Ist Fingerknacken wirklich schädlich?

  • Das Überdehnen der Gelenke durch Ziehen an Fingern und Zehen ...
    foto derstandard.at/schersch

    Das Überdehnen der Gelenke durch Ziehen an Fingern und Zehen ...

  • ... oder das
Durchdrücken der Fingergelenke wird oft von knackenden Geräuschen
begleitet
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    ... oder das Durchdrücken der Fingergelenke wird oft von knackenden Geräuschen begleitet

Knackende Erlösung, die bei vielen Menschen Gänsehaut erzeugt

derStandard.at-User Bernd Zeh fragt: Warum knacksen Finger, wenn man daran zieht und das nur einmal?

Mit den Fingern zu knacken macht vielen Menschen Spaß, einige scheinen geradezu süchtig danach zu sein - diverse Einträge in Internet-Foren bestätigen das. Anderen bereitet das grauenhafte Hobby Gänsehaut und sie werden davon nahezu in den Wahnsinn getrieben. Doch sollten die Fingerknacker besorgt sein? Kann übermäßiges Knacken womöglich schädlich für die Gelenke sein?

Unwillkürliches und absichtliches Knacken

Grundsätzlich muss man zwei Formen von Gelenkeknacken unterscheiden: das altersbedingte und das absichtliche. Im ersten Fall geben die Gelenke unwillkürlich Geräusche von sich, was mit dem Alter zunimmt. Die Geräusche können auf einen zunehmenden Gelenkverschleiß oder Ablagerungen hindeuten. Dieses ist unbedenklich, solange es nicht mit Schmerzen verbunden ist. 

Was aber hier im Mittelpunkt steht, ist das absichtliche Knacken lassen. Das Überdehnen der Gelenke durch Ziehen an Fingern und Zehen oder das Durchdrücken der Fingergelenke wird oft von knackenden Geräuschen begleitet. Viele haben geradezu einen innerlichen Drang nach dem befreienden Geräusch.

Gelöstes Gas entweicht

Was nun genau das Knacken von Gelenken auslöst, ist nicht vollständig geklärt. Einer der häufigsten Erklärungsansätze geht auf die Gelenksflüssigkeit zurück. Jedes Gelenk ist in eine Kapsel eingebettet, die mit einer Flüssigkeit gefüllt ist. Diese ist dafür verantwortlich, dass das Gelenk bei Bewegungen reibungslos gleitet, außerdem versorgt sie den Gelenkknorpel mit Nährstoffen. In der Flüssigkeit ist außerdem Gas gelöst. Beim Ziehen oder Durchdrücken von Gelenken sinkt der Druck in der Gelenkkapsel ab. Dieser Unterdruck führt dazu, dass die in der Gelenkschmiere gelösten Gase freigesetzt werden und entweichen. Dabei wird ein knackendes Geräusch erzeugt. 

Es dauert eine Weile, bis die Gaskonzentration in der Gelenksflüssigkeit wieder ansteigt und der Vorgang wiederholt werden kann. Auch Veränderungen der Knorpelschicht im Gelenk, etwa durch Unebenheiten in der Oberfläche oder durch Risse sind als mögliche Verursacher denkbar.

Schädlich oder harmlos?

Ob das Knacken nun für die Gelenke schädlich ist oder nicht, sehen Experten differenziert. Der Grundtenor bewegt sich zwischen "harmlos" und "nicht empfehlenswert". Gicht, Rheuma oder Arthrose muss jedenfalls niemand befürchten, der gern mit den Fingern knackt, auch wenn es von Knack-Gegnern gerne als Argument zur Unterlassung verwendet wird. In den meisten Fällen sind die Geräusche eine natürliche Verschleißerscheinungen von Knorpeln und Knochen. Wer allerdings ständig mit den Fingern knackt, überdehnt und schädigt damit langfristig seine Gelenke, warnen Rheumatologen, da das ständige Geknacke unnötig die Gelenke strapaziert. Ab und zu mal knacken lassen ist ungefährlich, Dauerknacker sollten sich diesen Tick aber lieber abgewöhnen. (Ursula Schersch, derStandard.at, 14.05.2009)

Journal of the American Osteopathic Association

Joint cracking and popping: Understanding noises that accompany articular release

 

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