Taugt Aspirin zur Kater-Prophylaxe?

  • Die Folgen des Alkoholkonsums sind unerwünscht
    foto: apa/barbara gindl

    Die Folgen des Alkoholkonsums sind unerwünscht

Wundermittel oder Risiko für den Körper - Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäure gelten als beliebtes Mittel für den "Tag danach"

Dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) in Aspirin oder Alka Seltzer haben wissenschaftliche Studien schon vieles nachgesagt. Er könne das Krebsrisiko im Alter verringern, wenn man es mindestens zehn Jahre lang nimmt und eine Magenblutung riskiert und mehrere Forschungsergebnisse legen nahe, dass der Wirkstoff Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeuge. Der Grund: ASS soll die Bildung von Blutgerinnseln verhindern indem es die Anhäufung von Blutplättchen hemmt.

Erhöhte Blutungsgefahr

Allerdings erhöht diese Eigenschaft auch die Blutungsgefahr - gut zu wissen, für jene, die es sich zur Gewohnheit gemacht haben, nach feuchtfröhlichen Abenden den Kater am Tag danach erträglicher zu machen. Ein großes Glas Wasser und zwei Tabletten vor dem Zubettgehen sind als Katerprophylaxe die verbreitete Methode - ein Rezept das auch Promi Scarlett Johansson vor Kurzem einem Magazin verraten hat. In Internetforen wird ausführlich darüber diskutiert und Tipps ausgetauscht - Tipps, die mit Vorsicht zu genießen sind, weil über die Nebenwirkungen zu wenig gesagt wird.

Die Schmerzmittel werden leichtfertig als harmlose Arzneimittel wahrgenommen, die schon aus Kindertagen bekannt sind. Dass blutverdünnende Mittel aber bis zu 14 Tage danach noch wirken, ist dagegen eher unbekannt. Bei regelmäßigem Alkohol- und Aspirinkonsum ergibt sich also eine dauerhafte Blutungsneigung. Dass der Alkohol selbst schon blutverdünnend wirkt, macht die Kombination nicht besser. Im Beipackzettel wird auf die mögliche Verlängerung der Blutungszeit unter den Nebenwirkungen hingewiesen. Vorsicht ist daher beim Zahnarztbesuch danach geboten, wenn ein Zahn gezogen werden soll und ein Unfall ist ebenso wenig ratsam. Der gleichzeitige Konsum von Alkohol kann außerdem die Magenverträglichkeit der Arzneimittel verschlechtern.

Eine leichte Vergiftung

Im Prinzip ist der Kater eine leichte Vergiftung. Symptome wie Kopfschmerzen werden in weiterer Folge durch Wasserentzug im Blutkreislauf verursacht. Viel Wasser während dem Fortgehen und vor dem Zubettgehen und viel frische Luft am Tag danach sind daher auf alle Fälle risikofrei und nachweislich wirkungsvoll. Fettreiche Nahrungsmittel erschweren die Aufnahme von Alkohol ins Blut. Da durch den Alkoholkonsum auch Mineralien aus dem Körper gespült werden, sind isotonische Getränke oder Mineralwasser empfehlenswert, damit das Elektrolyt-Gleichgewicht wieder hergestellt wird. Denn die Wirkung der Schmerzmittel vertreibt bestenfalls Symptome wie Kopfschmerzen.

Ob die Tabletten tatsächlich auch gegen den Kater selbst wirken, hat sich wissenschaftlich bis dato nicht bestätigt. Forscher im British Medical Journal haben etwa in der Weihnachstausgabe geschrieben, dass weder Aspirin noch saure Gurken nachweislich gegen den Kater nach Silvester wirken: "Die ernüchternde Nachricht ist, dass es nach wie vor keine echten Heilmittel gegen Kater gibt." Augenzwinkerndes Fazit der Wissenschafter: Nur moderater Alkoholkonsum oder gar keiner ist echte Katerprophylaxe. (Marietta Türk, derStandard.at, 20.5.2009)

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