Bei Krieg droht Rezession in EU

17. März 2003, 19:14
22 Postings

Europas lendenlahme Wirtschaft wird vom bevorstehenden Krieg aus der Bahn geworfen - Der Stabilitätspakt ist gefährdet

Durch den Irakkrieg wird das ohnehin schwache Wachstum in der Eurozone weiter gedämpft. Es droht eine Rezession, in der Folge käme es zu Eingriffen in den Stabilitätspakt.

***

Der Krieg im Irak könnte die europäische Wirtschaft in eine Rezession stürzen. Dies geht aus dem am Montag in Brüssel veröffentlichten Vierteljahresbericht der EU-Kommission über die Eurozone hervor, in dem sich eine eingehende Analyse möglicher Kriegsfolgen findet. Nicht mehr ausgeschlossen wird ein Rückgang des Wirtschaftswachstums. Das könnte nachhaltige Folgen für den Stabilitätspakt und seine Defizitgrenzen mit sich bringen.

Flexibler Stabilitätspakt

Noch will man in der Kommission nichts von einer Aufweichung des Stabilitätspakts wissen, aber "wir müssen in diesem Fall den Stabilitätspakt flexibler anwenden, wie dies für außergewöhnliche Fälle im Pakt ohnedies vorgesehen ist", erklärte Gerassimos Thomas, Sprecher von EU-Währungskommissar Pedro Solbes Mira, Montag im Gespräch mit dem STANDARD.

Die Frage wird diese Woche die EU-Finanzminister und die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Frühjahrsgipfel beschäftigen. Sie überlagert das eigentliche Gipfelthema, die Überprüfung der so genannten Lissabon-Strategie, wonach die EU bis 2010 zum wettbewerbsstärksten Wirtschaftsraum der Welt werden soll.

Verflachendes Wachstum

In der Analyse aus dem EU- Währungskommissariat musste die Wachstumsprognose von derzeit rund einem Prozent für das laufende Jahr nochmals um 0,3 oder 0,4 Prozent nach unten revidiert werden. In ihrer Herbstprognose war die EU-Kommission noch von einer Wachstumsrate von durchschnittlich 1,8 Prozent für 2003 ausgegangen. Für den Fall eines Irakkriegs hat die EU-Kommission zwei Szenarien erstellt: Sollte der Krieg nur kurz dauern und der Ölpreis um 50 Prozent steigen, werde der Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung begrenzt sein. Verdopple sich der Ölpreis dagegen im ersten Halbjahr bei gleichzeitig weiter sinkendem Verbrauchervertrauen und mangelnder Investitionsbereitschaft der Industrie, könnte sich das Wachstum um 0,3 Prozent oder mehr abflachen.

Damit würde die Wirtschaft schrumpfen, denn für den Euroraum wird nach der vergangene Woche revidierten Prognose des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) derzeit nur noch ein Wachstum von einem Prozent erwartet.

Zinssenkungen möglich

Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte auf einen Einbruch des Vertrauens von Verbrauchern und Unternehmen durch einen Irakkrieg laut Aussagen von EU-Währungskommissar Pedro Solbes mit Zinssenkungen reagieren. Die Preissteigerungsrate befinde sich im Abwärtstrend und lasse den Währungshütern Bewegungsspielraum, der genützt werden sollte. Die EZB hat Anfang März ihren Schlüsselzinssatz um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent reduziert. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 18.3.2003)

Von Katharina Krawagna-Pfeifer aus Brüssel
  • Artikelbild
    montage: derstandard.at
Share if you care.