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Liebe Leserinnen und Leser, sehr geehrte Wissenschafterinnen und Wissenschafter! In den vergangenen Tagen gab es eine Vielzahl an Reaktionen, in denen meine Entscheidung, mit Ende 2010 die Mitgliedschaft beim Cern nicht mehr zu verlängern, positiv wie auch negativ kommentiert wurde. Erlauben Sie mir, mich auf diesem Wege an Sie zu wenden und meine Beweggründe kurz und klar darzustellen:
1. Die wissenschaftliche Bedeutung des Cern für einen Teil der Physik - die Kern- und Teilchenphysik - ist mir bewusst, und ich habe vor ihren vielfältigen, exzellenten wissenschaftlichen Publikationen in der Vergangenheit hohen Respekt. Österreich hatte daran Anteil, und seit Gründung dieser Organisation wurden mehr als 550 Millionen Euro als Zeichen der Solidarität in Europa und der Völkerverständigung - eines der Motive zur Gründung des Europäischen Kernforschungszentrums - von Österreich investiert.
2. Mitgliedschaften in internationalen wissenschaftlichen Organisationen wie dem Cern sind keine "Zwangsehen". Sie unterliegen sachlichen und politischen Überlegungen, die jedes Land für sich selbst anstellen muss. Eine kontinuierliche Fortschreibung von eingegangenen Verpflichtungen - nur um der Verpflichtung willen - ist der Tod jeder Erneuerung. Europa benötigt dringend eine Erneuerung hinsichtlich seiner Wettbewerbsfähigkeit und seiner Strahlkraft in Wissenschaft und Forschung gegenüber den USA und Asien.
3. Diese Erneuerung findet durch die im Jahr 2007 beschlossene "European Roadmap" statt. In ihr sind mehr als 35 wissenschaftliche Großprojekte aufgelistet, die diese Strahlkraft Europas stärken. Bei zahlreichen dieser Großprojekte gibt es nun die Chance, die österreichische Forschungslandschaft zu verankern, um so unseren Beitrag für eine "Partnerschaft für Europa" zu leisten. Damit setzt Österreich ein wichtiges Signal für künftigen Wohlstand, Solidarität und Sicherheit in und für Europa - aber auch in und für Österreich. Viele dieser Projekte haben maßgeblichen, direkten Einfluss auf unser Land und die Österreicherinnen und Österreicher. Darunter etwa das Projekt von Biobanken mit Gewebeproben, das von österreichischer Seite aus koordiniert wird.
4. Durch eine bloße Politik der Fortschreibung wären all diese Erneuerungen zum Wohlstand Europas gefährdet, weil die finanzielle Belastbarkeit der öffentlichen Haushalte durch die Wirtschafts- und Finanzkrise begrenzt ist. Eine verantwortungsvolle Politik zum Wohle Österreichs und zur Stärkung des Forschungs- und Wissenschaftsstandortes verlangt auch "einschneidende" Entscheidungen. 70 Prozent der mir zur Verfügung stehenden Mittel für Beteiligungen an internationalen Organisationen sind durch die Mitgliedschaft bei einer Organisation - dem Cern - gebunden. Mit den frei werdenden Mitteln eröffnen sich neue Perspektiven und Chancen für Österreich, seine Forscherinnen und Forscher!
5. Der Ausstieg beim Europäischen Kernforschungszentrum Cern bedeutet nicht, dass es zu einem Kahlschlag in der Physik kommt. An Österreichs Hochschulen und Forschungseinrichtungen wird weiterhin an weltweit führender Stelle geforscht: in Innsbruck in der Astro-, Astroteilchen- und Quantenphysik, in Linz in der Halbleiter- und Festkörperphysik, in Wien in der Quanten-, Neutronen-, Material- und Astrophysik, in Graz in der Sonnen- und Biophysik und in Leoben in der Materialphysik - sowohl experimentell als auch theoretisch. Sie sehen, die Teilchenphysik ist wirklich nur ein Teil der Physik und wird, da Cern ja auch nur ein Teil der Teilchenphysik ist, nicht komplett aufgegeben! Unter anderem werden weiterhin Mittel für Programme für Dissertantinnen und Dissertanten am Cern zur Verfügung stehen. Damit und mit einer Ausweitung der Programme auf andere europäische Einrichtungen sichern wir, dass der heimische Forschungsnachwuchs auch künftig auf höchstem Niveau Erfahrungen sammeln kann.
6. Meine Entscheidung, die österreichische Cern-Mitgliedschaft auslaufen zu lassen, beruht auf dieser notwendigen Abwägung, die ich als Minister getroffen habe. Nun gilt es, die neuen Chancen im Bereich der europäischen Forschungsinfrastrukturen gemeinsam zu nutzen - dazu lade ich alle Wissenschafterinnen und Wissenschafter herzlich ein!
Ihr Johannes Hahn
(DER STANDARD, Printausgabe, 14. 5. 2009)
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An dieser Stelle auch noch mal...
kennt irgendjemand eine etwas detailliertere aufgliederung des budgets für wissenschaft und forschung?
ich finde auf der website des bmf für forschung und wissenschaft ca. 4 Mrd total. da wären ja ca. 30 Mio für internationale forschungsprojekte sowieso nicht viel.
ich möchte mal die cern-debatte als anlass für eine grundsätzliche betrachtung nehmen:
es geht hier um einen sehr kleinen budgetposten. mit verhältnismäßig deutlichen prognosen, was eine kürzung/streichung/erhöhung bedeuten würde.
und dennoch wird kaum vernünftig argumentiert, sondern wild gestritten, bestehende positionen verteidigt, alternativen abgelehnt bzw nicht angedacht...
ich frage mich, wie es erst zugehen wird, wenn (um den staat fit für die nächsten jahrzehnte zu machen) es um die wirklich großen und schwierigen themen geht: pensionen, verwaltung, bildung, usw. usf.
wenn dann nicht ALLE beteiligten plötzlich wie erwachsene und vernünftige leute agieren, wird sich herausstellen, dass dieses land unregierbar ist!
sachlich betrachtet - ein projekt in das 550 mio euro investiert wurde und kurz vor der fertigstellung ist, soll wegen angedachter anderer kleiner projekte und der summe von 20 mio (3,7% der bereits investierten summe) gestoppt werden .. hahn, bitte zurücktreten!
"Mitgliedschaften in internationalen wissenschaftlichen Organisationen .. unterliegen sachlichen und politischen Überlegungen, .."
da wird aber bei jeder sponsion etwas anderes gelobt, die wissenschaft ist den menschen verpflichtet und nicht politischen überlegungen .. hahn, bitte zurücktreten!
der rest ist blabla und das gejammere, dass er selber das budget für internationale kooperation so niedrig angesetzt hat .. hahn, bitte zurücktreten!
Ein Eurofighter kostet 43000 Euro pro Flugstunde.
Für die effektiven 10 Millionen Mitgliedsbeitrag könnten also alle 15 Flieger für immerhin knappe 15 Stunden in der Luft bleiben!!!
Sehr schön bis hierhin. Da die Flugzeuge mangels technischer Ausrüstung anscheinend ohnehin nur fliegen und beobachten können schlage ich weiterhin als neues Projekt vor, doch die Eurofighter in diesen 15 Stunden nach dem Higgs Teilchen suchen zu lassen. Dies ist gleich teuer und hat bestimmt gleichermaßen Aussicht auf Erfolg als die Suche am CERN. Eine handfeste Argumentation, nicht wahr Herr Hahn?
Die Kritik geht an die Falsche Adresse. Hahn ist nicht für die Eurofighter verantwortlich.
Wir sollen den Finanzminister auffordern, die Schenkungssteuer und Erbschaftssteuer wieder einzuführen, die Reichensteuer einzuführen, die Höchstbeitragsgrundlage für die Sozialversicherung anzuheben und den CERN-Ausstieg abzusagen!
Ich bin der Meinung, dass hier wieder mal nicht nachgedacht wurde über die entstehenden Konsequenzen für Österreich! Wie kann man nur solch eine Eintscheidung fällen ohne nur auch einen gewissen Schimmer von der Thematik zu haben? Und eventuelle "Light Mitgliedschaften" kann sich Österreich abschminken, wer grlauben wir denn wer wir sind? Eine absolute Frechheit das Leute wie Herr Hahn in solche Ämter kommen und und dann Entscheidungen treffen, die sie versuchen mit fadenscheinigen Ausreden zu begründen!
alleine die diskussionen hier und die kommentare in internationalen zeitungen deuten nicht auf eine positive bewertung des wissenschaftstandorts oesterreich hin.
wir zahlen 16mio und bekommen viel (ca. 50-70%) in form von gehaeltern, koorperationen (medaustron) und steuern (uniqa) zurueck.
bei einem wissenschaftsbudget von 1.2 milliarden kann sich eine der reichsten nationen der welt keine 5-8mio tatsaechliche kosten leisten? das kann ich nicht glauben.
ja, es gibt neue forschungsfelder und hr. hahn als minister muss versuchen dafuer mehr budget zu bekommen. hr. hahn offensichtlich sind sie eine fehlbesetzung in ihrem job.
Wenn die Bewertung des Wissenschaftsstandords Österreich hier und anderswo darüber erfolgt, ob morgen noch dasselbe gefördert wird wie heute und wenn Nein dann schlecht - dann deutet das für mich auf hohe Strukturkonservativität. Und das im Namen der Zukunft. Leute, ihr seid's gestrig!
die werden genauso anhand von fakten bewertet, wie es mit wirtschaftsförderungen aussieht, wie das lohnniveau ist, wie die ausbildung der bevölkerung ist, usw. usw. ..
genauso ist es in der wissenschaft, da gibt es halt andere fakten, die zählen - forschungsprojekte einfach so wegen vorgezogener fadenscheiniger "begründungen" zu beenden und nicht mehr zu unterstützen ist mit garantie kein pluspunkt .. wie vertrauenswürdig ist österreich in sachen forschung, wenn wissenschaftliche entscheidungen politisch motiviert sind?
und an die wissenschaftlerInnen denken sie überhaupt nicht, ob die noch vertrauen in den staat haben, der sie von heute auf morgen aufs trockene setzt? die werden "auf wiedersehen" sagen ..
Damit sie noch wächst:
http://sos.teilchen.at/petition/
Unterzeichnet! Jetzt!
... nicht den sinn bei cern zu bleiben.
hahn hat vollkommen recht - es gibt genügend neue projekte, wo wir einen fuss hineinbekommen müssen.
vielfalt statt einfalt - cern wurde lang genug unterstützt.
hier ist das typische österreichische verhalten zu sehen - einmal an den trögen des wohlstandes, will sie keiner mehr aufgeben.
pfui - kann ich da nur sagen.
Und bei den neuen Projekten wollen Sie dann auch jahrelang einzahlen und wenn die Ernte kommt aussteigen? Das BMWF hat allein dieses Jahr 50 Mio mehr nur für Forschung... da können Sie ein paar neue Sachen machen ohne das Cern aufzugeben. "Tröge des Wohlstands" halte ich für eine unkorrektes Totschlagargument.
ich hab ein beschränktes budget und will es nicht für ein gemeinschaftliches großprojekt opfern, in dem österreich nicht platzhirsch spielen kann. und anstatt mehr budget zu fordern, verhalte ich mich selbst wie ein kleines rädchen im getriebe.
Er hat aber recht. Ich unterstelle hier im Gegensatz zu den meissten Postern dass mit dem Geld tatsächlich neue Wissenschaftsbereiche eröffnet werden und es nicht "verschwindet". Und dann gilt: besser vorne dabei in einem neuen aufstrebenden Bereich als ein lange beackertes Feld noch vertiefen.
Forschung hat mit Entdeckung zu tun, Suche nach Neuem. Die Teilchenphysik ist schon so etabliert, wenn eine Firma da etwas braucht kann sie Forschungsergebnisse aufgreifen bzw. ggf. weitere Forschungen sponsoeren. Wichtiger ist es, neuen, noch völlig unerschlossenen Bereichen auf die Beine zu helfen.
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