Haus zu verlosen

Auszug aus Millionenvilla als Basis für Mikrokredite

17. Mai 2009, 21:21

Ein Unternehmer verlost sein Tiroler Luxusdomizil, um eine Entwicklungshilfe-Plattform zu gründen

Innsbruck - "Ich habe lange geglaubt, dass mehr Geld und mehr Luxus automatisch mehr Glück bedeuten", sagt der 47-jährige Unternehmer Karl Rabeder. Jetzt sieht er das anders: Der Oberösterreicher wird seine 321 Quadratmeter große Traumvilla im Wert von 1,6 Millionen Euro in Telfs verlosen. Die Besonderheit: Mit dem Erlös will er über Mikrokredite Menschen in der Dritten Welt helfen. Als Kind sei er in Armut aufgewachsen. Mit Trockenblumen, Gestecken, Vasen, Kissen, also Wohnaccessoires, sei er dann reich geworden. 2004 hat er seine Firma verkauft, jetzt sei noch das Haus dran, dann sei er "frei" für sein "neues Leben".

Am Wochenende konnte eine Loskäuferin probewohnen. "Wir haben gut geschlafen, obwohl das Wasserbett schon sehr gewöhnungsbedürftig ist", sagte Claudia Marchi Samstagmorgen. Die Münchnerin hat eines der 21.999 Lose um 99 Euro gekauft und zusätzlich die Übernachtung in der dreistöckigen Luxusvilla am Fuß der Hohen Munde gewonnen.

Ein Haus in Tirol wäre "ihr Traum". Allein die Aussicht vom großen Esstisch der Villa über das gesamte Inntal bis hinunter zum Patscherkofel sei ein "Wahnsinn", schwärmt Marchi. Dass mit dem Reinerlös aus der Villenverlosung Mikrokredite organisiert werden gebe der Sache auch etwas "Spirituelles", freut sich Marchi.

Armut verringern

Rabeder hat vor wenigen Monaten seine Non-Profit-Organisation gegründet: "MyMicroCredit" hat es sich durch die Vergabe kleiner Kredite zum Ziel gesetzt, die Armut in weniger entwickelten Regionen der Erde zu verringern. "Meine Lieblingsgegend ist Lateinamerika", sagt Rabeder: "Schon 250 Euro reichen etwa in Guatemala aus, um ein Folienhaus zu bauen." Seine Organisation werde aber weltweit bedürftigen Menschen helfen. "Sie soll eine transparente Plattform werden, die Kreditnehmer aus armen Ländern mit sozialen Investoren zusammenführt." Weltweit gebe es Experten für alles. Man müsse sie nur zusammenführen. Die Investoren könnten dabei ihre Mikrokreditnehmer selbst auswählen, im Gegenzug erhalten sie Informationen und Bildmaterial über die Kreditnehmer. Zudem sollen sich Investoren über den Entwicklungsstand "ihres Projektes" am Laufenden halten können.

Freitagmittag hat Rabeder sein Traumhaus mit Sauna, Dampfbad, Schwimmbad und eigenem Beachvolleyballplatz erstmals zum Probewohnen freigegeben. Nach der Verlosung sucht er eine Mietwohnung in Innsbruck. Aus der Villa will er nur das Nötigste mitnehmen: seine Kleider, seinen Laptop und seinen Idealismus. (Verena Langegger/DER STANDARD-Printausgabe, 18.5.2009)

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14 Postings
fabrikant
00
19.5.2009, 10:32
Gute Idee - da kommt das Geld zumindest bei den Bedürftigen auch an

Edward NORTON
01
18.5.2009, 19:21
Ein echter Lichtblick am durch Negativpresse gezeichneten Medienhimmel!

Möge Mohammed Yunus Idee noch viele weitere Nachahmer finden...

Chapeau, Herr Rabeder!

Sponge Bob
30
18.5.2009, 17:12
wirklich armen Österreichern (da gibt es auch genug davon) zu helfen, ist leider uncool.

warum das so ist? Keine Ahnung!
Wird aber ähnlich sein wie beim Urlaub. Je weiter weg desto cooler und toller ....

nina yankow
00
19.5.2009, 00:06

ein "wirklich armer" österreicher kann neben sozialleistungen, mit der man sich eine im internationalen vergleich luxuriöse wohnung und einen sehr akzeptablen lebensstil leisten kann auch auf ein sehr dichtes netzwerk "karitativer" organisationen zurückgreifen. jene menschen, die aus allen sozialen netzen herausfallen, weil sie zB in obdachlosigkeit und alkoholismus geraten sind und sich nicht mehr um selbsthilfe bemühen (können), für die kann man als einzelperson auch mit sehr viel geld nicht so viel tun wie mit mikrokrediten für unzählige arme menschen in entwicklungsländern.
davon abgesehen: was geht es Sie an, in welcher richtung jemand menschen helfen will und wer sind Sie zu urteilen, welche hilfe an wen nun die bessere sei?

Partisanen Sepp
00
18.5.2009, 18:40
tut das weh?

Emil Zatopek
02
18.5.2009, 18:25

ein wirklich armer kenianer, etc. is halt auch noch ein stückchen wirklich ärmer als der ärmste österreicher ;(

Kapitalismus Luege
20
18.5.2009, 10:27
Microkredite sind ein Long-Tail Business einer Bank,

ein Business wie jedes andere auch, das Gewinn abwirft. (Der wird wohl sofort reinvestiert, da gemeinnuetzig)

Die Villa setzt er als Startkapital ein.
Auch als Direktor einer Non-Profit Bank laesst es sich gut leben.

Vielleicht ist ja der Mikro-Kredit-Kapitalismus hachhaltiger als unserer und hilft auf lange Sicht wirklich.

Tiefseekrake
00
18.5.2009, 22:37

Ist etwas an sich schlecht, wenn es Gewinn abwirft?
Ist etwas, was für soziale und wirtschaftliche Entwicklung nützlich ist, deswegen weniger nützlich, wenn jemand daran etwas mehr profitiert als andere Teilnehmer an dem Projekt?

die wöd steht nimma lang
00
18.5.2009, 12:06

ich habe auch nichts gutes über microkredite in schwellenländern gehört. im gegenteil. allerdings kommts halt drauf an, wieviel zinsen die dann zahlen müssen. wenn die minimal bleiben und die leute die kredite zurückzahlen können, dann ists wahrscheinlich ein gutes projekt.

erwin meier
01
18.5.2009, 11:25

selbst wenn einer alles verschenkt wird es immer noch neider geben.

Speedle
00
18.5.2009, 14:56

Verschenken? Das müssen Sie mir jetzt aber erklären.

Tiefseekrake
07
17.5.2009, 22:26
Man könnte das ja weiterdenken - Mitspielen - im Fall des Gewinnes gleich dasselbe wieder machen - und mehrere machen dasselbe - und entdecken dass es Sinn macht.....

dann käme man drauf, dass alles "verspielbare" Vermögen in den reichen Ländern, bzw. reichen Bevölkerungsgruppen der Erde, vielleicht besser in solche wirtschaftlich sich-selbst-tragende Entwicklungsprojekte gesteckt wird, als im Großen Casino der Finanzwirtschaft damit herumzuzocken! Anders gesagt: Investiert in die Armen, die sind auch obendrein noch bereit zu arbeiten und dankbar für die Chancen, welche sie durch die (gar nicht gering verzinsten!) Mikrokredite bekommen - da wird dann produziert obendrein, nicht nur Schulden gemacht, Geld gedruckt, auf Pump gelebt....
Möglicherweise eine nachhaltige Rettung des Welt-Wirtschaftssystems, welches eh schon beinahe in den Graben gefahren ist?

VormalsKOHill
02
18.5.2009, 08:58
90° Verbeugung vor Herrn Rabeder aber auch für dieses Tiefblick-Kraken-Posting!

...und wer es Herr Rabeder nach machen will, oder diesen mit einem eigenen Verlosungsobjekt unterstützen will:
Auf http://www.PrivatLotto.Net kann man nicht nur professionelle und wirklich legale Unterstützung für jede Privatverlosung bekommen, sondern werden dort alle Leistungen für gemeinnützige Projekte absolut kostenlos angeboten!

Etwas verlosen was man nicht mehr braucht oder will, ohne auch noch Arbeit, Stress oder Kosten zu haben und dadurch auch noch die Menschen ein wenig näher zusammen zu bringen, - das ist doch mal ein Konzept für die Zukunft!

t 3
 
06
17.5.2009, 22:03
alle achtung!

hut ab - applaus...

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