Amon für reine Migrantenklassen - Tests mit persönlichen Fragen nur mehr freiwillig
Wien - Für ein neues Aufnahmeverfahren an allgemein bildenden höheren Schulen (AHS) spricht sich ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon aus.Im Standard-Gespräch plädiert er für ein dreiteiliges Verfahren. Erstens sollen wie bisher die Noten der vierten Klasse Volksschule berücksichtigt werden.
Zweitens soll es ein "Prognoseverfahren" geben, mit dem herausgefunden werden soll, welches Potenzial und welche Interessen ein Kind mitbringt. Für dieses Verfahren sollen "wissenschaftliche und entwicklungspädagogische Standards" festgelegt werden. Den konkreten Ablauf sollen laut Amon Experten erarbeiten. Man dürfe sich das Prognoseverfahren aber nicht als reine Prüfungssituation vorstellen, meint der VP-Politiker. Es solle im Rahmen eines "amikalen Gesprächs" zwischen Eltern, Lehrern und Kind ablaufen. Tests seien aber ebenfalls eine Möglichkeit.
Als drittes Aufnahmekriterium möchte Amon eine Evaluierung der Volksschulzeugnisse. Was damit gemeint ist: Mit einer "Iststandserhebung" soll überprüft werden, ob die Noten an den verschiedenen Volksschulen tatsächlich vergleichbar sind. Dafür wurden bereits sogenannte Bildungsstandards definiert. Bei diesem Punkt ist Amon aber vorsichtig, da in dieser Logik die Kinder bestraft würden, die an schlechteren Schulen unterrichtet wurden. Daher müsse es bei diesen Bildungsstandards eine Übergangszeit geben, sagt Amon. Mittelfristig würden sie aber dazu führen, dass das Niveau an schlechten Schulen steige.
Eigene Sprachförderklassen
Die Summe dieser drei Faktoren würde dann darüber entscheiden, welches Kind in eine AHS und welches in eine Hauptschule kommt. Amon glaubt, dass mit seinem Modell die "soziale Selektion" beim Übertritt verhindert würde. Derzeit steht die schulische Karriere in engem Zusammenhang mit der Ausbildung der Eltern.
Erstmals hat der ÖVP-Bildungssprecher mit ähnlichen Vorstellungen bereits 2001 aufhorchen lassen. Als Grund für seinen neuerlichen Vorstoß gibt er an, dass sich die Situation an den AHS - vor allem in den Städten - weiter verschlechtert habe. In den Ballungszentren würden fast alle Kinder - unabhängig von der Eignung - eine AHS besuchen. In den Hauptschulen fänden sich "fast nur noch Schüler der dritten Leistungsgruppe" , eine innere Differenzierung gebe es in den Wiener Hauptschulen beispielsweise fast nicht mehr.
Nicht zuletzt wegen des hohen Migrantenanteils in Wien möchte Amon in der ersten Klasse Volksschule auch die Sprachkenntnisse bei der Feststellung der Schulreife berücksichtigen. Jene Kinder, die zu schlecht Deutsch sprechen, würden dann nach finnischem Vorbild vorerst in eigene Sprachförderklassen mit speziellem Lehrplan kommen. Erst wenn die Sprachkenntnisse besser sind, sollen sie in die Regelklassen integriert werden. "Im angloamerikanischen Raum sind sie bei der Voraussetzung der Unterrichtssprache noch strenger" , sagt Amon. "Das ist nichts Unanständiges."
Und schließlich fordert er eine Gesetzesänderung für das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie). Dieses hatte zuletzt wegen teils sehr persönlicher Fragen bei Pisa-Zusatztests für Aufregung gesorgt. Diese Tests sollen künftig nicht mehr verpflichtend, sondern freiwillig sein, meint Amon. Außerdem solle das Bifie alle Fragen im Internet veröffentlichen. (Günther Oswald, DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.5.2009)