"Sozialen Sprengstoff nicht klein reden"

15. Mai 2009, 20:11

Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer im Video-Interview über mögliche Antworten der SPÖ auf die Jungwähler-Studie, Ausländer als rotes "Spaltungsthema" und seine Prognose für die EU-Wahl

Die Sora-Studie, die belegt, dass die Jugend in hohem Maße bereit ist, rechte Parteien zu wählen, habe im Kern mit den "simplen Botschaften" und "vermeintlichen Antworten" von Straches Partei zu tun, hält Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer im Gespräch mit Hans Rauscher fest. Andererseits müsse man jedoch schon sehen, dass all diese Sprüche ins Leere gehen würden, gäbe es nicht tatsächliche Probleme. Dabei sei "sicherlich nicht zu unterschätzen, dass das kulturelle Konfliktpotenzial unter den Jugendlichen doch angewachsen ist".

Es gelte deswegen, "sozialen Sprengstoff nicht klein zu reden". Für viele der Jugendlichen stelle sich bestenfalls die Perspektive, Hilfsarbeiter zu werden, aber die Anzahl dieser Jobs sei heute viel geringer als in der Vergangenheit. "Daher ist das Problem, dass hier Teile einer Generation heranwachsen, die eine ziemliche Perspektivenlosigkeit haben", so Gusenbauer. Dies wirke sich in Gewalt aus. Die politische Antwort dürfe nicht lauten "habt euch alle lieb und streitet euch nicht", sondern müsse in umfassenden Bildungsmaßnahmen ab dem Kindergarten und im Bereich des Wohnbaus liegen. "Man muss dafür sorgen, dass es nicht zur Bildung von sozialen Ghettos kommt, weil diese in Kombination mit Kulturkonflikten ein außerordentlich unangenehmes Amalgam bilden." Dies würden Jugendliche, die sich viel mehr auf der Straße aufhalten, viel unmittelbarer spüren. Wenn man diese mit ihren Probleme allein lässt, würden sie sich eben an Strache wenden.

Das Ausländerthema stelle sich für die Sozialdemokratie als "Spaltungsthema" dar, woraus die Schlussfolgerung "am besten gar nicht anstreifen" abgeleitet werde. Jetzt merke man aber, dass dieses Nicht-Anstreifen nicht zum Erfolg führt, weil gerade Jugendliche diese Probleme spüren und darauf schauen, ob Antworten gegeben werden oder nicht. "Daher wird es eine große Herausforderung für die Sozialdemokratie sein, hier glaubhaft Konzepte auf den Tisch zu legen", so der ehemalige SPÖ-Chef.

EU-Wahlprognose

Zum Thema EU verteidigt der jetzige Referent der niederösterreichischen Arbeiterkammer abermals den Leserbrief an die Kronen Zeitung. Seine Prognose für die bevorstehende Wahl: ÖVP und SPÖ zwischen 27 und 30 Prozent, FPÖ 17-18 Prozent, Grüne 10-12, Hans-Peter Martin und BZÖ zwischen 5 und 7.

Gegenfrage

In der RAU-TV-Gegenfrage will Gusenbauer von Rauscher wissen, warum er sich so vehement gegen eine Vermögenszuwachssteuer wehrt. Die Antwort findet sich im obigen Video. (rasch, derStandard.at, 15. Mai 2009)

Kommentar posten
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Nik M
00
25.5.2009, 11:21
Gusenbauers Geduld ist bewundernswert

Auf den ueblichen Sermon gegen vermoegensbezogene Steuern auf europaischen Niveau mit zwei Sekunden Pause und einem hoeflichen "darf ich eine Nachfrage stellen" (die dann uebrigens sehr gscheit war - jeder hat seine Staatsausgabe, die er einsparen wuerde) ist fast schon britischer Diskussionsstil. Alle Achtung!

Plus apud me vera ratio valebit quam vulgi opinio
 
22
24.5.2009, 08:55
Lieber Gusi,


Du hattest vor 2 Jahren den Strache auf dem Präsentierteller, als seine Wehrsportfotos auftauchten. Ein Wort von Dir und er wäre Geschichte gewesen!

Aber Du hast deine schützende Hand über ihn gehalten und sprachst stattdessen von Jugendtorheiten.

Mir ist schon klar, dass Du dies aus Dankbarkeit für die Klüngelei bei der Wahl des ORF-Wrabetz gemacht hast - übrigens ebenfalls eine Fehlentscheidung, wie sich herausstellte.

Ich finde daher, Du solltest wenigstens genug Anstand besitzen, zu diesem Thema lieber gar keine Stellungnahme abzugeben!

das ist fix
00
25.6.2009, 20:27


"die schützende Hand Gusenbauers" - Gusenbauer war nicht einmal in der Lage sich selbst im Bundeskanzleramt zu halten, wie sollte der da über andere die schützende Hand halten können?

ceterum censeo faymanem esse d...
00
26.6.2009, 11:43
Wenn dem so wäre...


.. nämlich dass Gusi bei seinen eigenen Genossen abgeblitzt wäre, wenn er Straches Abgang gefordert und durchgesetzt hätte - wissen Sie was das bedeutet?

Richtig! Dass Strache bei der SPÖ mächtige Freunde haben muss. Sonst gäbe es ja keine Grund Gusi zu blockieren.

Das wollen wir doch nicht annehmen. Oder sehen Sie das anders?

Almi66
21
22.5.2009, 09:43
Wie angenehm, im Gegensatz zu Politikern wie Faymann...

einen glaubhaften Politiker und ein intellektuelles Gespräch zu verfolgen!

Mustermax Mastermux
01
26.5.2009, 10:55
Der Unterschied zu Faymann ist, dass Gusenbauer nicht so redet als müsste er einem kleinen Kind etwas erklären.

Er ist ein Intellektueller und verstellt sich nicht. Das soll man ihm nicht als Überheblichkeit auslegen.

Faymann wirkt wie ein einfacher Geist, auch das ist autentisch.

Was beim Volk besser ankommt hat man ja gesehen.

also dann ...
00
22.5.2009, 12:37
naja ... der unteschied ist graduell - mehr nicht !

und das
gerade gusi...glaubhaft ist, dürfte wohl eine nicht sehr verbreitete meinung sein.

Fritz Wunderlich
00
20.5.2009, 08:35

jetzt plötzlich nicht kleinreden? a bisserl spät, gell

peter Pramberger
03
17.5.2009, 18:26

Wenn schlechtere Jobs Mangelware werden, warum gibt es dann bei uns polnische Haushaltshilfen, die extra aus Polen anreisen, und kaum ex-jugoslawische und tuerkische, die bei uns leben? Soziales Netz?

Warum spricht Rauscher beim Einsparungspotential nicht auch von der teuren Parallelverwaltung verursacht durch den Foederalismus (siehe Ergebnisse des Oestereichkonvents)?

Seifenbein
01
17.5.2009, 13:40
In Neuseeland werden jetzt schon Diebe als Volkshelden verehrt!

http://orf.at/090514-38... index.html

Woran kann das wohl liegen? Das gabs doch noch nie.
Vielleicht zieht man ehrliche, kleine Diebe unehrlichen, großen vor, die sich ihre Raubzüge nur legalisiert haben?

Dr. Lari and Mr. Fari
 
20
17.5.2009, 14:05
ist eher unter den bekannten Feststellung

der unendlichen Dummheit der Menschheit zu verbuchen, die von Einstein stammt.

Strudelteig
10
23.5.2009, 08:29
aha, die unendlich Dummheit stammt von Einstein ... :)



Stilblüten waren immer schon lustig :-)

Dr. Lari and Mr. Fari
 
10
17.5.2009, 12:01
Und wer hat Gusenbauers Einladung zu Clinton bezahlt??

Seifenbein
17
17.5.2009, 14:07
"aber weiterführende überlegungen sind eben nicht gewollt, weil man dann auf das eigene versagen stossen könnte. und das ist etwas, was die selbstgerechte linke gar nicht mag."

Ich denke die Außenseiter haben vieles gemeinsam, auch wenn sie ideoligisch komplementär denken. Vor allem eine unsichere Zukunft.

Die Problemverursacher sind in der vermeintlichen Mitte zu finden, die keine mehr war, sondern eine reine Interessensvertretung für diverse Wirtschaftslobbys.
Die ÖVP wurde extremistisch-neoliberal, zur einseitigen Unternehmervertretung.
Die SPÖ bekam einen dicken Bauch, wurde blind für Probleme der Arbeitnehmer, und ist in elitärem Wohlstand verschlafen.

Rechts und links fallen vergessene Kinder hinunter und keiner der Etablierten fängt sie auf.

Melchior Kreutzer
32
17.5.2009, 11:05

linke parolen (der kapitalismus ist schuld) sind genauso vereinfachend wie rechte (die ausländer sind schuld). das ständige geschwafel, dass die jugend deshalb zu rechte wählen würden, weil deren parolen einfach seien, ist deshalb unrichtig.

aber weiterführende überlegungen sind eben nicht gewollt, weil man dann auf das eigene versagen stossen könnte. und das ist etwas, was die selbstgerechte linke gar nicht mag.

frank franki
13
17.5.2009, 15:09

ihr selbstgerechtes geschwafel ist aber auch kaum auszuhalten.

von linken parolen ist in diesem interview weit und breit nichts zu hören. ihre kritik sollte wenigstens auf dem tatsächlich gesagten und nicht auf ihrer abneigung gegen die "linken" basieren.

mountaineer
23
17.5.2009, 09:42

Bereits wenn Albert Fortell in den Drehpausen nicht mehr zum AMS stempeln ginge, wäre viel geschehen!

Dr. Lari and Mr. Fari
 
13
17.5.2009, 12:01
dan müßte man ihm auch verbieten, in die Arbeitslosenversicherung einzuzahlen.

Jambala Magdalena
11
17.5.2009, 09:15

Einerseits wird über die hohe Arbeitslosigkeit gejammert, andererseits ist es sehr mühevoll Handwerker zu bekommen. Ich greife jetzt auf deutsche Dienstleister zurück, von denen muss man sich nicht sagen lassen, dass man keine Zeit oder kein Interesse hat.
Arbeitnehmer, Wirtschaft und Gewerkschaft müssen lernen, dass man die Arbeit da machen muss, wo sie zu finden ist und nich, wo man sie gerne hätte. Das wird noch ein sehr, sehr schwieriger Lernprozess werden, aber Österreich wird sich vermutlich lieber eine Halbe Million Arbeitslose leisten. .

lordderringe
26
17.5.2009, 08:40
Wieso...

...berichten die Medien eigentlich nicht über die Bilderberger-Konferenz in Athen? Schließlich trifft sich derzeit die weltweite Geld-Elite und berät über die Zukunft der Welt und ihrer Geldsklaven.

Eva Meyer
13
19.5.2009, 11:45
weil die Medien (die sich fast ausschließlich in den Händen dieser selbsternannten Elite befinden)

das Werkzeug für die Hirnwäsche darstellen und nicht der Aufklärung dienen

Eleazar
01
17.5.2009, 12:10

Weil die Bilderberger ihre Ratlosigkeit nicht den Medien zeigen wollen.

Deshalb sind sie ja so geheim, weil die keine Ahnung haben.

Ausserdem haben sie Angst, dass wenn die Wirtschaft zusammenbricht, der Mensch mangels Intelligenz, sich wie ein Karnikel zu vermehren beginnt.

(Sieht man an den Stromausfällen, wenn die Geburtenrate steigt.)

Da ist nichts geheim, da ist nur seine "Dämlichkeit" am wirken.

und Ciao

Außerirdischer
12
17.5.2009, 10:26
Es wäre auch sehr interessant, wieviel Geld von reichen Industriellen zu ''Kleineleuteparteien der Fleißigen und Anständigen'' fließt!

Und wie das unter einen Hut geht: Globalisierungsverlierer zu vertreten und gleichzeitig deren Arbeitgeber, die sie wegrationalisieren!

Her mit den Zahlen von Waffenkonzernen, Papierindustrien u.Ä.

Jeder Verschwörungsfan würden sie da sicherlich auch Augen machen!

Comedian
31
17.5.2009, 02:23
Wieso ... äh ... kann man .. äh ... dieses ... äh ... Interview ...

... äh ... nicht ... äh ... - ist ja nicht zum aushalten

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