Miriam Rauscher, Alexandra Kröpfl

"Es ist nicht schwer, Vorurteile gegen die EU zu verstärken!"

13. Mai 2009, 21:46

Dr. Hans Winkler, Ex-Staatssekretär und Diplomat, über die Stimmung zur EU und deren Auswirkung auf die Bevölkerung.

Ist die „Kronen Zeitung" an der EU-Skepsis in Österreich mit schuld?

Winkler: Wenn jeder, der eine gewisse Kritik gegenüber der EU hat gleich ein Skeptiker ist, dann ist eigentlich jeder einer. Es sind die klassischen 25 Prozent welche die EU generell ablehnen. Natürlich hat die „Kronen Zeitung" einen sehr unglücklichen Einfluss, nämlich deswegen weil sie Klischees verstärkt. Doch direkt „schuld" ist niemand. Jeder bildet sich durch verschiedene Quellen seine Meinung.
Doch wenn ich jeden Tag höre, dass die EU nichts anderes im Sinn hat, als meine Situation zu verschlechtern und uns unsere Unabhängigkeit zu nehmen, beeinflusst mich das natürlich.
Wenn es heißt, die Kommission will uns schon wieder was aufs Auge drücken, dann fehlen die Grundvoraussetzungen, nämlich die Fakten über die EU. Die EU-Kommission entscheidet nämlich gar nichts.

Warum wird die EU der Bevölkerung nicht näher gebracht?

Winkler: Man erwartet von der EU offensichtlich viel mehr und ganz was anderes als in jedem anderen Lebensbereich. Wer kennt sich heutzutage schon aus, wie unser Staat funktioniert oder wie ein Gesetz entsteht, doch niemand beklagt diese Dinge. Ich als Bürger akzeptiere aber eine Sache nur, wenn ich sie genau verstehe.
Natürlich ist es die Aufgabe der Politik, aber auch der Wissenschaft, der Universitäten und der Schulen, Wissen über die EU zu vermitteln. Der Mensch muss sich jedoch dafür interessieren, denn nur so kann Wissen angebracht werden. Es ist teilweise eine „Hol- und Bringschuld"!

Was sind die Gründe für diese Skepsis?

Winkler: Oft wird die EU für Dinge verantwortlich gemacht, für welche sie gar nicht zuständig ist. Ein Beispiel dafür ist der Gasstreit in Russland. Viele haben allein deswegen eine negative Einstellung zur Europäischen Union.

Was kann man also machen, um diese Menschen von der EU zu überzeugen?

Winkler: Wenn ich das wüsste, hätte ich den „Stein der Weißen" schon gefunden. Leider kann man die Jugend nur schwer erreichen, besonders Lehrlinge oder ältere Schüler. Ich denke aber, dass Lehrer die Kinder bzw. Jugendlichen mehr aufklären, mit ihnen Diskussionen führen und ihnen die Skepsis nehmen sollten. Die fehlende Information ist das Problem. (Miriam Rauscher, Alexandra Kröpfl)

Kid "Kongo" Powers
00
27.7.2009, 15:02
Was kann man also machen, um diese Menschen von der EU zu überzeugen?

Gar nicht. Diese Chance wurde dilletantisch vergeigt. Für immer.

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