Pferde, Postbusse, Performances

17. März 2003, 19:11
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Eine Postgarage im Grazer Bezirk Gries mutiert zur Kunsthalle

Graz - Der Grazer Bezirk Gries, einst ein vom anderen Murufer aus wenig repräsentatives Arbeiter- und Rotlichtviertel, wurde in den letzten Jahren zusehends herausgeputzt. Alte halb verfallene Häuser oder verwilderte Parks wurden aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst und es wurde Platz für neue Wohnungen geschaffen. Das desolate "Bad zur Sonne" wurde von einer Ruine in ein wieder belebtes und beliebtes Hallenbad verwandelt, das bei Schönwetter sein Dach öffnet wie ein Cabrio. Galerien und Lokale, Studenten, Migranten und Künstler siedelten sich auch nach und nach hier an.

Postgarage als Galerie

Eine zur Jahrhundertwende als Artillerie-Reitschule erbaute Halle, die lange als Postgarage diente, stand in den letzten Jahren trotz ihrer Größe eher unbeachtet neben dem Rösselmühlpark im Viertel herum. Jetzt gesellt sie sich zur Gruppe der Reanimationsprojekte im Gries. Allerdings mit dem großen Unterschied, dass die "Kunsthalle Gries", die vom Architekten und künftigen Hallenbetreiber Günter Brodtrager als multifunktioneller Veranstaltungsraum konzipiert wurde und Platz für 500 Menschen bieten soll, zur Gänze aus privaten Mitteln finanziert wurde.

Am kommenden Freitag wird die Halle, die für Musik, Tanz, Theater, Kabarett und Ausstellungen angemietet werden kann, mit Konzerten und DJs eröffnet. Dass der Standort in der Dreihackengasse bereits ein Fixstern der Grazer Kunstszene ist, dafür sorgen seit über einem Jahr die beiden kochenden Künstlerinnen Sabina Hörtner und Christine Wassermann, deren amerikanische Juicebar "Celery's" der Halle vorgelagert ist. Mit vegetarischen Mittagsmenüs und nächtlichen Kulturveranstaltungen mit - zum Viertel passenden - teils multikulturellen Schwerpunkten haben sie erfolgreich künstlerisch-kulinarische Pionierarbeit geleistet.

Diagonale weiht ein

Drei Tage nach der Eröffnung der neuen alten Halle parkt sich der erste kulturelle Großevent vorübergehend in der ehemaligen Garage ein: Vom 24. bis 29. März wird hier die Nightline des Filmfestivals Diagonale über die Leinwand flimmern. Damit dürfte sich der Raum relativ schnell als neue Location etablieren. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.3.2003)

Von Colette M. Schmidt
  • Die ehemalige Artillerie-Reitschule wurde nun zur schicken "Kunsthalle Gries": Die Nightline der Diagonale eröffnet dort am 24. März.
    foto: brodtrager & partner

    Die ehemalige Artillerie-Reitschule wurde nun zur schicken "Kunsthalle Gries": Die Nightline der Diagonale eröffnet dort am 24. März.

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