Von Lamas Mitarbeiterführung lernen

15. Juni 2009, 16:36
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Lamas zu führen ist keine leichte Aufgabe und Mitarbeiter zu führen schon gar nicht - Die Tiere zeigen Chefs, wie sie ihre Mitarbeiter behandeln müssen

Hochseilgärten und Abenteuercamps als Förderinstrumente sozialer und mentaler Kompetenzen in der Managerwelt haben tierische Konkurrenz bekommen. Nachdem zuvor schon Pferde als geeignete Tiere zum Teambuilding und Führungstraining entdeckt wurden, kommen nun auch die Lamas zum Einsatz. Ein Kärntner im oberen Gailtal bietet neben Lamatrekking für Urlauber und Tiertherapie für Kinder auch Managern seine Dienste als Lamaführer an.

Führen lernen

Bis zu 15 Personen finden sich in Dreierteams mit je drei Lamas zusammen um einige Tage in der Natur zu verbringen, in Zelten und Almhütten zu nächtigen, sich selbst Speck und Spiegeleier zum Frühstück zu braten und danach alles zu reflektieren - unter der Beobachtung eines Personaltrainers. Das Ziel erklärt Lama- und Wanderführer Johann Kanzian: "Die Führungskräfte müssen erst herausfinden wie sich ein Lama am leichtesten führen lässt."

Vertrauensfrage

Querfeldein über Steige und Brücken besteht die Herausforderung darin, dass die Tiere einerseits Vertrauen in ihren Führer bekommen und ihn auch als solchen anerkennen, denn Lamas sind Herdentiere. Im steilen Gelände und auf engen Pfaden folgen die Tiere dem Menschen - aber nur dann, wenn sie gut geführt werden und aus Tier und Mensch ein Team wird. "Lamas eignen sich deshalb besonders gut dafür dem Führenden verkrampfte Verhaltensweisen deutlich zu machen." Die Lamas fungieren also als Spiegel für den Menschen.

Direktes Feedback

"Flexibilität ist etwas, das Führungskräfte im hohen Maß besitzen sollten und auch das ist in den Karnischen Alpen gefragt", weiß Personaltrainer Manfred Wagner, denn um fünf Uhr Früh nach einer Nacht im Freien die Lamas auf den Gipfel zu führen birgt Überraschungen und verlangt Stärke. Erhalten Führungskräfte von ihren Vorgesetzen und Mitarbeitern häufig nur spärliches Feedback, so bekommen sie es von hochsensiblen Herdentieren umso schneller. Neben dem notwendigen Vertrauen sollen auch Wahrnehmen, Beobachten und Einfühlsamkeit als Schlüsselkompetenzen gefördert werden.

Aber warum gerade Lamas? Wagners Konzept für die Veränderungsarbeit in der Personalentwicklung sind einfache Methoden. Das Simple an den Herdentieren: "Durch Dominanz und pure Autorität lassen sie sich nicht führen und das ist das größte Problem der meisten Manager", erklärt Wagner. Hundertprozentige Begegnung ist daher gefragt und das funktioniere nur auf gleicher Ebene und mit gegenseitiger hoher Wertschätzung. Und auch ein Kuschelkurs ist nicht der richtige Weg, denn Lamas werden ganz schnell eigensinnig. Viele Führungskräfte erleben zum ersten Mal sehr eindeutig, dass sie mit einem autoritären oder zu laschen Stil nicht weiterkommen, „und das können sie im Team auf 2200 Metern Seehöhe auch nicht so einfach ignorieren".

Parallelen zu Mitarbeitern ziehen

„Wie Mitarbeiter, fordern auch Lamas, dass die Chefs ihre Arbeit machen", erklärt der Trainer. Sie reagieren positiv auf klare Ziele und eindeutige Anweisungen. Nebenbei soll der Kontakt zur Natur Kraft für die tägliche Führungsarbeit geben. Nach dem Gipfelsturm arbeiten die Manager gemeinsam mit dem Coach schwierige Situationen auf, die entstanden sind, um sie im Führungsalltag anwenden zu können. (Marietta Türk, derStandard.at, 15.6.2009)

  • Johann Kanzian mit zwei seiner Lamas
    foto: adenberger

    Johann Kanzian mit zwei seiner Lamas

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