Kosovo

18. Mai 2009 14:55

Das gekappte Rettungsseil

Kosovo

Die innere Immigration

Es ist so ähnlich wie mit den viel zu großen, unverputzten Häusern, die unkoordiniert in der Landschaft herumstehen und in denen oft niemand wohnt. Es ist so ähnlich wie mit den viel zu vielen Tankstellen, die nicht dem Benzinverkauf, sondern der Geldwäsche dienen. Es ist ähnlich absurd, wenn einer, der sich für den neuen Staat einsetzt, gleichzeitig dafür plädiert, dass die jungen Kosovaren emigrieren sollen. Und wie eine Ironie der Geschichte wirkt es, wenn Ben Crampton, der an dem Ahtisaari-Plan mitgeschrieben hat, meint, dass die Kosovaren eine Reisefreiheit brauchen, wie es sie in Titos Jugoslawien gab. So war es doch gerade der Konflikt im Kosovo, der am Beginn der Auseinandersetzungen stand, die schließlich zur Auflösung Jugoslawiens führten.

Doch natürlich hat Ben Crampton Recht. Angesichts der völlig aussichtslosen Arbeitssituation – fast die Hälfte haben keinen Job – kann nur das Geld von Auslandskosovaren das wirtschaftliche Überleben im Land sichern. Migration war immer die Rettung für den Kosovo, unter und nach Tito, vor hundert Jahren schon, als viele nach Istanbul und Belgrad zum Arbeiten geschickt wurden. Der Balkan Express erzählt die Geschichte von Männern, die von zu Hause weggingen, um anderen eine Heimat zu ermöglichen. Auch die Strategien, die schließlich zur Ausrufung der Unabhängigkeit am 17. Februar 2008 führten, wurden bekanntlich in der Immigration in der Schweiz und Deutschland erdacht.

Wie die Filmemacher kenntnisreich analysieren – dem Film ging eine Studie der European Stability Initiative (ESI) voraus – stoppte die wirtschaftliche Not im Kosovo in den 1980ern die Emanzipation der Gesellschaft, die patriachale Familie blieb das einzige soziale Auffangnetz. Auch heute gibt es keine Krankenversicherung und kein Arbeitslosengeld, nur die Grossfamilie, die vor allem für Frauen auch ein Ort der Unterdrückung sein kann. Fatal an dem heutigen Quasi-Protektorat ist zudem, dass niemand einen Plan hat, wie die wirtschaftliche Situation verbessert werden kann. Auch das spricht der Balkan Express direkt an, ohne gleich Lösungsvorschläge zu liefern. Offen kritisiert wird gleichzeitig das Schengen-Visa-Regime, das die Isolierung der Kosovaren festschreibt, während ihnen gleichzeitig europäische Werte gepredigt werden.

Der Kopf der Bewegung Selbstbestimmung, Albin Kurti, der eine echte Souveränität ohne die „Internationals“ fordert, hat die Bevormundung durch das Milosevic-Regime erlebt, dem die internationale Gemeinschaft folgte. Weil dieser neuerliche Paternalismus gut zu dem Clansystem und der Schattenwirtschaft passt, erzeugte er bei ihm ein Lebensgefühl der Ausweglosigkeit und Wut. Der Film über den Kosovo redet wenig von Hoffnung. Er hinterlässt Ratlosigkeit und damit kommt er der Wirklichkeit sehr nahe. (Adelheid Wölfl)

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19 Postings
David Leon
06.12.2010 09:20
das gekappte rettungsseil

Ein sehr informativer Film über die Probleme des Kosovo.

Bedenklich finde ich, dass sich die Kommentare hier wieder nur um das Thema Serben und Albaner und
den Status der Provinz/des Landes handeln. Dies steht in dem Film nämlich nicht im Vordergrund. Im
Gegenteil wird es doch recht deutlich, dass die Bevölkerung des Kosovo/a (ob Serben. Albaner,
Bosniaken, Roma oder anderer ethnischer Zughörigkeit) ganz andere Probleme habt und bekommen wird - diese Probleme machen nicht vor ethnischen Trennlinien halt und können nur gemeinsam gelöst werden.

Schöne Grüße aus Prishtina,
D. Leon

http://i42.tinypic.com/2mci0y.jpg
09.06.2009 12:28
na dann ab in die heimat wenns in serbischen häusern so elend ist!

gute heimreise nach albanien ...

mfg

Loncar
06.06.2009 22:23
Frechheit

bei "ehemalige serbische Provinz" habe ich aufgehört zu schaun.

Was ist bitte mit der Neutralität?? Wie kann man sowas hier überhaupt posten?

Mr. Portokalos
11.06.2009 16:33
FSPK oder ESPK"ehemalige serbische Provinz Kosovo"

Herzlichen Gruss aus
FYROM oder EJRM

Miki Smiljanic
08.06.2009 14:23
...

solange sie "die abtrünnige Provinz Abchasien" schreiben weisst du ja wie der Hase läuft. Zweigleisig zu fahren scheint ganz normal zu sein. Wo wären wir denn wenn das Völkerrecht für alle gleich gelten würde.

Wenn man schon den Kosovo anerkennt dann aber bitte schön all die anderen Provinzen die die Unabhängigkeit wünschen. Danke

greatalbania
12.06.2009 04:34
dann soll russland aber auch bitte den kosovo anerkennen ;)

Igor Gassner
07.06.2009 22:56
Bis 1912 ein türkisches veljet

1913 bis 14 ein serbischer Bezirk dann besetzt dann wieder Serbisch zum Banat Vardar ( Hauptstadt Skopje ) gehörend wärend dem II WK geteilt, der größte Teil bei Albanien , dann Teil Serbiens schließlich Teilautonomie als Teil Serbiens dann UN Protektorat schließlich frei.

Ethnisch zumindest seit dem frühen 18 JH mehrheitlich Albanisch. Serbische Anteil schwankte seit dem zwischen 12 bis maximal 25 %.

Im Mittelalter möglicherweise serbische Mehrheitsbevölkerung aber nicht einmal das ist ganz klar da die ethnische Zugehörigkeit damals keine Rolle soielte und die Königreiche eher Bündnisverbände zwischen lokalen Herrschern waren.

greatalbania
07.06.2009 20:20
sowas nennt man nicht frechheit sondern anerkennung der realität! manchen tut die realität nunmal weh (sie zb) und manchen nicht!

Veni Vidi Luris
23.07.2009 16:36

Was glauben Sie ist, ist Grossalabnien eine Realität?

Rrahmani Eki
04.06.2009 10:03

This is very patronising documentary.

chilly76
 
29.05.2009 22:07
liebe albaner erst die kompromisslösung mit den serben suchen

dann werden sich viele türen von alleine öffnen.

kosovo hat sich duch den grossalbanischen nationalismuss selbstisoliert.
klar kann jetzt keine lösung angesprochen werden, aber noch ein paar jährchen wirtschaftliche hoffnungslosigkeit werden wunder wirken.
denn nicht noch mehr unabhängigkeit wird den frieden und aufschwung bringen sondern ein kompromiss mit dem juristischen grundbesitzer serbien und wichtigsten partner in der region öffnet das tor zum wohlstand
europa hat den sehr sehr sehr langsamen weg gewählt weil es den total falschen weg (völkerrechtswiedrige unabhängigkeit) bevorzugte.

edgw
07.06.2009 12:39
liebe Serben

das hättet ihr selber machen sollen, anstatt zu versuchen die leut physisch zu vertreiben, udn ihr habt fats 100 Jahre (seit 1912) für eine friedliche Lösung gehabt...

Also spielt jetzt nicht die grössten Friedlichen Typen, die Welt hat einiges gesehen von euch (CRO, BiH, KS)...

nie ohne meine Zahnbürste
10.06.2009 12:29

"...Die Kosovaren brauchen eine Reisefreiheit, wie es sie in Titos Jugoslawien gegeben hat..."

Tito tot
Jugoslawien tot
Reisefreiheit tot

Breites Grinsen.

Harabeli
07.06.2009 10:02

haha, dafür ist es jetzt etwas zu spät... kosova und serbien gehen (fürs erste) gentrennte wege... vaya con lucifer, serbe!

Pierre d´Aubusson
11.11.2009 13:04

Luzifer ist der Lichtbringer (wenn man sich die Mühe macht, zu übersetzen)

no_na
07.06.2009 15:56
nun ja...

ich mein fürs Erste und Letzte... der Status seit 17.02. wird sich nicht mehr ändern! Es ist bloß noch eine Frage der Zeit bis das auch einige andere akzeptiert haben. Und es heißt ja, man sollte keinem eine Grube graben, den dann fällt man bekanntlich selbst hinein!

Der Wählerwille
 
07.06.2009 15:51
was ausgleich und konsenskultur anbelangt müssen

Sie offensichtlich noch etwas an sich arbeiten.

no_na
08.06.2009 23:25
mal ganz ehrlich

welchen angemessenen Ausgleich finden Sie für das Leben tausend unschuldiger Menschen???

opti
27.06.2009 06:12
welche unschuldigen meinen sie?

ich verbringe einen grossen teil meines lebens privat und beruflich in diesen ländern ich treffe dort überwiegend freundliche, offene, nach europa strebende menschen

fast jedesmal wenn ich einen dieser menschen frage, ist er, sie, ihre brüder und schwestern, ihre freunde und eltern, die partei die sie unterstützen, die "volksgruppe" der sie sich zuordnen - unschuldig
und alle andern sind böse mörder.

ganz wenige akzeptieren, dass jede gruppe mit ihren eigenen verbrechern zur katastrophe beigetragen hat und das jetzt aufarbeiten muss und nicht gegen "rettungsaktivitäten" aufrechnen kann und schon gar nicht gegen die verbrechen der "anderen"

deutschland hat das (schmerzlich und unfreiwillig) gelernt, österreich noch nicht (Graf)

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