Am Sonntag wollen 5.000 Geistliche für Unterstützung der Militäroffensive werben
Islamabad - Gemäßigte
muslimische Geistliche in Pakistan haben zur Unterstützung der Regierung im
Kampf gegen die Taliban aufgerufen. "Das Militär muss die Taliban ein für
allemal eliminieren", sagte am Mittwoch Mufti Sarfraz Naeemi, ein führender
Vertreter der sunnitischen Glaubensrichtung der Barelwi, der die meisten
Pakistaner angehören. "Andernfalls werden sie das gesamte Land erobern, was eine
große Katastrophe wäre."
Die Barelwi hätten bislang eine Konfrontation mit den
Taliban vermeiden wollen und daher geschwiegen. Jetzt könne man aber nicht mehr
untätig zusehen, wie die Taliban alles unter ihre Herrschaft bringen wollten,
sagte Naeemi. Das am Freitag gegründete "Save Pakistan Movement" hat angekündigt, "das wahre Gesicht der Taliban" zeigen zu wollen - öffentliche Auspeitschungen, Hinrichtungen und Amputationen.
"Keine menschlichen Wesen"
Fazal Karim, der Chef der im Anti-Taliban-Bündnis vertretenen Partei Jamiat Ulema-e-Pakistan, erklärte die Taliban zu Feinden des Islams und Pakistans: "Die sogenannten Taliban im Swat-Tal sind Terroristen und keine menschlichen Wesen. Im Islam gibt es keinen Platz für Selbstmordanschläge".
In jüngerer Vergangenheit haben die Barelwi Anti-Taliban- Demonstrationen
organisiert. Für Sonntag ist eine Versammlung von 5000 Geistlichen in Islamabad
geplant, bei der um Unterstützung für die Militäroffensive geworben werden soll. Dabei sollen auch Taliban-Unterstützer in Armee und Geheimdienst bloßgestellt werden. Die Aufständischen gehören der zweiten großen Muslim-Gruppe auf dem indischen Subkontinent, den Deobandi, an. Im Gegensatz zu den Barelwi lehnen sie die Heiligenverehrung ab und haben in der Vergangenheit mehrere Anschläge auf Kultstätten verübt.
Die Partei "Sunni Tehrik", die Ende der 90er Jahre gegen die Ausbreitung der Deobandi kämpfte, bot am Wochenende an, sich am Kampf gegen die Taliban zu beteiligen. "Es verstößt gegen die Prinzipien des Islam, die Scharia mit Gewalt einzuführen", sagte Parteichef Maulana Sarwat Quadri zum Wall Street Journal, "wir sind bereit, Freiwillige in den Kampf an der Seite des Militärs zu schicken".
Ex-General sieht Eigeninteresse
Der pakistanische Ex-General und Analytiker Talat Masood sieht hinter dem Sinneswandel Eigeninteresse: "Politiker und Kleriker haben eingesehen, dass es keine Zukunft für Pakistan gibt, wenn die Militanten ihren Einfluss weiter vergrößern", sagte er zur Nachrichtenagentur Reuters, "der gemäßigte Klerus fürchtet, in diesem Fall keine Rolle mehr zu spielen. Deshalb versucht jeder, seine Machtansprüche zu sichern". (red/Reuters)