Wir sind der Mond!

13. Mai 2009, 17:01
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    Daniel Grinsted: "Die Reise zum Mond. Zur Faszinationsgeschichte eines medienkulturellen Phänomens zwischen Realität und Fiktion",  229 S., Logos Verlag Berlin 2009.

Die Reise zum Erdtrabanten als Massenerlebnis - ein mediales Phänomen

Das Ende vom Lied respektive der letzte Abschnitt von Daniel Grinsteds kürzlich erschienenem Buch "Die Reise zum Mond" ist wohlvertraut und in unserem Forum wiederholt mit Feuereifer diskutiert worden (beispielsweise hier): Nämlich die Frage, ob die historische Landung des Menschen auf dem Mond tatsächlich stattgefunden hat oder ob es sich dabei um einen - mehr oder weniger geschickt inszenierten - Fake beispiellosen Umfangs handelte.

Es ist eine der populärsten Verschwörungstheorien unserer Tage, und Grinsted, der im Kapitel "If you believed / they put a man on the moon" ihren Ursprung schildert, enthält sich dezidiert einer Stellungnahme dazu - doch aus einem Grund, der alle diejenigen mit recht rigiden Vorstellungen davon, was Realität und was Fiktion ist, überraschen mag: Denn die Verschwörungstheorie sei nicht nur eine logische Konsequenz aus dem Media-Event-Charakter der Mondlandung, die zwangsläufig von keinem "unabhängigen" Augenzeugen bestätigt werden konnte. Es scheint darüberhinaus, zumindest kulturwissenschaftlich betrachtet, nicht einmal die entscheidende Rolle zu spielen, ob das Ereignis nun "wahr" oder "falsch" war, denn das eigentliche Ereignis fand nur an einem einzigen verifizierten Ort statt. Und der war weder der Mond noch die Erde, sondern das Medium Fernsehen.

Blühende Landschaften und Lügen

... aber das ist wie gesagt nur der letzte Abschnitt von "Die Reise zum Mond" und fast eine Verkehrung all der Wünsche, Hoffnungen und Utopien, für die der Erdtrabant über die Jahrhunderte hinweg als Projektionsfläche diente, ins Gegenteil. Davor stand eine lange Periode der Begeisterung, und damit ist durchaus Massenbegeisterung gemeint. Grinsted betrachtet Mondreisen nicht als Kulminationspunkt technischer Weiterentwicklung, an deren Realisierung nur ein kleiner elitärer Teil der Menschheit arbeiten konnte, sondern unter dem Aspekt des immersiven Massenerlebnisses. Mangels Möglichkeiten zur de-facto-Beteiligung waren dafür jedoch Medien notwendig, und als erstes solches Medium im weiteren Sinne diente ... das Teleskop. Fortschritte in der Teleskopie lösten im Barock einen ersten "Mond-Boom" aus, der anhaltende Wirkung zeigen sollte: Zwar blieb der Erdtrabant unerreichbar, doch enthüllte er nun gerade genug Details, um als Landschaft wahrgenommen zu werden, die sowohl bewohnt als auch besuchbar sein könnte. Einen skurrilen Höhepunkt erreichten derartige Vorstellungen im "Great Moon Hoax" von 1835: Ein pfiffiger Journalist der "New York Sun" schob darin dem gerade nichtsahnend in Afrika weilenden Astronomen John Herschel die Entdeckung blühender Landschaften und sogar intelligenten Lebens auf dem Mond in die Schuhe.

Noch am Ende desselben Jahrhunderts trat die Popularisierung von "Mondfahrten" in eine neue Phase ein: Und zwar in Form von Rummelplatz-Attraktionen wie Panoramen und "Fahrgeschäften", in denen Zuschauergruppen zu einer simulierten Mondreise aufbrechen konnten (wer denkt heute noch daran, dass das Wort "Luna Park" als gebräuchliches Synonym für "Vergnügungspark" seinen Ursprung in der Hauptattraktion eines Parks auf Coney Island hatte?). Die Massenbegeisterung wurde damit noch weiter angefacht ... und wollte entsprechend bedient werden, als die Technik endlich auch so weit war, tatsächliche Reisen durchzuführen. Der Grundstock für die Inszenierung der Mondreise als Media-Event war gewissermaßen gelegt.

Embedded journalists auf dem Mond

Grinsted zieht in schlüssiger Weise den roten Faden "Ein-Erlebnis-für-alle" weiter bis zu den US-amerikanischen Weltraum-Missionen, die zwar lange denen der Sowjetunion in allen wichtigen Marken (erster Satelliten-Start, erster Mensch im All, erster Weltraumspaziergang) hinterherhinkten, sich aber von diesen darin unterschieden, dass sie von Anfang an medial begleitet waren. Beim Start der historischen "Apollo 11"-Mission im Jahr 1969 waren außer einer Million Schaulustiger 2.000 geladene Journalisten vor Ort im Kennedy Space Center. Ob sie allerdings eine privilegierte Position innehatten, ist sehr die Frage, denn das eigentliche Ereignis fand wie gesagt im Fernsehen statt, und das in jeder Beziehung: Den Blick zurück auf die entschwindende Erde konnten die Menschen vor den Bildschirmen wunderschön mitverfolgen, während den Astronauten selbst die Kamera den Ausblick verstellte. Als die "Apollo 11"-Pioniere nach Hause zurück kehrten, meinte Buzz Aldrin zu Neil Armstrong angesichts des gewaltigen Medienereignisses, das ihre Vor-Ort-Perspektive in den Schatten zu stellen schien, halb scherzhaft: "Neil, we missed the whole thing."

Vermeintliche Anekdoten wie diese gibt es viele im mächtigen Zitationsapparat von "Die Reise zum Mond". Vermeintlich deshalb, weil sie - und speziell die Protokolle der Gespräche zwischen "Apollo"-Besatzung und Bodenkontrolle - in anschaulicher Weise erfassbar machen, wie sich beim größten Fernsehereignis aller Zeiten authentische und inszenatorische Elemente in einzigartiger Weise verquickten. Das begann noch auf dem Erdboden mit der Spannung erzeugenden Countdown-Zählweise (eine Erfindung Fritz Langs für seinen Film "Frau im Mond") und setzte sich an Bord fort, wo die Astronauten zwecks Human Touch allerlei nicht unbedingt ihrem Arbeitsalltag entsprechende Tätigkeiten durchführten, um fernsehtaugliche Bilder zu generieren. Es setzte sich mit dem auf die Prime Time im Hauptsendegebiet abgestimmten Betreten des Mondes fort und erhielt - wieder auf der Erde - einen Nachtrag, der sich angesichts der in der Folge aufblühenden Verschwörungstheorien mittlerweile ziemlich ambivalent ausnimmt: Die Astronauten durften sich auf Hollywoods Walk of Fame verewigen.

Aber immerhin, zumindest einmal wurde der Authentizität gegenüber der Fernsehtauglichkeit der Vorzug gegeben: Die NASA stand vor der Wahl, das Betreten des Mondes direkt zu senden und dafür eine suboptimale Übertragungsqualität in Kauf zu nehmen. Oder Neil Armstrong eine bessere Kamera aufstellen und dann zur Landekapsel zurückhoppeln zu lassen, um den "riesigen Sprung für die Menschheit" perfekt in Szene gesetzt nachzustellen. Darauf hat man dann aber doch lieber verzichtet ...

Schaffung von Realität(en)

Mit seinem Fokus auf die Rolle der Massenmedien trägt "Die Reise zum Mond" zum Verständnis des gigantischen Hypes um die Mondlandung und ihrer Bewertung als größter Pioniertat der Menschheitsgeschichte bei. Eine Frage drängt sich dabei unwillkürlich auf: Wenn die mediale Übertragung, die die Mondmission zum immersiven Massenerlebnis machte, der entscheidende Faktor war - könnte dann heute auch die Sowjetunion mit Juri Gagarins Allflug als Sieger des Space Race dastehen, wenn sie mehr Mut zur Öffentlichkeit gehabt hätte, anstatt nur nachträgliche Erfolgsmeldungen zu veröffentlichen? Wäre dann der Spaziergang auf dem Mond kaum mehr als ein besseres Postskriptum zur schon geleisteten Pioniertat - wie die Robotersonden, die heute von einer breiten Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet über den Mars krabbeln?

Dies muss letztlich unbeantwortet bleiben - ebenso wie für Skeptiker die Frage, ob wirklich jemals Menschen auf dem Mond waren, offen ist. Einer Realität muss sich aber auch der hartnäckigste Verschwörungstheoretiker stellen: Das Ereignis Mondlandung, das hat in jedem Fall stattgefunden. (Josefson)

Zur Person
Daniel Grinsted, geboren 1977 in Darmstadt, studierte Kulturwissenschaft und Anglistik/Amerikanistik in Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Popkultur, Medientheorie, Film und Kulturgeschichte.

Kommentar posten
17 Postings
Liam N.
10
14.5.2009, 13:46
die ISS ist kein Streitpunkt

genau so wenig wie die diversen Satelliten... ergo ist die Mondlandung auch nicht so was besonderes...

man hätte sich die ganze Diskussion sparen können, wenn der Landeplatz auf der, der Erde zugewandten Seite gewesen wäre...

nur die amerikanische Flagge hätten's dann auf keinen Fall aufstellen dürfen - die würd einem sonst recht schnell auf den Nerv gehen...

m3a
01
15.5.2009, 10:52
null ahnung...

scheinbar ist die leserschaft des standards nicht an einen intelligenz-standard gebunden!

NotDarkYet
02
14.5.2009, 17:23
Der Landeplatz WAR auf der erdzugewandten Seite.

Apollo 11 ist im berühmten Mare Tranquillitatis gelandet - und das können Sie sogar mit freiem Auge sehen.

Ein dort aufgestellte Flagge können Sie aber nicht einmal mit einem Spitzenteleskop sehen.

Für das beste Teleskop auf der Erde müsste die Flagge 1,7 km groß sein - und dann würde man immer noch nicht viel mehr als einen Punkt sehen.

Das Hubble-Teleskop hat immerhin eine Auflösung von 170 Metern.
Für eine Flagge immer noch etwas unhandlich!

NotDarkYet
46
14.5.2009, 12:26
Aus der Mondlandung kann man lernen, wie Verschwörungstheorien entstehen:

Ein paar Laien wundern sich über Dinge, die überhaupt nicht verwunderlich sind und schließen daraus - nicht auf ihre mangelnde fachliche Qualifikation - sondern auf eine große Verschwörung.

Beispiel:
Die Verschwörungsheinis verstehen nicht, warum der Schattenverlauf so aussehen MUSS, wie er aussieht und schließen daraus, die Mondfotos wären im Studio entstanden. Die Verschwörungsheinis denken nicht nach, sie forschen nicht nach, sie zweifeln nicht an ihrer Fähigkeit etwas zu beurteilen, vom dem sie keine Ahnung haben.
Statt dessen erfinden sie alberne Verschwörungstheorien.

Egal welches Thema, Haider, Diana, die Landung auf dem Hudson, 9/11: Uninformiertheit, Inkompetenz und Arroganz erzeugen absurde Verschwörungstheorien.

F S 3
33
15.5.2009, 19:15
:) Eine bewundernswerte Auflistung von fast schon intelligenzfrei zu nennender Ignoranz. Wert, zum Oscar für angepaßtes "Nach-Denken", bzw. "Nach-Sprechen", nominiert zu werden. Der 9/11 ist eigentlich DAS beste Beispiel f.jene Art v.schlechten VTs,…

…wo-da gehe ich fast konform mit ihnen-"mangelnde Beschäftigung" mit den bekanntgegebenen Tatsachen ein Phantasiekonstrukt gebiert,das z.allem Überfluß noch von den Nach-Richt-A(u)genturen weltweit verbreitet wird.

Der Grund:Mangelhafte, od.UNVOLLSTÄNDIGE Info seitens der US-Admin.

Die Kernaussage,welche diese VT eigentlich zur Mutter aller VTs mutiert:

19 seltsame Muslimisten mit Teppichmessern schaffen es angeblich irgendwie 4-5 Verkehrsflugzeuge der größten Militärmacht dieses Planeten-unter der ideologischen Führung eines Todkranken,aus seiner quasi goldsteinschen Kommandozentrale,irgendwo in einer entlegenen Höhle Pakistans-z.entführen.

Zur Mondlandung:Gab es ganz sicher,es ist aber möglich,daß d.Bilder dazu aus einem Studio kamen.

birka
54
16.5.2009, 10:49

geh bitte, bleib lieber beim Plasma und erspar uns deine 9/11-Phantasien! Und freilich, die NASA schickt paar Hanseln auf den Mond und ist aber zu blöd denen Kameras mitzugeben?

F S 3
32
16.5.2009, 16:21
"Blöd" ist nur der, der die "Blödheit" anderer sucht. Wenn sie ernsthaft daran glauben, daß der Erfolg einer der größten PR-Aktionen des Jahrzehnts davon abhängen sollte,…

…ob ein äußerst fragiles Verbindungsnetz zu weltweit verstreuten Empfängerstationen mit der damalig zugegebenen Technologie für eine "Live"-Übertragung 100%-ig funktionieren soll, unterschätzen sie die Möglichkeiten u.Intentionen ihrer Planer gewaltig.

Es gab definitv einen "Plan-B" mit Einspeisungsmöglichkeiten aus einem parallel entsprechend hergerichtetem Studio.

Letztendlich kann niemand mit Gewißheit sagen, woher die TV-Bilder damals stammten. Ganz abgesehen davon, daß selbst bei den Photos -welche definitiv am Mond gemacht wurden- im nachhinein manches retouchiert worden war.

Verständlich.

Die Überspitzung in der vor Jahren gesendeten TV-Persiflage m."Regisseur" Kubrickhatte ein Körnchen Wahrheit an sich.

Wie jede gute Desinfo.

NotDarkYet
03
18.5.2009, 09:49
In Ihren Postings erkennt man, wie eng verwandt Verschwörungstheorien mit Religion sind!

Zuerst behauptet die Religion, dass Gott den Menschen aus Lehm geformt hat und die VT, dass nie ein Mensch auf dem Mond war.

Wenn man unwiderlegbar beweist, dass diese Behauptungen Unsinn sind, dann weicht man nur soweit zurück, wie gerade notwendig.
Die Religion kommt dann mit Intelligent Design und die VT behauptet, die USA wären nicht mit Apollo 11 sondern erst mit 12 oder 14 auf dem Mond gewesen - oder (besonders witzig) sie wären zwar auf dem Mond gewesen, hätten aber keine Fotos gemacht.

Und beide Glaubenssyteme sind geschlossene Systeme (Popper): Eine Widerlegung ist nicht nur unmöglich, sie wird in eine Bestätigung uminterpretiert!
Wer dagegen ist, ist des Teufels/bezahlter Agent - und damit ein Beweis für Richtigkeit des Glaubens

birka
03
17.5.2009, 17:00

blöd sind Argumentationen wider besseres Wissen. Z.B. Flugzeugentführung vs Militärmacht. Dass die militärische Macht mit der Sicherheit von zivilen Flugzeugen nicht zwingend ident ist weißt du genauso wie ich. Aber trotzdem ist es dir nicht zu blöd daraus einen Aufhänger für "die Mutter aller VTs" zu konstruieren.

Wenn die Live-Übertragung nicht funktioniert hätte dann hätte sie eben nicht funktioniert. Aber statt dessen Studio-Aufnahmen einspielen welche dann mit den echten Aufnahmen vom Mond nicht zusammen passen?!?

Mona Simpson
02
14.5.2009, 09:39

http://www.mondlandung.pcdl.de/

Die Website zeigt die Kritikpunkte der "Verschwörer" und eine Gegendarstellung dazu.

Austronaut
01
13.5.2009, 23:04
Sind es nicht die Chinesen die auf den Mond wollen?

Oder wer auch immer der nächste ist, könnte doch mal kurz nachschauen ob da eine Flagge steckt. Der Landepunkt müßte ja bekannt sein.

Bertel Mann
00
14.5.2009, 19:52
Ja - die Chinesen haben das Studio in dem die Mondlandung gedreht wurde, bereits nachgebaut...

Kendall Von Tharn
40
14.5.2009, 09:55

das ist nicht der punkt. was immer verwechselt wird: es geht um die mondlandung 1969, die möglicherweise nicht stattgefunden hat.
die späteren landungen sind aufgrund der raschen technologiesprünge innerhalb weniger jahre deutlich wahrscheinlicher.

mike sierra
00

War die erste Mondlandung nicht schon 1865, wo nur Jules Verne exklusiv berichten konnte?

Aristarch
01
14.5.2009, 18:48
Ah, und welche "Technologiesprünge"

soll es zwischen Juli 1969 (Apollo 11) und Dezember 1972 (Apollo 17) gegeben haben???

birka
10
14.5.2009, 10:25

Egal um welche Mondlandung es geht, die Diskussion ist eigentlich unglaublich langweilig...

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