Spanien

"Es ist 'unethisch', allen Schülern Windows vorzusetzen"

16. Mai 2009, 10:00
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    foto: dpa

    Spanische Schülerinnen und Schüler sollen Notebooks und Internetzugang erhalten

Spaniens Ministerpräsident Zapatero will ein Notebook für jeden Schüler und Internet in jeder Klasse

"Schule 2.0" propagiert Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero als Programm, um Spanien von seiner großen Abhängigkeit von der Bauindustrie hin zu neueren Branchen wegzuführen. Für jedes Kind ein Notebook, in jeder Klasse drahtlosen Internetanschluss, heißt das Konzept. Beginnend mit diesem September sollen 420.000 Laptops an alle Schülerinnen und Schüler der fünften Klasse übergeben werden. Zapatero will sie weitgehend in Spanien fertigen lassen, für die Elektronik-Branche ein willkommener Großauftrag. Derzeit kommt im Schnitt ein PC auf 6,6 Schülerinnen und Schüler. Und zwar haben fast alle Schulen Internetanschluss, aber nur ein Bruchteil nutzt diesen.

Bis 2000 Euro pro Klasse

Bereits seit geraumer Zeit gibt es Verhandlungen mit Verlagen, PC-Herstellern und Telekoms. Aber vor allem Telekomprovider bezweifeln die Finanzierbarkeit der Reform. Sie beziffern die Kosten für Schul-Internet mit 1500 bis 2000 Euro pro Klasse. Dazu käme technisches Personal zum Betrieb und teure Satelliten-Verbindungen in abgelegene Orte. Kritik gibt es auch aus dem Open-Source-Lager: Es sei "unethisch", allen Schülern Windows vorzusetzen.

Hausaufgaben-Tarif

Elternvertreter, abseits der katholischen, begrüßen hingegen die Initiative "Schule 2.0", die bis zu 90 Prozent der Anschaffungskosten für Notebooks subventionieren soll. Sie fordern aber Schulungen für Lehrer. Ein weiteres Problem sei die "Digital Divide", warnt Internautas, der Verein der spanischen Internetnutzer. Sozial schwächere Haushalte haben selten einen Breitband-Internetanschluss, die in Spanien weit über dem EU-Schnitt kosten. Damit Schüler zu Hause und mobil werken können, stellt die Telekom-Branche einen reduzierten "Hausaufgaben-Tarif" in Aussicht.

"Laptop löst kein Defizit"

Aber es gibt auch grundlegende Bedenken gegen die von Zapatero angekündigte Aktion. "Die Laptop-Idee ist nicht zielführend", kritisiert der Rektor der Madrider Universidad Complutense, Carlos Berzosa, in der Zeitung El País. Das Problem liege andernorts: "Viele Schüler haben wenig Ahnung von Mathematik, sie drücken sich schlecht aus, und ihre Rechtschreibung ist mangelhaft", wenn sie an die Madrider Alma Mater kämen, singt der Rektor ein bekanntes Klagelied. Allesamt "Defizite, die man mit einem Laptop alleine nicht lösen wird." (Jan Marot aus Granada/ DER STANDARD Printausgabe, 16. Mai 2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 118
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Erzmagier
00
6.10.2010, 18:00

Informatikunterricht ist generell unnötig. Außer programmspezifischen Arbeitswegen die man sich mit etwas Interesse genausogut selbst beibringen kann lernt man nichts!

Peter W1
 
40
28.5.2010, 20:45

Eh, Kinder auf den beruflichen Alltag mit Windows vorzubereiten ... wo kommen wir da hin. Da lassen wir sie lieber mit Software rumspielen, die nachher niemand im Einsatz hat.

werwolfi
01
6.10.2010, 17:54
<°)))><

lukas820
00
28.5.2010, 14:14

Ich halte das grundsätzlich für eine gute Idee. Kommt natürlich darauf an wie man es verwendet. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Informatik und der Umgang mit Computern in der Schule eindeutig zu kurz kommt. Ich bin in einem Naturwissenschaft/Informatik Zweig eines Gymnasiums und hatte dort 1 Jahr lang 2 Stunden die Woche Informatik. Den Stoff den wir durch genommen haben beschränkt sich eigentlich auf den Ecdl, also Ms Office und das wars. Und wundert man sich noch wieso wir einen It-Fachkräfte Mangel haben.

Biha
00
29.5.2010, 04:43

haben wir das? (fachkräftemangel mein ich)
oder sind die lobbys einfach nur scharf auf billigere kräfte?

werwolfi
08
20.5.2009, 01:18

"Es sei "unethisch", allen Schülern Windows vorzusetzen."

wie wahr, wie wahr... aber die marketingmaschinerie von MS wird es schon zu verhindern wissen, dass womöglich viel geld an softwarelizenzen gespart wird (das im bildungsbereich ja auch sonst für nichts wichtiges gebraucht wird...) und die nächste generation womöglich ein grundlegenderes wissen über IT-technologien hat als welchen knopf man konkret in Word 8.41.153b drücken muss, um die schriftgröße von 7 auf 8 punkt zu verstellen.... (so werden viele kurse in der tat abgehalten, auch im bereich erwachsenenschulung - non scholae, sed vitae und so weiter...)

Erzmagier
00
6.10.2010, 17:51

"non scholae, sed vitae..." hat Seneca aber nie so gesagt :P

wolfgang gaerber
10
19.5.2009, 13:51
Wozu das ganze ?

... man kann auch auf einem Blatt Papier programmieren.
Die Fahrschulkurse finden auch nicht im Auto statt.
Im allgemeinen ist man dann auf fast alle Autotypen einigermassen vorbereitet - bis auf so Sachen wie Feststellbremse fußbetätigt, etc....
Und man wird da zum Autofahrer und nicht zum Automechaniker ausgebildet.....

Des brauch ma.

Sowizo
05
19.5.2009, 19:32

Naja, ich find die Aktion jetzt auch nicht unbedingt großartig, aber Ihr Vergleich hinkt schon sehr. Ich bezweifle, dass Sie sich schon mal ernsthaft mit Programmierung auseinandergesetzt haben, denn beim Programmieren ist learning-by-doing alles. Natürlich kann man mit grundlegenden Dingen auf dem Papier anfangen, sollte man teilweise auch, aber irgendwann wird's doch fad, wenn man den geschriebenen Code nicht mal ausführen kann.

Biha
00
29.5.2010, 04:45

c-prüfungen auf einer fh in den ersten semestern auf papier gemacht... geht alles... ist aber etwas mühsam

Searles
 
00
19.5.2009, 12:30

Bei uns gab es Klassen, in denen der Mathematik-Unterricht Laptop-basiert war. Fazit: Bei der Matura konnte keiner eine Kurvendiskussion, geschweige denn wenigstens den Verlauf von e^x oder sin x (konnte man ja bei den Schularbeiten davor am Laptop ablesen), auf einer Vorgegebenen Kurve den Wendepunkt einzeichnen oder Gleichungen mit mehreren Unbekannten loesen - keine Chance. Ein naturwissenschaftliches Studium blieb so den meisten in diesen Klassen verschlossen. Ganz tolle Idee gewesen.

Hannes Trink
00
19.5.2009, 13:42

naja...

Liam N.
00
19.5.2009, 15:26
stimmt

naja... der PC ist ein Werkzeug - auch für den Mathe-Unterricht...

es kommt bei jedem Werkzeug darauf an, wie man es verwendet...

Hannes Trink
00
19.5.2009, 17:35

Cool, genau das was ich aussagen wollte.

Ich werd jetzt öfters einfach "naja" unter Beiträge schreiben... :-)

Searles
 
00
19.5.2009, 18:16

Und mein Punkt war jetzt keinefalls technikfeindlich gemeint, aber in der Volksschule wuerde ja auch jemand, der ernsthaft fordert, anstatt das 1*1 zu lernen einen Taschenrechner zu verwenden, ausgelacht werden. Hier wurden jedoch die Laptops AUSSCHLIESSLICH verwendet.

Hannes Trink
00
19.5.2009, 19:35

Der Punkt ist: Lehrer können Wissen anbieten. Lernen müssen Schüler selber.
Bei uns taten sich auch jene schwerer, die Aufgaben aus dem Lösungsheft abschrieben.

Searles
 
00
19.5.2009, 23:07

Freilich. Bevor man jedoch technische Unterstuetzung im Unterricht einsetzt, sollte man die Grundlagen, fuer die man technische Unterstuetzung verwendet, verstehen. Kurz: Wer nicht weiss, wie er Gleichungen mit 2 unbekannten loesen kann, sollte kein Programm dazu benutzen (koennen/duerfen).

Ben Vassy
00
18.5.2009, 13:49

Dieses ganze Gezaubere um Computer in den Schulen (und ich red da jetzt nicht von Spanien konket) ist sowas von unnötig. Wer in der Schule eine vernünftige Ausbildung erfährt, wird kein Problem damit haben, den Umgang mit verschiedensten Computersystemen und unterschiedlichster Software zu erlernen.

Tatsächlich aber fehlt es in Schulen an Grundlagen. Die Leut, die zu uns kommen und nichtmal einen graden deutschen Satz aufs Papier bringen, geschweige denn Englisch sprechen, die nehm ich einfach nicht - da können sie 10x gelernt haben, wie man in Excel eine Formel eingibt.

little monster
 
00
18.5.2009, 19:13
Suche Job, mache alles

Was zahlst du und was willst du dafür?
:-)

der Xote
05
18.5.2009, 06:51
Der solide Grund

Es wäre besser, wenn man den Kindern beibringt, wie man einen Computer generell benutzt. Was ist ein file? Was ist ein directory? Solche grundlegenden Dinge eben. Damit haben nämlich nicht wenige echte Probleme, das einzige Directory, das viele kennen, nennt sich "Eigene Dateien".

little monster
 
02
17.5.2009, 21:41
Stelle ich mir lustig vor ...

In einer Schule mit fast 1000 Schüler/innen darf sich dann kein Schüler und keine Schülerin finden, die es irgendwann besser können als der Herr Professor Huber mit der ECDL-Bildung, welcher das Schulnetz eingerichtet hat. Sonst spielts Granada.

Erzmagier
00
6.10.2010, 17:58
ECDL is fürn A...

Hab mir mal die Lernmaterialien von Kursteilnehmern angeschaut, da lernt man doch wirklich wie man im IE Lesezeichen, pardon "Favoriten" anlegt -.-

BearT
11
17.5.2009, 13:07
WLAN in den Klassen

Ich seh sie schon aus ihren Löchern kriechen, die ganzen "Handystrahlen-sind-Mörder"-Typen und ihre Kinder vom Unterricht abmelden, weil der gesundheitsgefährdend für die armen Hascherln is.

Oder gibts den Typus "Ich hab sonst keine Probleme, drum kämpf ich gegen böse unsichtbare Strahlen" in Spanien nicht?

yotix
 
00
17.5.2009, 17:12

Die Verunsicherung ist offenbar groß - anscheinend haben die wenigsten im Physikunterricht aufgepasst. Und man hört sehr oft die irrsten Gerüchte, von "Handy heizt Hirn auf" über "Mikrowelle macht Nahrung unverdaulich" und "Katzen sterben binnen 2 Wochen wenn man ihr Futter in der Mikro wärmt" über "trags Handy nicht in der Hosentasche sonst wirst unfruchtbar".
Oder zuletzt beim Einrichten eines Laptop: "Was? Ich hab da ein fremdes WLAN in meiner Wohnung? Das ist eine Sauerei, das ist Gesundheitsgefährdung, den zeig ich an!"

Barney_Stinson
41
17.5.2009, 13:31
die strahlen sind nicht unsichtbar

sondern mit freiem auge nicht zu sehen

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