Auf ihrer laufenden Tournee gastierte die US-Band Metallica am Donnerstag in Wien - Im Juni tritt sie beim Nova Rock Festival noch einmal auf
Bis dahin könnte das Stadthallenkonzert verdaut sein.
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Wien - Metallica sind die Macht. Das weiß jeder, nicht nur die 15.000 Besucher der ausverkauften Stadthalle. Darum ist jedes Konzert der US-Band ein Heimspiel. Egal wo. Bei Metallica geht es um nichts, und es geht um alles. Immer. Metallica ist das erfolgreichste Modell der Bestätigungskultur im Pop. Es muss nichts mehr bewiesen werden. Man muss sich nur gut wiederholen. Die Einzigen, die manchmal an sich zweifeln, sind Metallica selbst. Dann verdienen Therapeuten viel Geld, dann werden Dokus gedreht, die Geldsäcke und deren Probleme zeigen. Reichtum schützt nicht vor Peinlichkeit.
Aber wer die Macht hat, übersteht auch das. Metallica tritt als gut geölte Maschine vor einem gut geölten Publikum auf. Bier ist unser Gemüse!Metallica ist ein brutales und muskelbepacktes, gänzlich unlockeres Monster weit jenseits der vierzig. Es besteht aus Lars Ulrich (Schlagzeug), James Hetfield (Rhythmusgitarre), Kirk Hammett (Lead-Gitarre) und Robert Trujillo am Bass. Aufgetreten wird in der Saalmitte. Hetfield breitbeinig wie immer. Früher hat er öfter gespuckt, heute hält er Zwischenansagen bezüglich des familiären Verhältnisses zwischen Band und Fans:"Wir sind alle eine große Familie!" Ja, eh. Du mich auch, und einen Arschtritt für den Therapeuten gratis dazu!
Aber Zeit zum Denken bleibt nicht. Es ist zu viel los. Dauernd. Die Lichtshow ist geil, die Soli schrill, die Sprüche - alt: "You want heavy? Metallica give you heavy!" Trujillo trägt weiße Socken. Ulrich bekommt am Hinterkopf eine Glatze. Der Therapeut hat schon Dollarzeichen in den Augen. Hetfield hetzt wie ein noch nicht abgerichteter Hund zwischen den vielen auf der Bühne bereitgestellten Mikros hin und her. Da wie dort bellt er rein, dann und wann spuckt die Bühne Feuer. Das taugt dem Saal. Er streckt die Hand nach oben. Satan oder die Krise sollen ruhig kommen: Fight Fire With Fire. Oder so. Was meint Pfarrer Hetfield?"In guten wie in schlechten Zeiten!" Amen.
Begonnen wird die Show mit That Was Just Your Life, beendet wird sie mit Seek And Destroy. Das weiß man seit Wochen. Die Setlists aller Konzerte stehen jeweils kurz nach den Shows im Internet. Ein paar Variationen, ein paar Coverversionen, ansonsten immer dieselben Songs.
Stelzen in den Ohren
18 Stück sind es an diesem Abend, diese dauern gefühlte fünf Stunden. Schon nach sechs, sieben Wälzern ist man so voll wie nach drei Stelzen im Schweizerhaus. Stelzen mit den Ohren gegessen. Metallica sind nicht nur die erfolgreichste Metalband der Welt, sie sind auch die üppigste. Und das gleichermaßen ehrliche wie pflichtschuldige Publikum lässt sich dankbar mästen: "Sing along!", befiehlt Hetfield. "Hey! Hey! Hey! Hey! Hey!" müht sich der Saal ab. Das ist zwar nicht der Text, aber das ist unter Freunden egal. Nur bei langsamen Passagen geht sich das mit dem Mitsingen aus. Andere verschnaufen da lieber, zücken das Handy, machen ein paar Fotos. "Des packst net!", "Urgeil!" Alles richtig, alles falsch.
Hin und wieder senken sich vier riesige, in Sargform gehaltene Beleuchtungskörper über die Bühne. Das erinnert an das aktuelle Album der Band: Magnetic Death. Darum heißt die aktuelle Tour World Magnetic. Irgendwann kommen endlich quasi die Hymnen der Band: Master Of Puppets, ein paar Songs später Enter Sandman. Der Saal jubiliert, Hetfields Großfamilienfantasien scheinen sich zu bestätigen. "Heavy" wird dankbar empfangen.
Zwei Songs versäumt man. Klopause, Bier holen. Am Häusl und an den Bars ungeduldige Fans. Alle benötigen eine Leerung, alle eine weitere Füllung. Keiner will was versäumen. Dann ist es aus. Schade, aber höchste Zeit. Am Weg in die Stadthalle hat es sich wegen der Strache-Demonstrationen gestaut, nach dem Konzert staut es sich am Merchandise-Stand. Ein Metallica-T-Shirt kostet 30 Euro. Alles schon wurscht. (Karl Fluch, DER STANDARD/Printausgabe, 16./17.05.2009)