Mehr als 30.000 Menschen haben Petition unterschrieben

18. Mai 2009, 14:27
151 Postings

Wissenschaftlicher Widerstand gegen den Ausstieg - Aufruf zu Online-Demo

Wien - Der Widerstand gegen den Ausstieg Österreichs aus dem Europäischen Kernforschungszentrum CERN hat sich formiert: Über den Fachausschuss Kern- und Teilchenphysik (FAKT) der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft (Austrian Physical Society) wurde eine Plattform ins Leben gerufen, auf der auch mehrere Nobelpreisträger den Ausstieg kritisieren. Am Montag wurde außerdem eine Petition veröffentlicht. Die öffentliche Teilnahme an der Petition "SOS/Save Our Science" ist über die Website der Plattform möglich.

Mittlerweile (Stand Montagnachmittag) haben mehr als 30.000 UnterstützerInnen die Petition unterzeichnet. Einige UnterstützerInnen haben inzwischen auch zu einer Online-Demonstration aufgerufen. Der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald verurteilte indessen in einer Aussendung den CERN-Austritt und rief "zur notwendigen Solidarität aller Wissenschafter, Universitäten und Forschungseinrichtungen" auf; auch er unterstützt die Petition. Und die Liste der Wortmeldungen und Offenen Briefe durch österreichische und internationale WissenschafterInnen - darunter auch 16 Nobelpreisträger - wird immer länger.

Schwächung von Österreichs Reputation befürchtet

Seitens des vom Ausstieg am meisten betroffenen Instituts für Hochenergiephysik (HEPHY) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) befürchtet man laut einer Aussendung am Dienstag eine Schwächung von Österreichs Reputation als zuverlässiger Partner in weltweiten Projekten. Abgesehen von schwerwiegenden Folgen für die heimische Wissenschaft und für die am CERN engagierten österreichischen Firmen schade der CERN-Austritt auch dem Status Österreichs als "wissenschaftliche Kulturnation". Man "wäre nicht mehr beteiligt, Antworten auf so wesentliche Fragen wie die nach dem Aufbau und dem Zusammenhalt der Materie oder nach dem Ursprung und der Entwicklung des Universums zu finden", so Christian Fabian, Direktor des HEPHY.

Zahlen und Fakten

Auf der Website wird betont, dass der Mitgliedsbeitrag "knapp 16" und nicht 20 Millionen Euro betrage, wie mehrfach kolportiert. Das seien 0,47 Prozent des österreichischen Wissenschaftsbudgets. Die Wissenschafter bieten auch eine Art Leistungsschau der heimischen Wissenschaft am CERN. So seien seit 1995 rund 150 österreichische Doktoranden am Zentrum gewesen, die Anzahl der derzeit am CERN aktiven österreichischen Wissenschafter betrage 173.

Die Rückflüsse in die heimische Industrie durch CERN-Aufträge in den Jahren 1994 bis 2007 wird mit 73 Millionen Euro angegeben. Als Spin-offs für Österreich nennen die Betreiber der Plattform "Computing GRID Austria" sowie "MedAustron". Die Wissenschafter widersprechen auch Aussagen, wonach nur das Institut für Hochenergiephysik (HEPHY) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in die Arbeiten am CERN involviert sei.

"Historische Fehlentscheidung"

In einer Petition bezeichnen die Wissenschafter den CERN-Ausstieg als "historische Fehlentscheidung", die gestoppt werden müsse, bevor "irreparabler Schaden an Österreichs internationaler Reputation als Land der Hochtechnologie und modernen Forschung" entstehe. CERN sei "ein leuchtendes Beispiel für Exzellenz durch europäische Zusammenarbeit". Der FAKT appelliert an das österreichische Parlament, dem Vorhaben von Wissenschaftsminister Hahn nicht zuzustimmen. (APA/red)

Share if you care.