Der Slowene Ernest Petrić will Mohamed ElBaradei als IAEO-Chef nachfolgen
Der Slowene Ernest Petrić will Mohamed ElBaradei als IAEO-Chef nachfolgen. Der neue Direktor müsse bei politischen Aussagen vorsichtiger sein, sagte er Julia Raabe. Am 26. Mai trifft sich der IAEO-Rat.
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STANDARD: Vom Verfassungsgericht an die IAEO-Spitze - ein ziemlicher Sprung. Warum die Kandidatur?
Petrić: Mit der Atomenergie und Nukleartechnologie beschäftige ich mich seit mehr als 30 Jahren. Die Entscheidung zu kandidieren fiel aufgrund der Situation im IAEO-Gouverneursrat, er ist gespalten. Slowenien hat gesagt: Vielleicht können wir diese Polarisierung mit einem Kandidaten überwinden, der für beide Seiten akzeptabel ist.
STANDARD: Mehr Aktion bei Non-Proliferation oder mehr Förderung ziviler Atomenergie, soll es ein technisch oder mehr politisch agierender IAEO-Chef sein - darüber wird gestritten. Wo stehen Sie da?
Petrić: Natürlich ist die IAEO eine Agentur, die für die friedliche Nutzung der Atomenergie sorgt. Aber der Missbrauch von Kernenergie ist eine große Gefahr. Dazwischen sollte sich die Tätigkeit des Generaldirektors bewegen. Er soll die IAEO managen. Aber in Fragen der Nichtweiterverbreitung kann man nicht vermeiden, dass die Behörde auch Dinge macht, die politische Konsequenzen haben. Der neue Direktor wird sicher nicht so eine große Persönlichkeit mit einem so großen Einfluss sein wie der Friedensnobelpreisträger ElBaradei. Er sollte bei politischen Aussagen deshalb viel vorsichtiger sein.
STANDARD: Wie wollen Sie die Dossiers Iran, Nordkorea behandeln?
Petrić: Für die Behörde ist die Herausforderung, dass sie die Arbeit professionell und unabhängig macht. Wir sollten die Sache beobachten, beurteilen, unabhängig die Fakten sammeln und dem Gouverneursrat berichten - dieser sollte entscheiden, wie es weitergeht. Aber da sind wir schon im Bereich der politischen Entscheidungen.
STANDARD: Der Iran hat bisher eher zurückhaltend auf neue westliche Gesprächsangebote reagiert.
Petrić: In den vergangenen drei, vier Jahren hat sich der Iran stets vorsichtig geäußert. Ich hoffe, dass wir zu dem Schluss kommen, dass das iranische Atomprogramm friedlich ist. Dabei muss uns der Iran helfen. Wir sind alle der Meinung, dass der Iran das Recht hat, die Atomenergie friedlich zu nutzen. Er muss aber verstehen, dass die bisherigen Bemühungen leider zu keiner Klarheit geführt haben.
STANDARD: Ist es sinnvoll, dem Iran eine Art Frist zu setzen - oder mit einem Militärschlag zu drohen?
Petrić: Generell muss man sich immer gut überlegen, was man mit einer Frist erreichen kann. Der Iran steht vor Wahlen, das muss man berücksichtigen. Über einen israelischen Militärschlag ist mehrfach spekuliert worden, was sich bis jetzt als unbegründet erwiesen hat.
STANDARD: Zu Nordkorea: Ist das ein kurzzeitiges Tief oder eine verpasste Chance auf eine Lösung?
Petrić: Sie sehen an den erwähnten Beispielen, dass die politische und die technische Problematik immer zusammenfallen. Im Fall Nordkoreas ist meine Hoffnung, dass die IAEO wieder Zugang zu den Anlagen bekommt- je früher desto besser. Mehr will ich dazu nicht sagen.
(DER STANDARD, Printausgabe, 20.5.2009)