Willibald Cernko

  • Willibald Cernko, ein Banker ohne Samthandschuhe.
    foto: standard/matthias cremer

    Willibald Cernko, ein Banker ohne Samthandschuhe.

Willibald Cernko beerbt Erich Hampel in der Bank Austria

Wenn Willibald "Willi" Cernko, etwas will, dann schafft er das auch, meistens. Manchmal stürzt er freilich; etwa vom Pferd seiner Frau. Beruflich ist ihm noch "kein kapitaler Fehler" unterlaufen, wie er meint. "Sonst stünde ich nicht da, wo ich bin."

Der 52-Jährige steht quasi im Vorzimmer zum Generaldirektor, im Oktober wird der in Judenburg Aufgewachsene ins Büro vorgelassen und Vorstandssprecher der Bank Austria. Der Stil in der Wiener Tochter der Mailänder UniCredit, die immer mehr Einfluss geltend macht, wird sich dann wohl ändern. Denn Cernko mag viel sein - ein Stiller, Immer-Freundlicher wie sein Vorgänger in spe, Erich Hampel, ist er wohl nicht.

Cernko, der aus erster Ehe vier Kinder hat, ein Sohn ist Haubenkoch in Moskau (den "Bausparer" für alle hat ihm ein Bankkollege erst vor wenigen Jahren verkauft, da war er schon im BA-Vorstand fürs Firmen- und Privatkundengeschäft zuständig), und in zweiter Ehe mit einer Konzertpianistin verheiratet ist, hat nämlich die Ochsentour hinter sich. Für Samthandschuhe war da kein Platz, für Animositäten aber auch nicht. "Wir hatten Auseinandersetzungen, weil er trotz anderer Vereinbarungen manchmal den Wünschen der Italiener nachgab. Wenn wir ihn dafür gehaut haben, steckte er das aber locker weg", erzählt ein Betriebsrat aus der HVB. Für Cernko und die Italiener hat es sich ausgezahlt: Nach sieben Retail-Chefs (seit 2001) war der Steirer der erste, unter dem der Bereich schwarze Zahlen schrieb.

Dass er für den Personalabbau keine Rosen aus München gestreut bekommt, ficht ihn nicht sehr an, wahrscheinlich ist Cernko, der sein Verhältnis zu den Italienern pragmatisch nennt ("Ich sage nicht Jawohl, sondern prüfe, ob die Entscheidung passt") strapazfähig geworden.

Sein Lebenslauf spräche dafür. Als er elf war, starb der Vater, die Mutter, Hausfrau mit fünf Kindern, saß auf einem halbfertigen Haus und einem Berg Schulden. Cernko brach später das Gymnasium ab, ging arbeiten, holte Hak-Matura und Exportakademie nach, landete bei der Obdacher Raiffeisenkasse. Nach zwei Jahren schien ihm die steirische Decke zu niedrig - er wechselte nach Wien in die CA, hantelte sich im Firmenkundengeschäft die Karriereleiter hinauf, wurde nach dem Kauf durch die BA von Bankchef Gerhard Randa entdeckt. 2003 kam er in den Vorstand, baute knallhart das Retailgeschäft um, wechselte 2006 in die HVB.

Jetzt kehrt er nach Wien zurück, in einen Job, in dem Sattelfestigkeit mehr als gefragt ist. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.5.2009)

Share if you care
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.