Fest essen auf Arabisch

19. Mai 2009, 16:20
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    foto: norbert g. schmidt

    Halal-Schlachtung im Südjemen

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    So kennt man's eher.

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    Rechnung, appetitlich

Oh jemeneh: Norbert G. Schmidt krieg im Jemen kein Auge runter, aber ständig Berge von Fleisch, und dann doch noch erfreulich viel Grünzeug - Poster kosten wieder

Das Messer ist stumpf, statt glattem Schnitt ein wüstes Gesäge. Die kleine Ziege zappelt und röchelt, bis sie endlich tot ist. Halal Schlachtung im Südjemen. Das Tier wird sorgsam abgezogen, sodaß das Fell als Ganzes einen verschließbaren Sack bildet. Darin werden später Datteln aufbewahrt. Eine halbe Stunde später landet das Tier in Teile zerlegt in einem Topf Wasser. Alles wird verwertet, die Zähne blecken über den Topfrand heraus. Gewürze: Keine.

Ziege zeigt Zunge

Die Ziege hats hinter sich, ich habs noch vor mir. Das Ganze soll nun verspeist werden, und der Haken daran ist, die Ziege wurde mir zu Ehren geschlachtet. Die Gerüchte stimmen: Der Gast bekommt die leckersten Stücke als erster angeboten. Augen, Leber, noch irgend etwas, die Zunge, von der ich gar nicht gewusst hatte wie groß sie ist und wieviel Stränge dran hängen.

Die Gerüchte stimmen nicht, wonach der Gast im Ablehnungsfalle das Schicksal des Schlachtopfers teilt. Was Fidler vielleicht zum Hochgenuss gereicht hätte, ich brings einfach nicht runter. Niemand greift zum stumpfen Messer, meine Ablehnung hat nur erstaunte Blicke zur Folge. So wie beim Tiroler Wirt, der seinem arabischen Gast das schönste Stück Geselchte vorsetzt und dieser entsetzt die Hände hebt.

Voll Fett

Die Runde greift zu, und wie. Mein Gegenüber zuzelt einen Meter Gedärme aus so wie ich in besseren Tagen eine Münchner Weißwurst. Eine Schale mit dem ausgekochten Fett macht die Runde, von der jeder einen genüsslichen Schluck nimmt. Darüber wabert der Dunst von Blut und Innereien. Neben dem Fleisch steht eine Platte mit Reis. Das ist mein Teil des Festessens. Noch etwas Herz, Niere, Hellgraues? Shokran, shokran, ich bin total satt.

Ihr wart eben Zeuge eines typischen Festessen der arabischen Halbinsel. Eine etwas frugale Version zwar, aber durchaus repräsentativ: Ein Hügel von Reis, darauf ein Matterhorn von Fleisch. Gebraten, gesotten, von Lamm oder Ziege. Bei einem Festessen in Riyadh kann der Durchmesser der Platte schon ein paar Meter erreichen: Ein Hügel von Safran-gefärbtem Rosinenreis, darauf ein Mont Everest von...

Bodenturnen

Gegessen wird stets auf dem Boden, nicht ein einziges Mal im privaten Rahmen erlebte ich den Gebrauch von Tisch und Sessel, obwohl durchaus vorhanden. Auf dem edlen Teppich von indischer Kinderhand - Tiger im Dschungel oder rassige Pferde - wird eine grosse Plastikplane ausgebreitet. Auf einer Platte ein Hügel von Reis, darauf ein ... Da können auch die Kinder nicht viel anrichten, die Frauen sind sowieso nicht dabei.

Eine Woche später im Hotel in Dubai. Im TV läuft ein Film über den Jagdausflug eines Scheichs. Nach dem Abknallen von Kaninchen aus dem Jeep und dem Luftkampf von Falken mit trappenartigen Großvögeln, wandern dieselben in einen riesigen Topf, dann auf eine Platte mit Reis. Darauf... Dem Scheich hats sichtlich geschmeckt. Das typisch arabische Essen wäre also dingfest gemacht.

Also doch: Kebab und Köfte

Wir Europäer haben aber bereits von zuhause her eine präzise Vorstellung davon, wie landestypische Spezialitäten auszusehen haben. In diesem Fall: Spieße, Köfte, Kebab, nach Art von Adana, Tawouk, Antalya, Aleppo oder Ottakring. Die ernährungsbewusste Begleitung ordert gerne leckere Pasten. Joghurt mager, Humus, Tahina, Aubergine, Tsatsiki. Gefüllte Weinblätter sind auch dabei.

Ein Blick in die Khaleej Times enthüllt, dass unter den zehn angesagtesten Restaurants von Dubai kein einziger Araber ist. Die ersten beiden sind im Burj, die anderen befinden sich in den Hiltons und Mariotts. Also auf eigene Faust, natürlich in die Altstadt, was in Dubai die 1970er Jahre bedeutet. Und da lieg ich richtig.

Kebab, Kabab, Kufta, Humus. Zwar alles in Arabisch, aber die Bebilderung ist eindeutig. Es ist brütend heiss. Schatten, Schatten! Ein typisches Altstadthaus von nur sieben Stockwerken wirft Schatten und davor stehen Tische und ein Schild: "Damascus. Lebanese Restaurant". Ich dachte immer, Damaskus liegt in Syrien, aber hier, im Stadtmillieu, im moderen Arabien, bedeutet arabisch gleich "libanesisch".

Fleisch ist Schaf, das Wort Lamm streichen wir östlich von Graz aus dem Wortschatz. Kabab, of course, aber auch lamb chops, däghägh (chicken) und andere Sachen stehen auf der Karte. Dann, und das ist der grosse Unterschied zur wüstenarabischen Fleischorgie, nette Beilagen zur Abrundung.

Doch Beilagenesser

Chomos, Tächina sowie in Salz eingelegtes Gemüse sind der Standard. Ein Tabouleh passt immer: Ein paar Gurken-und Tomatenwürfelchen und sehr viel kleingehackte Petersilie, sie macht vielleicht achtzig Prozent des, ja, Petersiliensalats, aus. Mit gerösteten Brotstückchen wird aus dem Tabouleh ein Fatusch, und was mit Bulgur vermischt draus wird, hab ich vergessen. Ja richtig, gefüllte Weinblätter, Auberginenpaste und Joghourtcreme mit Knoblauch gabs auch.

Irgendwie, aber nur ganz von Ferne, erinnerte mich das an die „Akropolisplatte" oder den "Rhodosteller" heimischer Griechen. Wer hat da von wem abgeschaut? Beim arabischen Kaffee kam ich zu dem Schluss, dass sich die Migration von Ost nach West bewegt haben muss und irgendwo in Kroatien mit den kleinen Kebabs, den Cevapcici, zum Stehen kam. (Über die neueste Geschichte stellte ich keine Überlegungen an). Sorry, liebe Griechen, aber gegen das libanesische Original kommt ihr nicht an. Zu eurem Trost hab ich aber den Türken den Kaffee weggenommen, der definitiv von Südarabien aus seinen Siegeszug in die Welt angetreten hat.

Roh, die Kost

Die libanesische Küche ist wirklich vorzüglich, und hat in den Emiraten einen netten Zusatz. Automatisch, quasi als amuse gueule für den Wüstensohn, stellt der Kellner einen Teller mit rohen Gurken, Karotten, Salatblättern, Brunnenkresse und Ähnlichem auf den Tisch. Grün ist nicht nur die Farbe des Propheten, sondern signalisiert dem an Sand-Töne gewöhnten Auge Luxus. Mein lokaler Bekannter graste den ganzen Teller gleich bis auf den Teller ab.

 

Wohin in Dubai arabisch essen gehen?

  • Der heißeste Tipp: In dem wahrscheinlichen Fall, dass Ihr in einem der Strandhotels abseits draußen in Jumeirah geparkt wurdet, sofort ein Taxi rufen und dem wahrscheinlich pakistanischen Fahrer als Fahrtziel angeben: "Bur Dubai - Heritage Village!". Bur Dubai ist der Stadtteil südlich des Creek und Heritage Village ist der alte Emir-Palast. Also ein bescheidenes Haus, aber mit Lehmwachtürmen und den ehemaligen Schilfhütten der Untertanen rund herum. Das Heritage Village ist wahrscheinlich der gemütlichste Platz in ganz Dubai. Mehrere Lokale, Tische draußen am Wasser (Juli, August ein wirklich heisser Tip) Kabab, of course, aber auch Fisch und hinterher eine Wasserpfeife. Schon fast romantisch. Für Dubai-Verhältnisse absolut romantisch wird's, wenn ihr den Creek weiter aufwärts schlendert. Viele Cafes, noch viel mehr lästige Möwen und der reanimierte alte (?) Souk. (Keine Angst, nicht der Gold Souk, der ist wo anders.)
  • Solltet ihr in einem Transit-Hotel in Deira wohnen und ihr ruft ein Taxi und sagt dem pakistanischen Taxifahrer: „Bur Dubai - Heritage Village!" wird er euch im Rückspiegel anschauen, als ob ihr ihm gerade eine Mohamed-Karikatur zum Kauf angeboten hättet. Um nach Bur Dubai zu gelangen muss er nämlich entweder über die Makhtoum Bridge oder durch den Sindhaga Tunnel. Das bedeutet manchmal Stau und meistens Mega-Stau.
  • Die Alternative in Deira lautet Rigga Street. Eine ganze Reihe guter Lokale aber nicht so (Dubai-) gemütlich wie auf der Bur-Seite des Creek.
  • Oder ihr geht gleich ins "Damascus" an der Al Muraqqabat Road.
Kommentar posten
18 Postings
NegR h.c.
01
22.5.2009, 11:22

"Lecker"?

king of the stone age
02
30.3.2010, 17:05

einfach furchtbar. müssen wir jeden scheiß von den deutschen übernehmen? scheint so.

dieglut
 
00
21.5.2009, 02:26
Für das stumpfe Messer ...

... hab ich kein Verständnis.

wolfetone
 
00
21.5.2009, 15:29
gehns,

die Viecher dort unten san des gewohnt.

Jumper123
24
20.5.2009, 08:44
würg

"Die Runde greift zu, und wie. Mein Gegenüber zuzelt einen Meter Gedärme aus so wie ich in besseren Tagen eine Münchner Weißwurst. Eine Schale mit dem ausgekochten Fett macht die Runde, von der jeder einen genüsslichen Schluck nimmt. Darüber wabert der Dunst von Blut und Innereien."

mein name ist lecter und ich liebe zeitung.

Mucosaprolaps
12
20.5.2009, 12:49

Warst schon einmal beim Sauschlachten dabei?

Man kann in der Stadt aufgewachsenen Kollegen durchaus imponieren, wenn man erzählt, wie eine m ihr Leben quiekende Sau zum Block geführt wird (die Viecher wissen, was passieren wird); der (schau weg!) Betäubungsschlag; das Blut in einer Plastikrein aufgefangen und zum Bluttommerl verkocht wird, während die Bauern bis zum Ellbogen in den Innereien stecken... der Klang der Kettensäge, die das Rückgrat entlang sägt ... junge Mädchen, die warme ScheiBe aus frischen Saudärmen drücken; Bauernnachwuchs, der mit flinken Schnitten das Fleisch zerteilt; der erste Bissen vom pfannengebratenen Blut; die erste Grammel, die Würscht.

Auf einem Bauernhof hier geht's auch nicht soo wahnsinnig viel anders zu.

Reisebegleiterin
00
21.5.2009, 17:51

jetzt werde ich nicht mehr vergessen woher mein schinken kommt.

Angelika70
01
22.6.2009, 09:04

Und das ist gut so, ganz ehrlich.

caranx
00
20.5.2009, 00:36
Wer kennt gute arabische Lokale in Wien?

Robstar1
01
20.5.2009, 13:48
le cedre

Robstar1
01
20.5.2009, 12:09
le cedre

http://lokaltipp.at/lokale/de... OBJKNDZM7K

war auch mal im standard

geilhuber
11
20.5.2009, 12:01

Restaurant Pars
Lerchenfelder Straße 148 | 1080 Wien
8. Bezirk - Josefstadt
Küche: Persisch
Lokaltyp: Restaurant
Tel: 01 405 82 45 Fax: 01 405 82 45
Web: www.pars.at
Email: marandishahram@yahoo.com


Besagte riesenberge von Fleisch , reis, gemuese sind hier anzutreffen. Etwas teurer als die gewohnten Kebabtempel...

dude 303
00
20.5.2009, 10:47

ich...

A Voice
00
20.5.2009, 11:13
Glaub i ned!

Beweise!

Monika Kaczek
01
20.5.2009, 10:02
Sehr zu empfehlen:

Das Al-Gebra im dritten Bezirk (Marxergasse 5)
Ein äußerst sympathischer Besitzer und eine hervorragende (libanesische) Küche
http://www.al-gebra.com/

Peter Putzer
00
20.5.2009, 18:01

Nur ein wengerl langsam ... wenn das Mittagsmenü eine Stunde braucht, dann ist das halt suboptimal :(

Mann40
02
19.5.2009, 21:06

Danke, danke, der Artikel ist köstlich, ich habe mich herrlich amüsiert.....und ja, die arabische Küche schmeckt, wenn auch manchmal gewöhnungsbedürftig für den Durchschnittseuropäer, die Gastfreundschaft ist kaum zu übertreffen...

hi_malayalam
00
19.5.2009, 17:13

Fest essen soll man bei einem Festessen
... und auch das Trinken nicht vergessen!

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