"Manager dürfen keine Roboter sein"

17. März 2003, 13:59
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Er kann sich in Österreich ein Netzwerk für junge Führungskräfte durchaus vorstellen, sagt Reinhard Möseneder (42), ab April neuer Generaldirektor von Colgate Palmolive für die Länder Österreich und Schweiz - Der gebürtige Steirer will künftig das "Networking" in den heimischen Chefetagen verstärkt ankurbeln

Als Jugendlicher wollte er nach Südafrika auswandern. "Ferne Länder haben mich schon immer fasziniert", sagt Reinhard Möseneder heute. Doch dann entdeckte er seine Liebe zu Griechenland und machte dort zehn Jahre lang Urlaub - kreuz und quer auf allen Inseln. Daneben arbeitete er an seiner Karriere: Zunächst organisierte der Steirer, damals noch Student, Clubbings "à la Jagerhofer" für Studenten in Graz.

Etwas später wurde er Assistent der Geschäftsführung der "Gesellschaft für Unternehmensberatung und Marketing" in Wien und arbeitete an Beratungsprojekten mit. "Damals entdeckte ich, dass die meisten Fehler in Unternehmen durch zu wenig oder durch schlechte Kommunikation entstehen", erzählt er heute.

Wasser kochen - aber strukturiert

Möseneder spezialisiert sich in der Folge auf Vertriebssteuerungsprojekte, ist technisch in den frühen 80er-Jahren immer auf dem neuesten Stand und beginnt 1990 seine Laufbahn im Markenartikelsegment bei Procter & Gamble. "Dort habe ich gesehen, dass die Amerikaner auch nur mit Wasser kochen - dafür aber viel strukturierter als wir Europäer." Reinhard Möseneder arbeitet sich schließlich bis zum District Manager hinauf und wechselt nach fünf Jahren zu Bic Ballograf als Marketing-und Verkaufsdirektor. Dort war er für die Weiterentwicklung der Marke Bic zuständig: In dieser Zeit machte er unter anderem den Bic-Einwegrasierer zum Marktführer in Österreich.

Nach eineinhalb Jahren ging es dann weiter zu Henkel Austria als Marketing & Verkaufsdirektor, und Möseneder zeichnete für den Merger zwischen Schwarzkopf und Henkel verantwortlich. Im Jahr 2000 wurde er schließlich Verkaufsleiter für die Kosmetiksparte in Zentral- und Osteuropa. Seit vergangenem Jahr war er außerdem noch für den ungarischen Markt verantwortlich. Zu den Hauptaufgaben eines Managers zählt für ihn vor allem, "eine Mannschaft begeistern zu können und zu motivieren".

Menschlichkeit

"Ein Chef muss eine gute Basis schaffen können, damit er dann die richtigen Rahmenbedingungen für ein gut funktionierendes Unternehmen schafft", sagt Möseneder. Und schließt an: "Menschlichkeit ist sehr wichtig. Der Mitarbeiter muss spüren, dass der Chef ihn unterstützt."

Sein Ziel für die neue Herausforderung: "Die Kompetenz von Colgate, weltweit die Nummer Eins in der Mundpflege", mehr in das Bewusstsein der österreichischen Konsumenten zu implementieren. - "Wußten sie das Colgate 1896 weltweit die erste Zahnpasta in Tuben war?" Außerdem will der Steirer ein Netzwerk für junge Führungskräfte in Österreich organisieren: "Eine Plattform, wo sich die 35- bis 40-Jährigen finden und sich über Märkte und Trends unterhalten können." Oder aber über Auslandserfahrungen plaudern.

"Da kann ich eigene Erfahrungen einbringen und anderen Kollegen vielleicht sogar in ihrer künftigen Position helfen." Denn wer im Ausland Karriere machen will, muss sich auf den dortigen Märkten erst einmal zurechtfinden. Wichtig ist für ihn vor allem eines: "Manager dürfen keine Roboter sein. Sie müssen ein gewisses Maß an Menschlichkeit bewahren und das Unternehmen auf den rechten Weg bringen." (DER STANDARD, Printausgabe, 15.3.2003, Judith Grohmann)

  • Reinhard Möseneder, neuer General von Colgate Palmolive: "Ein Chef muss eine gute Basis schaffen können, damit er dann die richtigen Rahmenbedingungen für ein gut funktionierendes Unternehmen schafft"
    foto: cremer

    Reinhard Möseneder, neuer General von Colgate Palmolive: "Ein Chef muss eine gute Basis schaffen können, damit er dann die richtigen Rahmenbedingungen für ein gut funktionierendes Unternehmen schafft"

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