Hahn wehrt sich: "Keine Zwangsehe"

13. Mai 2009, 16:23
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Offener Brief des Wissenschaftsministers veröffentlicht

Wien - Mitgliedschaften in internationalen wissenschaftlichen Organisationen wie dem Europäischen Kernforschungszentrum CERN sind für Wissenschaftsminister Johannes Hahn keine "Zwangsehen". Sie würden sachlichen und politischen Überlegungen unterliegen, die jedes Land für sich selbst anstellen müsse, schreibt Hahn in einem am Mittwoch veröffentlichten Offenen Brief, in dem er über seine Beweggründe für den Ausstieg Österreichs aus dem CERN informiert.

Hahn betont, dass ihm die wissenschaftliche Bedeutung des CERN "für einen Teil der Physik - die Kern- und Teilchenphysik" bewusst sei und er "hohen Respekt" vor den vielfältigen, exzellenten wissenschaftlichen Publikationen in der Vergangenheit habe. Seit Gründung des CERN habe Österreich mehr als 550 Mio. Euro "als Zeichen der Solidarität in Europa und der Völkerverständigung" investiert.

"Tod jeder Erneuerung"

Allerdings wäre "eine kontinuierliche Fortschreibung von eingegangenen Verpflichtungen - nur um der Verpflichtung willen - der Tod jeder Erneuerung", betonte Hahn, für den Europa dringend eine Erneuerung hinsichtlich seiner Wettbewerbsfähigkeit und seiner Strahlkraft in Wissenschaft und Forschung gegenüber den USA und Asien benötigt. Diese würde durch die im Jahr 2007 beschlossene "European Roadmap" stattfinden, in der mehr als 35 wissenschaftliche Großprojekte aufgelistet sind. Bei zahlreichen davon gebe es die Chance, "die österreichische Forschungslandschaft zu verankern".

"Durch eine bloße Politik der Fortschreibung wären all diese Erneuerungen zum Wohlstand Europas gefährdet, weil die finanzielle Belastbarkeit der öffentlichen Haushalte durch die Wirtschafts- und Finanzkrise begrenzt ist", begründet Hahn seine "einschneidende" Entscheidung, aus dem CERN auszutreten. Zudem betont der Minister, dass der Ausstieg nicht bedeute, "dass es zu einem Kahlschlag in der Physik kommt".

In Österreich werde weiterhin an weltweit führender Stelle geforscht: in Innsbruck in der Astro-, Astroteilchen- und Quantenphysik, in Linz in der Halbleiter- und Festkörperphysik, in Wien in der Quanten-, Neutronen-, Material- und Astrophysik, in Graz in der Sonnen- und Biophysik und in Leoben in der Materialphysik. Und auch die Teilchenphysik werde "nicht komplett aufgegeben": So stünden weiterhin Mittel für Dissertanten-Programme am CERN zur Verfügung, betonte der Minister. (APA/red)

 

 

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    Wissenschaftsminister Hahn wirbt um Verständnis für seine vielkritisierte Entscheidung.

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