Diagnostik am Teilchenstrahl

12. Mai 2009, 17:00
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Physiker Thomas Aumeyr arbeitet am Kernforschungszentrum Cern

Der 27-jährige Thomas Aumeyr aus Neumarkt in Oberösterreich beschäftigt sich mit Überwachung und Verhaltensforschung - allerdings nicht an Menschen, sondern an Teilchenstrahlen von Elektronen und Protonen. Seine Dissertation im Bereich Teilchenstrahldiagnostik verfasst der Physiker im Rahmen von Ditanet (Diagnostic Techniques for Particle Accelerators) und pendelt dafür zwischen dem Kernforschungszentrum Cern in Genf, dem Royal Holloway in London und dem Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg.

Für ihre Experimente verlangt die Kernforschergemeinde vereinfacht gesagt "eine hohe Anzahl an Teilchen in der Maschine, die sich in Paketen mit sehr kleiner räumlicher Ausdehnung befinden. Sie sollen so oft wie möglich kollidieren" , so der Physiker. An den Überwachungssystemen der komplexen Steuerung dieser Wunschbedingungen tüftelt Aumeyr. Das Projekt Linac4 ist eine Hauptkomponente für das geplante Upgrade des Large Hadron Collider (LHC) mit einem höher energetischen Protonen-Injektor. In Genf untersucht Aumeyr dabei ein Detektorensystem zur Überwachung des Teilchenstrahl-Profils.

Als Schüler gewann Aumeyr den Wettbewerb Jugend Innovativ und den European Union Contest for Young Scientists (EUCYS): "Ich habe dann 2002 auch am London International Youth Science Forum (LIYSF) teilgenommen und wurde dort in meinen Überlegungen für die weitere Laufbahn bestärkt." Thomas Aumeyr ist überzeugt, dass solche Bewerbe den Teilnehmenden persönlich und beruflich viel bringen, weil neben technischen Fähigkeiten auch gefragte Soft Skills und internationale Vernetzung "fast spielerisch" vermittelt werden.

Während des Studiums der Technischen Physik an der TU Wien war Aumeyr mit dem Erasmus-Programm an der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) in Stockholm. Dort hörte er seine erste Vorlesung über experimentelle Teilchenphysik und fasste den Entschluss, ans Cern zu gehen. Dass Österreich nach 50 Jahren aus diesem Forschungsverbund aussteigen möchte, ist für den jungen Wissenschafter eine katastrophale Entscheidung: "Welches Zeichen setzt das Land dem wissenschaftlichen Nachwuchs, wenn das Projekt mit der derzeit größten Medienwirksamkeit für nicht unterstützenswert erklärt wird?" Mitglied in dem internationalen Großprojekt der Spitzenklasse zu sein ist für Aumeyr nicht nur eine Frage von Prestige. Der Cern-Austritt würde auch bedeuten, "30 heimische Firmen und rund 150 Wissenschafter und Techniker" von dem LHC-Projekt "abzutrennen" .

Für Aumeyr ist das Kernforschungszentrum "ein enorm fruchtbares Umfeld, in dem ich viel lerne" . Durch den bevorstehenden Start des LHC gibt es auch für Studierende viel zu tun: "Als HTL-Absolvent habe ich auch an Hands-on-Science Spaß: Schrauben, Löten, Messen, Programmieren. In der wissenschaftlichen Forschung gibt es für mich keine Monotonie." (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe, 13. 5. 2009)

Der alljährliche Schülerwettbewerb Jugend Innovativ vom Bildungs- und vom Wirtschaftsministerium wird von der Förderbank Austria Wirtschaftsservice veranstaltet. Das Finale findet vom 18.-20. 5. in Wien statt.

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