Crossover Bosnien-Herzegovina

Zukunftssuche in einer Stadt vergangener Größe

18. Mai 2009, 18:45
  • Artikelbild
    foto: ada

    Plauschen nach der Uni: In Tuzla gibt es zwölf Fakultäten, aber wenig Arbeit. Die Innenstadt hat einen mitteleuropäischen Charakter. Durch den stark salzhaltigen Boden sinkt sie immer wieder ab und muss neu gebaut werden. In einer Senke wurde 2003 in der Stadt ein Salzsee geschaffen.

Die österreichische Entwicklungszusammenarbeit fördert Jugendbeschäftigung - In Tuzla, wo die Arbeitslosigkeit bei 50 Prozent liegt, entstanden so erfolgreiche Firmen

Tuzla - Einer hat juristische Kenntnisse, der andere ist Sicherheitsexperte, beide sind sie arbeitslos. Nun wollen die jungen Männer Detektive werden. Detektivbüros sind in Tuzla eine echte Marktlücke, es gibt noch kein einziges. Elvira Živanovic von der bosnischen Entwicklungsinitiative Taldi ist glücklich, dass sie die beiden in ihrem Training überhaupt dazu bewegen konnte, wieder daran zu glauben, dass sie eine geregelte Arbeit finden können. In Tuzla liegt die Arbeitslosenquote zwischen 49 und 52 Prozent, das ist Höchststand in Bosnien. Viele haben mit 30 noch keinen Job. Eine ganze Nachkriegsgeneration, die in wirtschaftlicher und politischer Stagnation aufgewachsen ist, glaubt nicht daran, ihre Zukunft selbst gestalten zu können.

Nun lernen sie, Business-Pläne zu schreiben und Unternehmen zu gründen. In einem Jugendbeschäftigungsprogramm werden auch Unternehmen gefördert, die Berufsanfängern ein Jobtraining anbieten. Beide Programme werden mit 1,7 Millionen Euro von der Austrian Development Agency (ADA), der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, gefördert. Seit 2004 konnten so 25 Unternehmen gegründet und 50 Personen angestellt werden. Kristijan Smiljaniæ hat 2006 durch das Start-up-Programm eine E-Commerce-Firma gegründet, die mittlerweile elf Leute beschäftigt, zumeist Abgänger der Uni Tuzla, sowie ihn selbst. „Mein Business-Plan war einfach der beste", sagt der 28-Jährige. 2500 Euro wurden ihm für 10.000 Euro Startkapital zur Verfügung gestellt. „Das größte Problem ist die Verwaltung, man muss ewig auf die Papiere warten", erzählt er. Allein 3000 Euro musste er für Administratives ausgeben. Smiljaniæ gibt zu, dass er auch „geschmiert" hat, damit was weiterging. Manches in Bosnien-Herzegowina wirkt so, als wäre die Zeit stehengeblieben.

Wenn man nach Tuzla hineinfährt, dominieren die fetten Kraftwerksklötze der Termolektrana Tuzla, des landesweit größten Kohlekraftwerks. Tuzla war eine der wichtigsten Industriestädte, in der Arbeiter aus allen Teilen Jugoslawiens lebten. Auch während des Kriegs von 1992 bis 1995 kamen hier keine Nationalisten hoch. Bosniaken, Kroaten und Serben verteidigten gemeinsam die Stadt. Selbst als am 25. Mai 1995 bei einem Granatenbeschuss durch serbische Truppen 71 Menschen - die meisten von ihnen Jugendliche, die das Ende des Schuljahres feierten - getötet wurden, blieb Tuzla großteils immun gegen den grassierenden Ethno-Nationalismus.

Schwarzmarkt zum Überleben

Heute können die Industrieunternehmen den 130.000 Einwohnern aber nur mehr bedingt Arbeit geben. Viele Leute gehen schwarz arbeiten und sind trotzdem beim Arbeitsamt gemeldet, weil sie dadurch Zugang zur Krankenversicherung haben. Der Schwarzmarkt garantiert ihnen das Überleben, das Arbeitslosendasein ein Minimum an sozialer Sicherheit.
Die Ausbildungen orientieren sich noch wenig am Arbeitsmarkt. Der Rektor der Universität Tuzla, dr Džemo Tufekèiæ - in Bosnien legt man, wie in Österreich, viel Wert auf Titel, der „Doktor" wird klein vor den Namen geschrieben -, befindet zudem: „Wir haben keinen Markt für Wissen." Leute mit Kapital hätten kein Vertrauen in die Unis. „Und wir sind keine Konkurrenz gewohnt, nicht gewohnt, für uns selbst zu kämpfen."
Bosnien müht sich nicht nur mit dem sozialistischen Erbe ab, sondern ist 14 Jahre nach dem Krieg auch politisch und ökonomisch in zwei Landesteile geteilt. „Weil es keinen einheitlichen Staat gibt, erschwert das auch den Zugang zum Arbeitsmarkt", sagt der Direktor des Arbeitsamts Tuzla, Semso Berbiæ. „Aber wir überschreiten die Grenzen und haben mit der Republika Srpska eine Jobmesse organisiert und 911 Stellen vermittelt." (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, Printausgabe, 19.5.2009)

Kommentar posten
10 Postings
chilly76
 
02
31.5.2009, 22:25
an alle die mein postfach füllen und hier nicht erscheinen weil sie beleidigend texten

in bosnien leben 38% serbinen und serben, der grossteil von diesen menschen ist unschuldig und hat kein massaker begangen diese menschen die ja zum grossteil bürger der republika srpska sind haben das recht zu entscheiden in wie weit sie mit den provokateuren aus dem muslimischen landesteil zusammenarbeiten zusammenleben möchten. das ist das grundrecht eines jeden wahlvolkes über sein konstitutionelles gebiet selbst zu entscheiden. und solange der westen diese provokationen aus dem muslimischen landesteil tolleriert werden wir serben diese mit allen uns zu verfügung stehenden mitteln boykottieren. was ja die katastofale wirtschaftslage der muslime heute wiederspiegelt,
keine rs bedeutet kein bosnien

chilly76
 
02
29.5.2009, 21:52
das die jungen menschen aus tuzla es schwehr haben in den kroatischen oder serbischen landesteil fusszufassen

liegt nicht an dem serbischen entität oder die kroatische kantone sondern an dem bosnijakischen hegemonialen gewünschten zentralissmus. (weniger rechte für serben und kroaten bedeutet instabilität)

in meinen augen ist unter bosnijaken herrschender cauvinismus der ja schlimmer ist als nationalismus der grund das keine volksgruppe der anderen traut.

selbst in diesem bericht versucht man die rs die ja wirtschaftlich gesünder da steht schlecht zu machen zu zerstören (diskreditieren)

ausserdem leben von tag zu tag immer weniger serben und kroaten in tuzla, wegen der stillen unterdrückung wird es bald ein rein muslimischer ort sein

B.M.2
00
25.5.2009, 16:51
Zukunftssuche in einer Stadt vergangener Größe

Wien?

boris b.
00
24.5.2009, 16:26
Ahnungslosigkeit

Weil es keinen einheitlichen Staat gibt, erschwert das auch die Vermehrung von den Gelsen usw usw.
Warum muss die liebe Adelheid wieder schreiben über Sachen wo sie sich nicht auskennt?
Ich frage mich nur wer hier versucht wem zu helfen - wieviel von 1,7 Mill. Euro von der Austrian Development Agency endet in privaten Taschen - bosnischen oder österreichischen egal! Idee den Menschen zu helfen ist immer gut, die Umsetzung???

Semberija
00
20.5.2009, 14:40

Frau Wölfl: Verbrechen ist zwar Verbrechen, wieso wird aber nicht der Angriff auf die Kolonne der JNA 1992 erwähnt, der Granatangriff 1995 jedoch schon ?

Es entsteht der Eindruck, dass Sie entweder schlecht recherchieren und/oder subjektiv sind.

Eine Stellungnahme Ihrerseits im Forum wäre aufschlussreich (ich nehme stark an, dass Sie das lesen).

na habedere
10
22.5.2009, 13:30
Tuzla

Haben Sie den Artikel eigentlich gelesen? Es geht um Tuzla. T. U. Z. L. A.!

DG79
02
25.5.2009, 20:31
der angriff auf die jungen und UNBEWAFFNETEN soldaten der jna...

...hat in tuzla stattgefunden!
die adelheid hat wieder einmal aufgezeigt, dass sie absolut KEINE ahnung und KEINEN überblick über die lage (weder aktuell, noch vergangen) hat!
arm, sehr arm....

Gegenflieger
10
19.5.2009, 13:35

Es gibt einen guten Grund warum es keine Detektivbüros dort gibt.
Gehört schon eine Portion Lebensmüdigkeit dazu.

slobodan nikolic1
 
12
19.5.2009, 07:37

weils kein detektivbüro in tuzla giebt werden sie eins gründen,interesant! werden sie dann als detektive wenn bespitzeln oder sich vieleicht auf der suche nach arbeitsplätzen begeben! und dann sozialistische erbe! das muss immer erwähnt werden! warum haben sie aber nicht gefragt wieviel arbeitslosen hat es damals gegeben! langsam wird verdeutlicht wer durch zerstörung gemeinsames staates verlierer ist und wer gewiener! und dann der betrag von 1.7 millionen euro was für prgramm zu verfügung steht!! nur 100 soldaten, die im dienste "der globlalsirung" in bosnien herumfahren und sich wichtig machen,kosten bei einem monatslohn von ca 4000 euro, 5 millionen euro, es sind aber 12-13 000?!? aber hauptsache entsteht eindrug wir "helfen" euch!!

Dagobert147
00
27.5.2009, 13:34

also ich wäre für jede hilfe dankbar.
ob sie mit dem detektivbüro einen erfolg verbuchen werden bezweifle ich.
eine arbeiteslosenquote von 50% ist sehr übertrieben. die meisten stellen die leute schwarz ein weil die abgaben einfach zu hoch sind. ich denke dass es sich eher bis 30% handelt.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.