120 "Botschafter" sind im Wahlkampf für die Roten im Internet im Einsatz, um neue Zielgruppen zu erschließen
"Ich bin die coolste Großmutter", hat Gabriela Schroffenegger vor Freude laut durch die Parteizentrale der SPÖ in Innsbruck gerufen, nachdem sie ihr erstes selbstgedrehtes Video auf die Netzwerk-Plattform Facebook online gestellt hat. Schroffenegger, Geschäftsführerin der SPÖ-Frauenorganisation in Tirol, ist 58 und hat sonst wenig mit Online-Communities am Hut. Sie benutzte das Internet bisher nur für Recherchezwecke oder um E-Mails zu schreiben. Doch das ist seit ein paar Tagen anders, denn sie ist im EU-Wahlkampf der SPÖ als Botschafterin im Einsatz.
Von der SPÖ-Zentrale in Wien organisiert, bekam sie in Salzburg einen zweitägigen Crash-Kurs des Renner-Instituts, wo ihr die Basics über Weblogs, Facebook, Youtube, Twitter und Co. beigebracht wurden. Nun soll sie Botschaften über die SPÖ, die EU und den Wahlkampf im Internet verbreiten.
Auf Facebook hat sie schon 50 Freunde, sagt sie. Sie postet regelmäßig und "es kommen auch Antworten", ist sie erfreut.
120 Botschafter
Auf der Website der SPÖ, wo die besten Beiträge der BotschafterInnen gesammelt werden, sind mehrere Videos zu finden, die sie gedreht hat. Sie interviewte etwa den Tiroler SPÖ-Chef Hannes Gschwendtner und befragte ihn zu seinen Motiven, zur EU-Wahl zu gehen.
Insgesamt sind 120 Botschafter im Einsatz. Unter ihnen Pensionisten, die nun auf Twitter erste tapfere Gehversuche machen, genauso wie junge Funktionäre. Manche der Versuche wirken noch recht holprig. So sind auch Einträge, wie etwa jener von Andrea Katz aus Wien Meidling - "versuche immer noch twitter zu verstehen..." - zu lesen. Und man fragt sich auch, was es mit der EU-Wahl zu tun hat, wenn Peko Baxant, Funktionär aus dem 6. Bezirk in Wien, twittert, er sei "ein Freund des Regens".
"In Europa einzigartig"
Elisabeth Hakel, Kommunikationschefin der SPÖ, sagt im Gespräch mit derStandard.at, die SPÖ habe die Aktion gestartet, weil man "die neuen Kommunikationsmittel für den Wahlkampf nutzen" wolle. Das Projekt sei "in Europa einzigartig", man will eine neue Zielgruppe ansprechen. Möglicherweise bekommt man so "unter den Jugendlichen mehr Aufmerksamkeit", so Hakel.
Doch Hakel stellt klar: "Es ist nicht der Hauptwahlkampf", den die SPÖ nun im Internet führt. Den BotschafterInnen wird es also nicht erspart bleiben, weiterhin auch auf der Straße für Stimmen zu werben. (rwh, derStandard.at, 13.5.2009)