Der "rechnende Almanach" will mit der Präsentation zuverlässiger Fakten überzeugen und könnte damit Wikipedia zusetzen
Seit vergangenem Wochenende ist Wolfram Alpha online und wird von den Nutzern bereits ausgiebig getestet. Dass die Computational Knowledge Engine keine direkte Konkurrenz zu Google ist, dürfte nun klar sein. Wolfram Alpha liefert keine Links oder Bilder, sondern errechnet die Antwort zu einer spezifischen Anfrage anhand statistischer Daten und anderer Quellen und präsentiert das Ergebnis in Tabellen, Grafiken und Diagrammen. Und wenn der Dienst auch noch in den Kinderschuhen steckt, zeichnet sich langsam ab, wem der Platz damit streitig gemacht wird: Wikipedia.
Ausbaufähig
Noch ist Wolfram Alpha stark ausbaufähig. Die Suche nach "Browser" liefert etwa nicht wie erwartet, die Marktanteile der aktuellen Software, sondern eine Worterklärung. Und "Firefox" interpretiert Wolfram entweder als das Tier oder als den gleichnamigen Film von Clint Eastwood. Interessant und lehrreich können diese Streifzüge durch das "Wissen" des rechnenden Almanachs allemal sein, aber für echte Recherchen sind die Daten noch zu unvollständig.
Konkurrenz zu Wikipedia
Was sich aber nach den ersten Tests abzeichnet, ist, dass Wolfram eine mächtige Ergänzung zu traditionellen Suchmaschinen ist. Google hat bereits selbst ein ähnliches Feature zum Vergleich statistischer Daten lanciert. Die Präsentation harter Fakten ohne redaktionelle Ausschmückung, setzt Wolfram Alpha und das Google-Pendent daher in Konkurrenz zu Wikipedia. Während man (als Autor) beispielsweise Informationen zu einer Landesbevölkerung in Wikipedia erst manuell aktualisieren muss, errechnet Wolfram Alpha die Daten anhand aktueller Statistiken.
Suchtool für Akademiker
Die Kritik an Wikipedia, dass die Informationen in den Artikel nicht zuverlässig sind, mag in manchen Fällen zutreffen. Generell stellt die Online-Enzyklopädie für viele Nutzer jedoch die erste Wahl dar, wenn es darum geht, ein Thema schnell zu erfassen. Die Stärke des Dienstes liegt unter anderem in den weiterführenden Links. Hingegen Wikipedia selbst als Quelle beispielsweise in wissenschaftlichen Arbeiten anzugeben, ist stark verpönt. Hier könnte sich Wolfram Alpha profilieren. Denn der Dienst liefert zu den Ergebnissen auch sehr genaue Quellenangaben mit, die unter Source Information aufgelistet sind. Wolfram Alpha könnte für Akademiker das werden, was Honda für Fahrzeuge ist, formuliert es ZDNet-Blogger Christopher Dawson: "Zuverlässig, progressiv, clever und geachtet." (Birgit Riegler/ derStandard.at 18. Mai 2009)