Ein Szene-Event geht in die Breite

  • Poseidon wird Schirmherr des Wiener Rathausplatzes: Der Life Ball steht
heuer unter dem Thema "Wasser" - verwässert soll seine Botschaft aber
nicht werden.
    foto: bitesnich

    Poseidon wird Schirmherr des Wiener Rathausplatzes: Der Life Ball steht heuer unter dem Thema "Wasser" - verwässert soll seine Botschaft aber nicht werden.

1993 präsentierte Helmut Zilk der Presse Gery Keszler: "Der macht was Tolles, seid nett zu ihm." - Mit Video

17 Jahre später ist Keszlers Life Ball eine Institution, und der Ballvater braucht längst keine prominenten Fürsprecher mehr.

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Wien - Heute beantwortet Gery Keszler nicht mehr alle Fragen. Schon gar nicht, wenn sie nahelegen, dass jemand plant, aus dem medialen Jubelkanon über den Life Ball auszubrechen: Wer über Keszlers Ball anderes als die Geschichte von der grellen, aufgrund der Toleranzbotschaft, des Safer-Sex-Appells, der Welt-Promis und der Spendensumme großartigen, Aids-Charity-Party erzählen könnte, geht oft ohne Wortspende aus. Offiziell scheitert man dann am Zeitbudget des Ballvaters.

Und Insubordination hat Folgen: An ATV-Societymann Dominic Heinzl exekutierte Keszler heuer vor, was denen blüht, die "falsch" - also differenziert - berichten: Heinzl wurde für den Ball "gesperrt", aber doch pardoniert, als Politiker, Sponsoren und "Medienpartner" intervenierten. Die Bitte des Standard, über Licht und Schatten der Mutation der Szene-Party zu Europas größter Aids-Charity zu plaudern, blieb unerfüllt. Wohl aus Zeitgründen.

Keszler weiß, dass das geht: Laut stellt in Wien niemand den Event infrage. Denn das Ergebnis (jährlich mehr als eine Million Euro für Aidsprojekte, die Toleranz- und Safer-Sex-Botschaften) "stimmt" ja. Und Wien kuschelt gerne: Es tut nicht weh, Sponsoren und Politiker nicht zu irritieren - und wer kooperiert, bekommt bessere Bilder.

Das wusste schon Helmut Zilk. Vor 17 Jahren, erinnert sich WienTourismus-Chef Norbert Kettner, trat Wiens Bürgermeister "mit einem blonden Bürscherl, das kaum einen Satz rausbrachte", vor die Presse und sagte: ",Das ist der Gery Keszler. Der macht was Tolles. Seids nett zu ihm.'" Kettner war damals Redakteur der Kronen Zeitung.

Der Auftrag wurde beherzigt: Die ersten Partys schockierten zwar manch braven Rathausbeamten, doch nicht einmal Michael Jeannée wollte Zilk die Stirn bieten. Er ließ stattdessen 1999 "Anette, eine blutjunge Adabei-Novizin aus München" erblassen: "Mein Gott - so viele Schwule auf einen Haufen! Ist das immer so?"

Doch schon damals war der Ball längst kein "schwuler" Event mehr: Krethi, Plethi und "die hohle Partyszene" (Kettner) kamen in Scharen: "Der Ball lief Gefahr, zur reinen Fleischbeschau zu werden." Kettner, zu der Zeit Sprecher von Wiens damaligem Finanzstadtrat Sepp Rieder und Kassier des Life Balls, erinnert sich: "Wer vor zehn Jahren auf den Ball gespuckt hatte, wollte jetzt dort gesehen werden."

Um den Ball nicht zur belanglosen Porno-Proll-Party verkommen zu lassen, "versuchten wir ab da, intensiv zu kommunizieren, was mit dem Geld passiert." Darüber hinaus halfen Kartenkontingente für die "Community" und Wild-Kostümierte, den Urcharakter zu bewahren.

Doch wer in die Breite geht, muss auch bürgerlicher werden. Sonst verschreckt man Sponsoren und den ORF. Dass heuer Thomas Schäfer-Elmayer eine Balleröffnung beisteuert, gilt als ein solches Zugeständnis: Elmayer schickt 99 Hetero-Debütantenpaare und ein schwules Duo über den Laufsteg. In der "Szene" wird kolportiert, dass dieses Paar in die Eröffnung reklamiert werden musste.

Offiziell klingt es anders, aber auch plausibel. Das Paar, so die Pressemappe, stünde für die Wirklichkeit: Nur ein Prozent der HIV-Infizierten ist homosexuell. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Print-Ausgabe, 16./17.05.2009)

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Habt ihr

konkrete Anhaltspunkte für Negatives auch oder bleibt's bei solchen "Ich weiß was, darf's aber nicht sagen?" - das ist ziemlich tief.

Mit wem vom STANDARD hätte Keszler plaudern sollen?

Mit R.? Das wäre ja reinste Zeitvergeudung...

Herzelichst
Ihr Lappe


P.S. schön, das Stimmchen wieder zu sehen.

Ein Mega-Event zu HIV/AIDS

schafft Verantwortlichkeiten, die weit über das hinausgehen, was ein Gery Keszler als Initiator dieses Events zu verantworten hat. Keine Frage, Gery Keszler hat Großes geleistet, aber jetzt ist seine Überforderung deutlich zu spüren. Daraus kann man ihm keinen Vorwurf machen.

Anpassungen an das Unvermeidliche ("Lauf der Dinge") müssen nicht in vernebelnder politischer Vereinnahmung münden.

Wo sind die Forderungen nach Gleichberechtigung von sexuellen Minderheiten in Österreich? Wieso informiert der Lifeball so unprofessionell zur Ausbreitung von HIV/AIDS in Österreich? Wo bleibt die Kritik an der erbärmlichen Rolle Österreichs an der internationalen HIV/AIDS Unterstützung?

der kleingeistiege mann hat schon seine liebe not

mit dem lifeball,
aber die rechtschristenfundis stehen halt den talibans näher als der aufklärung.

die schickeria hat schon ihre liebe not ohne lifeball

weil es muss immer ein society event her damit anderen geholfen wird.

da hat sich der rechte-krone-mob wieder versammelt

Es soll jeder feiern

wie er mag. Aber diese öffentliche Zuschaustellung eines pornohaften Sexismus ist schon ein bisschen derb.

Außerdem, wann gibt es Krebs-Charity-Parties, an Krebs sterben in Österreich weit mehr Menschen als an Aids..

Machen S'

doch eine.

1.

Einmal hab ich das Geld nicht dazu, und zweitens: Sex Sales! Es würde kein Schwein über Aids pfeifen, hätte es nicht mit Sexualität zu tun. Dass es Krankheiten gibt, die genauso schlimm sind wenn nicht schlimmer, die uns alle treffen können, unabhängig unserer Lebensführung (wobei wir natürlich unsererseits dazu beitragen können), werden ohne das Thema Sex nicht so wahrgenommen, was ich als unfair und heuchlerisch empfinde.

Ziehen Sie ihr Hoserl aus,...

...stellen Sie sich irgendwo hin und sammeln Sie für Krebs. Sex sells, sagten Sie ja selbst. Oder sind wir zu feig?...

Herzelichst
Ihr Lappe

2.

Ich empfehle einige Besuche auf diversen Krebsforen und sich dieser Mischung aus Angst, Hoffnung und Verzweiflung der Betroffenen, der Erkrankten wie ihrer Angehörigen, zu stellen. Oder wie viele Leute gibt es, denen es nicht vor einer kahlköpfigen Frau graust; Freunde, Verwandte und Bekannte, die dann plötzlich ständig beschäftigt sind und so? Ich kenne das, weil meine Mutter hatte Krebs, und seitdem habe ich zum Thema Aids eine sehr distanzierte Haltung. Oder anders gesagt: Vö*le weniger herum, und du ersparst dir einiges. Krebs dagegen kannst du selbst bei der gesundesten Lebensführung bekommen, wenn es z.B. genetisch bedingt ist etc. Aber gerade dieses Thema wird dann allzugerne auf Ärzte und die Betroffenen abgeschoben.

Die Opfer der einen Krankheit gegen die einer anderen auszuspielen ist erbärmlich.

In meiner Familie gab es Krebstote und einen jahrelangen Pflegefall nach einem Schlaganfall. So etwas zehrt an den Nerven und kann ein Familienleben schwer belasten. Aber ich käme trotzdem nie auf die Idee eine Charity-Veranstaltung wie den Life Ball anzugreifen, bloß weil der sich um die Opfer einer anderen Krankheit kümmert.

Es gibt Spendenaktionen und Charities für sehr viele Hilfsorganisationen, vom St. Anna Kinderspital bis lungenhochdruck.at (da war erst vor Kurzem ein sehr gut besuchtes Benefizkonzert mit einem Haufen Austropop-Stars) u.v.a.

Statt den Life Ball zu bekritteln wäre es g'scheiter etwas für die eigenen Anliegen zu unternehmen.

"...stünde für die Wirklichkeit: Nur 1 % der HIV-Inf. ist homosexuell." Wie bitte? Das klingt PLAUSIBEL? Unglaublich wie hier ein Problem verharmlost wird! Schon auf den ersten Blick muß selbst dem durchschnittlich Intelligenten klar sein , dass mit

der Zahl etwas nicht stimmen kann: Bei ~10% Bevölkerungsanteil nur 1% Infizierte?

"2006 erfolgten 28,6 Prozent der Neuinfektionen über über homosexuelle Kontakte".
Ein stolzer Wert, bei, wie gesagt wird, etwa 10% Homosexuellen.
"42 Prozent der Neuinfektionen erfolgten über heterosexuelle Kontakte" - da wären also ~90% für nur 42% verantwortlich. Die Zahlen sind von aids.at, aus dem Jahre 2006. Also nicht allzulang her.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren dass hier ein Riesenproblem der Gay Community massiv verdrängt wird. Das wird bei der Bekämpfung dieser schrecklichen Krankheit keine grosse Hilfe sein.
Schon gar nicht wenn diese gravierende Falschinformation per Medien verbreitet wird.

Rechnet da keiner nach? Unglaublich...

du verwendest die zahlen aus österreich

die meisten infizierten gibt es in länder wo sich niemand als homo- oder bisexuell deklariert, außerdem gibt es sehr viele infizierte kinder, also wird die prozentangabe nicht so falsch sein.

"nicht so falsch" ist angesichts der Problematik etwas ungenau.

"Die Kinder" müsste man seriöserweise rausrechnen. Oder, wenn man nach homo/heterosexuell unterscheidet, unter Berücksichtigung deren sexuellen Ausrichtung mit in die Rechnung nehmen.
Das wird sich dann mit den (geschönten) 1% bestimmt überhaupt nicht mehr ausgehen...

Das alles riecht nach Beschönigung und Verharmlosung. Gibt's da keine seriösen Quellen?

Aber zurück in die hochentwickelten Länder: etwa 10% sind für rund 30% Infizierte verantwortlich (in Ö.) - und das nach Jahrzehnten Aids-Aufklärung!

Warum kriegen die ihr Risikoverhalten nicht und nicht in den Griff?

Verdrängung

schätze ich.

Hetero verhüten auch vornehmlich wegen Gefahr der Schwangerschaft und nicht aus Angst der Ansteckung (was ich so mitbekomme).

Billige Psychologie: Der andere sieht gesund aus, wird schon gesund sein.

Mit diesem Prozentsatz -1% der Infizierten weltweit(!)- hat Keszler auch im Club2 argumentiert.

Nicht alles durcheinander bringen

Die Veranstalter meinten mit den 1% den weltweiten Anteil von MSM (Men who have sex with men) an allen HIV-Infizierten. Aber auch diese Zahl ist falsch (liegt über 5%). Es muss den Veranstaltern klar gemacht werden, dass es kein Argument gibt uns versche*ßern zu müssen. Was wollen die Veranstalter mit Ihren Desinformationen bewirken? Sie erweisen MSM gegenüber einen Bärendienst.

In Österreich sind die Verhältnisse anders, hier sind die meisten neuen Infektionen unter MSM zu finden (ähnlich wie in anderen westeuropäischen Ländern). Der Anteil an Menschen, die sich über Drogenkonsum infizieren ist die kleinste Gruppe geworden, dort war die Prävention wirklich erfolgreich (in Wien nicht ganz so erfolgreich).

Pamela Anderson

"Schauspielerin" :D

HaHa,

ist das etwa irgendsoein Tick vom ORF, dass er überall denn Ellmayer hinschicken muss? ;-)

Ein Foto von der Pressekonferenz mit Zilk und Keszler hätte mich übrigens interessiert!

nein, der dominik heinzl schleust sich undercover als ellmayer ein

Herr Keszler ...

... hat leider vergessen, dass die Gay-Community den Ball anfangs groß gemacht hat, von dem er und einige andere heute sehr, sehr gut den Rest des Jahres leben können. Heute: Herr Keszler würde am liebsten die Gay-Community vergessen! Traurig aber wahr!

interessant,

dass es die sonst ach so "normale" gesellschaft über ein jahr nicht schafft, irgendwelche stars nach wien zu bringen. nur lugner und der "böse" lifeball bringen prominenz in dieses kaff.

Nur Lugner zahlt und die Gäste laufen ihm weg, Keszler nicht, und sie kommen gern.

da werden wieder einige erz-konsis

angefangen von der k...zeitung (man beachte deren lächerliche leserbriefe) was zum geifern haben.... wird ein spaß!!!!

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