Sonnenbrand: Topfen oder Joghurt gefällig?

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    foto: ap/eckehard schulz

Gegen die Langzeitrisiken nach Sonnenbränden lässt sich nicht mehr viel tun - Als Sofortmaßnahmen finden Milchprodukte Absatz

Rot, heiß, schmerzhaft - Drei Eigenschaften die dem Sonnenbrand zu Eigen sind und die per se nach rascher Kühlung verlangen. Was bietet sich da mehr an als gekühlter Joghurt und Topfen frisch aus dem Kühlschrank.

Zum Joghurt sei nur so viel gesagt: Als Akutmaßnahme bei Sonnenbrand ist seine Anwendung laut einiger Experten vollkommen ungeeignet. Mitunter kann das Auftragen auf die Haut sogar übel enden. Der Grund: Im Joghurt sind keinerlei heilungsfördernde Inhaltsstoffe enthalten. Dafür aber eine Reihe von Bakterien, die eine entzündliche Reaktion der Haut in manchen Fällen verstärken.

Auch der legendäre Topfenwickel verkauft sich als Multitalent. Bei Brustentzündungen in der Stillphase oder rheumatischen Beschwerden findet das Naturprodukt seit Jahrhunderten seine Anwendung. Seine antientzündliche Wirkung wird dabei folgendermaßen erklärt: Aufgebracht auf die Haut aktiviert der Topfen einen Prozess, der nicht zuletzt durch die Kälte bedingt eine Verengung der Gefäße und den Abtransport entzündlicher Stoffe beschleunigt.

Lebende Milchprodukte

Ein Punkt wird beim Topfen jedoch gerne vergessen. „Topfen, wie Joghurt leben in gewisser Weise", weiß Rüdiger Sachsenhofer, AMA- Qualitätsmanager für Milch- und Milchprodukte in Wien. Im Detail bedeutet das: Nicht nur im Joghurt, sondern auch im Topfen sind bis zu 10 Millionen Mikroorganismen pro Gramm drin. Für die Darmflora ist diese hohe Anzahl an Keimen, so Sachsenhofer, durchaus erwünscht und muss sogar bis zum Ende der Haltbarkeit diverser Produkte gewährleistet sein. Auf der Haut ist diese hohe Keimzahl etwas weniger gerne gesehen. Zumindest wird sich kaum jemand Joghurt oder Topfen auf eine offene Wunde schmieren. Eine Beurteilung des Verbrennungsgrades bringt in der Verwendung von Hausmitteln beim Sonnenbrand daher die ultimative Lösung.

Rot oder offen

Zur Erinnerung: Grad 1 imponiert durch eine schmerzhafte Rötung, Grad 2 geht bereits mit Blasenbildung einher, während Grad 3 durch weitgehende Zerstörungen betroffener Hautareale gekennzeichnet sind. Bei Grad eins darf jeder für sich selbst entscheiden ob er sich mit Joghurt, Topfen oder aber mit kühlenden Brand- oder Wundgelen behilft. Bei Grad zwei und drei rät schon der Hausverstand vom Hausmittel generell ab.

Einige Hersteller verschiedener Pflegeprodukte haben sich den guten Ruf von Joghurt und Topfen erfolgreich zunutze gemacht und diverse Produkte wie Duschpflege-Serien mit Joghurt oder Topfen-Proteinen entwickelt. Nachteilig wirken die Milchprodukte darin ganz sicher nicht. Ob sie allerdings viel zum Wohlfühlerlebnis und zur Pflege der Haut beitragen, ist fraglich. (Regina Philipp, derStandard.at, 28.05.2009)

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