Spaniens Ministerpräsident Zapatero will ein Notebook für jeden Schüler und Internet in jeder Klasse
"Schule 2.0" propagiert Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero als Programm, um Spanien von seiner großen Abhängigkeit von der Bauindustrie hin zu neueren Branchen wegzuführen. Für jedes Kind ein Notebook, in jeder Klasse drahtlosen Internetanschluss, heißt das Konzept. Beginnend mit diesem September sollen 420.000 Laptops an alle Schülerinnen und Schüler der fünften Klasse übergeben werden. Zapatero will sie weitgehend in Spanien fertigen lassen, für die Elektronik-Branche ein willkommener Großauftrag. Derzeit kommt im Schnitt ein PC auf 6,6 Schülerinnen und Schüler. Und zwar haben fast alle Schulen Internetanschluss, aber nur ein Bruchteil nutzt diesen.
Bis 2000 Euro pro Klasse
Bereits seit geraumer Zeit gibt es Verhandlungen mit Verlagen, PC-Herstellern und Telekoms. Aber vor allem Telekomprovider bezweifeln die Finanzierbarkeit der Reform. Sie beziffern die Kosten für Schul-Internet mit 1500 bis 2000 Euro pro Klasse. Dazu käme technisches Personal zum Betrieb und teure Satelliten-Verbindungen in abgelegene Orte. Kritik gibt es auch aus dem Open-Source-Lager: Es sei "unethisch", allen Schülern Windows vorzusetzen.
Hausaufgaben-Tarif
Elternvertreter, abseits der katholischen, begrüßen hingegen die Initiative "Schule 2.0", die bis zu 90 Prozent der Anschaffungskosten für Notebooks subventionieren soll. Sie fordern aber Schulungen für Lehrer. Ein weiteres Problem sei die "Digital Divide", warnt Internautas, der Verein der spanischen Internetnutzer. Sozial schwächere Haushalte haben selten einen Breitband-Internetanschluss, die in Spanien weit über dem EU-Schnitt kosten. Damit Schüler zu Hause und mobil werken können, stellt die Telekom-Branche einen reduzierten "Hausaufgaben-Tarif" in Aussicht.
"Laptop löst kein Defizit"
Aber es gibt auch grundlegende Bedenken gegen die von Zapatero angekündigte Aktion. "Die Laptop-Idee ist nicht zielführend", kritisiert der Rektor der Madrider Universidad Complutense, Carlos Berzosa, in der Zeitung El País. Das Problem liege andernorts: "Viele Schüler haben wenig Ahnung von Mathematik, sie drücken sich schlecht aus, und ihre Rechtschreibung ist mangelhaft", wenn sie an die Madrider Alma Mater kämen, singt der Rektor ein bekanntes Klagelied. Allesamt "Defizite, die man mit einem Laptop alleine nicht lösen wird." (Jan Marot aus Granada/ DER STANDARD Printausgabe, 16. Mai 2009)