Bosnien und Herzegowina

18. Mai 2009, 15:30

Ein Wunder, das nicht glänzt

Bosnien und Herzegowina

Das lange Warten auf Europa

Es ist vielleicht der traurigste Film der Balkan Express-Serie, obwohl er über ein Wunder erzählt, den Frieden nämlich. Trotzdem dringen in beinahe jeder Sequenz Bilder vom Krieg durch, Geschichten über den Verlust von Menschlichkeit. Auch wenn die Kamera nur auf dem abgeblätterten roten Stern der Industrieruinen der ehemaligen Schießpulverfabrik in Vitez stehen bleibt, die in jugoslawischer Zeit 3000 Arbeiter beschäftigte, kann man die Tragödie sehen.

Wie auch in den Lebensgeschichten von jenen, die der Balkan-Express in Bosnien und Herzegowina besucht hat und dankenswerterweise ohne Schönfärberei zeigt. Bei Franjos Kindern etwa, die ihren Vater wegen dessen posttraumatischem Kriegssyndrom kaum sehen, weil er sich im Keller einbunkert. Oder bei den Dorfbewohnern von Ahmici, wo die Armee der bosnischen Kroaten im Jahr 1993 ein Massaker an Bosniaken verübte. Zwar wird noch misstrauisch nach Schuld und Verantwortung gesucht, aber Bosniaken und Kroaten leben wieder friedlich im Dorf zusammen. Vorsichtig und ausgewogen geht der Film den Verbrechen während des Kriegs nach. „Wir wurden alle schuldig", sagt da etwa der katholische Pater Mirko. Diese Einsicht ist ein Zeichen, dass sich seit dem Krieg doch vieles bewegt hat.

Der Film begleitet die Bosnierin Alida Vracic, die den Krieg als Kind in Sarajevo verbrachte, und den Gründer der European Stability Initiative (ESI), Gerald Knaus, bei der Suche nach den Ursachen der bosnischen Stagnation heute. Sie stossen auf bosnische Politiker, die sich nur der eigenen Volksgruppe verpflichtet fühlen. Der Bosnien-Beauftragte Miroslav Lajcak spricht vor laufender Kamera von dem großen Bedarf nach der internationalen Präsenz, den er noch „fühle". Der Philosoph und Psychotherapeut Ugo Vlaisavljevic glaubt eher, dass die Bosnier - egal ob Opfer oder Täter - nicht „ohne gemeinsame Erklärung, über das was passiert ist" mit der Vergangenheit fertig werden können.

Sie finden aber auch jene, die über die ethnischen Grenzen hinweg sehen können. Weil es ihnen zum Beispiel Vorteile bringt. Den Selfmademan Pero Gudelj etwa, der trotz anfänglicher Morddrohungen, alle bei sich arbeiten lässt: Serben, Kroaten und Bosniaken. Wirtschaftliche Verflechtungen statt politischer Konflikte: Es ist das Erfolgsrezept der EU, auf das Leute wie Gudelj setzen.

Und das oft auf politischer Ebene verhindert wird. Das zeigt der Balkan Express mit scharfen Filmschnitten. Dann ist die Wut der bosnischen Band Dubioza Kolektiv zu hören und zu sehen. Sie prangert die „heimliche Besatzung" durch die internationale Gemeinschaft, die völlig ineffektive Staatsstruktur („Ich will keine zehn Kantone", „Zerstört das dreiköpfige Monster") und die nach wie vor zynische Haltung von EU-Europa an. Richtig nur, dass die Kamera dann jener Menschenschlange folgt, die sich im Regen vor der österreichischen Botschaft um ein Visum anstellt. (Adelheid Wölfl)

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8 Postings

Hinter dem Balkan Express steht ESI! Die sind widerrum voll finanziert von den Kriegstreibern der NATO Staaten und Herr Knaus trifft sich sogar persönlich mit Georg Soros mit Mentor der Balkan Betrüger und Kriegstreiber. Deshalb wird dort so einseitig berichtet, was man ja leicht erkennen kann.

bei 14:40
Fra Mirko äußert seine pers. Meinung bezüglich der Schuld des Krieges in Bosnien u. macht allein Serben dafür verantwortlich indem er sagt,Serben wollten ihr Einflussgebiet vergrößern.
Nun,er sollte wissen,dass es in BiH eine Wahl zur Unabhängigkeit 1992 gab,an der sich NUR Kroaten und Moslems beteiligten.
Serben,die zahlenmäßig größte Entität in BiH, boykottierten diese Wahl.Die Wahl wurde trotzdem durchgeführt u. wie zu erwarten war,wollten Kroaten & Bosnier die Unabhängigkeit.Sie wurde dann ausgerufen. Dies geschah aber über d.Köpfe der zahlenmäßig größten Entität (den Serben) hinweg.
Es gab keinen Konsens mit d.Serben.
Ich sehe darin den wahren Grund für den Ausbruch des Krieges, weil man den Serben dies aufzwang.

Die Serben

waren und sind nicht die größste Entität, sondern die Moslems, zusammen mit den Kroaten haben sie eine 2/3 Mehrheit. Sowas nenntman Demokratie Herr CCCC

Genau, die Serben waren nicht annähernd die grosste Bevölkerungsgruppe. Dass die restlichen Bevölkerungsgruppen eine Zweidrittelmehrheit hatten stimmt glaub' ich auch nicht, doch eine satte Mehrheit hat es gegeben. Konsens mit den Serben hat es nicht gegeben, weil sie nicht konsenswillig waren. Die Situation hat sich bis heute nicht geändert - es handelt sich immer noch um eine Obstruktionspolitik, die von den unverändert stark nationalistischen Machthabern weitergeführt wird. Obwohl es ihnen doch bewusst sein muss, dass sie damit einfach gegen eigene Interessen vorgehen. Das Land ist einfach verloren und hoffnungslos.

Daher ist es im Allgemeinen unklug,

wenn man nicht an Abstimmungen teilnimmt.

Dieses Video sollte man jedem Nationalisten dreimal täglich um die Ohren haun.

Ich möchte dem Standard zu dieser Serie ("Balkan Express") gratulieren...

Ich habe jetzt zwar erst "Bosnien & Herzegowina" gesehen, finde aber, das die aktuelle Situation und auch der historische Umriss gut auf den Punkt gebracht werden. Sehr objektiv und auf hohem Niveau!

Ich freue mich schon auf die Serien über die anderen Länder, dich ich mir auf jeden Fall noch alle ansehen werde!

Habe inzwischen herausgefunden, das diese Serie von der ERSTE Stiftung ausgeht: "Die zehnteilige Dokumentarreihe ist auf Initiative der ERSTE Stiftung und auf der Basis der Forschungsarbeit der Europäischen Stabilitätsinitiative (ESI) entstanden. ORF, ORF/3sat und Pre tv haben das anspruchsvollste TV-Projekt, das in den letzten zehn Jahren zu Südosteuropa produziert wurde, koproduziert"

Trotzdem fein, das ihr das hier in voller Länge und guter Qualität zur Verfügung stellt! ; )

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