagbare Tiere sind von der Definition her geschützt. Sie dürfen nicht gejagt werden. Wenn jemand in Österreich beginnt, auf Schwalben zu schießen, verletzt er das Jagdgesetz und macht sich auch strafbar. Aber vielleicht gibt es irgendwo eine lokale Tradition und vielleicht ist es aber auch ein Gesetzesbruch, das kann ich nicht ausschließen. Mir ist es nicht bekannt.
Wir haben Regelungen bezüglich des Tierschutzes in Österreich. Allerdings sind die Regelungen EU-weit nicht so streng. Sollte man diese Regelungen angleichen?
Rudolf Lennkh: Ich finde, im Bereich der Jagd sollte man primär wirklich jedem Mitgliedsstaat selbst überlassen, die Jagdgesetzte zu verfassen. Ich glaube, dass in jedem Jagdgesetzt enorm viel Tierschutz drin steckt, aber von einem europaweit einheitlichen Zugang zum Tierschutz bin ich mir nicht ganz sicher, ob wir dazu auch auf gesetzgeberischer Ebene im Stande sind.
Wir haben nämlich in völlig verschiedene Klimazonen in Europa ein und dieselbe Spezies. Nehmen sie den Schnäpf oder andere Zugvögel. Die leben in Skandinavien ganz anders als bei uns. Das Klima ist anders, die Jahreszeiten sind anders. Sie sind kürzer, länger und so weiter. Das Paarungsverhalten ist anders. Das alles über einen Kamm zu brechen ist vielleicht sachlich nicht richtig. Auch Jagdtraditionen muß man ja auch nicht in Bausch und Bogen in den Papierkorb werfen. (Simon Egger)