Ein Unternehmer verlost sein Tiroler Luxusdomizil, um eine Entwicklungshilfe-Plattform zu gründen
Innsbruck - "Ich habe lange geglaubt, dass mehr Geld und mehr Luxus automatisch mehr Glück bedeuten", sagt der 47-jährige Unternehmer Karl Rabeder. Jetzt sieht er das anders: Der Oberösterreicher wird seine 321 Quadratmeter große Traumvilla im Wert von 1,6 Millionen Euro in Telfs verlosen. Die Besonderheit: Mit dem Erlös will er über Mikrokredite Menschen in der Dritten Welt helfen. Als Kind sei er in Armut aufgewachsen. Mit Trockenblumen, Gestecken, Vasen, Kissen, also Wohnaccessoires, sei er dann reich geworden. 2004 hat er seine Firma verkauft, jetzt sei noch das Haus dran, dann sei er "frei" für sein "neues Leben".
Am Wochenende konnte eine Loskäuferin probewohnen. "Wir haben gut geschlafen, obwohl das Wasserbett schon sehr gewöhnungsbedürftig ist", sagte Claudia Marchi Samstagmorgen. Die Münchnerin hat eines der 21.999 Lose um 99 Euro gekauft und zusätzlich die Übernachtung in der dreistöckigen Luxusvilla am Fuß der Hohen Munde gewonnen.
Ein Haus in Tirol wäre "ihr Traum". Allein die Aussicht vom großen Esstisch der Villa über das gesamte Inntal bis hinunter zum Patscherkofel sei ein "Wahnsinn", schwärmt Marchi. Dass mit dem Reinerlös aus der Villenverlosung Mikrokredite organisiert werden gebe der Sache auch etwas "Spirituelles", freut sich Marchi.
Armut verringern
Rabeder hat vor wenigen Monaten seine Non-Profit-Organisation gegründet: "MyMicroCredit" hat es sich durch die Vergabe kleiner Kredite zum Ziel gesetzt, die Armut in weniger entwickelten Regionen der Erde zu verringern. "Meine Lieblingsgegend ist Lateinamerika", sagt Rabeder: "Schon 250 Euro reichen etwa in Guatemala aus, um ein Folienhaus zu bauen." Seine Organisation werde aber weltweit bedürftigen Menschen helfen. "Sie soll eine transparente Plattform werden, die Kreditnehmer aus armen Ländern mit sozialen Investoren zusammenführt." Weltweit gebe es Experten für alles. Man müsse sie nur zusammenführen. Die Investoren könnten dabei ihre Mikrokreditnehmer selbst auswählen, im Gegenzug erhalten sie Informationen und Bildmaterial über die Kreditnehmer. Zudem sollen sich Investoren über den Entwicklungsstand "ihres Projektes" am Laufenden halten können.
Freitagmittag hat Rabeder sein Traumhaus mit Sauna, Dampfbad, Schwimmbad und eigenem Beachvolleyballplatz erstmals zum Probewohnen freigegeben. Nach der Verlosung sucht er eine Mietwohnung in Innsbruck. Aus der Villa will er nur das Nötigste mitnehmen: seine Kleider, seinen Laptop und seinen Idealismus. (Verena Langegger/DER STANDARD-Printausgabe, 18.5.2009)