Demonstration in Köln

Tausende protestieren gegen Rechtsaußen

09. Mai 2009 13:43
  • Artikelbild
    Foto: dpa/anspach

    "Es war schon im letzten Jahr eine Anmaßung und Dreistigkeit, ausgerechnet hier in Köln, in der Stadt der Toleranz und der Vielfalt, mit rassistischen Parolen auflaufen zu wollen", sagte Oberbürgermeister Schramma.

Kundgebung gegen zweiten "Anti-Islamisierungskongress" - Gegendemo: Bis zu 1.000 Rechte erwartet

Köln - Tausende Demonstranten haben am Samstag in Köln gegen den zweiten "Anti-Islamisierungskongress" der rechtspopulistischen Bewegungen "Pro Köln" und "Pro NRW" protestiert. Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) sagte bei der zentralen Gegenkundgebung auf dem Kölner Heumarkt, die Rechtsradikalen aus ganz Europa hätten wohl vergessen, was man ihnen bereits im September beim vorangegangenen Kongress zugerufen habe: "Da ist die Tür. Wir wollen euch nicht. Wir stellen uns quer."

An dem "Anti-Islamisierungskongress" nahm auch eine FPÖ-Delegation unter der Leitung von FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky teil. Im Ö1-Mittagsjournal des ORF-Radios sagte Vilimsky, die Moscheen mit ihren Minaretten seien "Siegessymbole des Islam über andere Kulturen". Man wolle "im Zuge eines europäischen Denkens versuchen, diese Art der Islamisierung hintanzuhalten".

Friedlich verlaufen

An der Hauptkundgebung von "Pro Köln" und "Pro NRW" auf dem Barmer Platz im rechtsrheinischen Stadtteil Deutz nahmen laut Polizei rund 300 Menschen teil, darunter schätzungsweise 100 Gegendemonstranten. Mit Trillerpfeifen und lautstarken Rufen wie "Nazis raus aus Köln" und "Haut ab" übertönten sie die Reden von rechtsradikalen Politikern aus verschiedenen europäischen Ländern.

Die Gruppierungen hatten als Veranstaltungsort eigentlich den Roncalliplatz am Kölner Dom vorgesehen - dies hatte aber das Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen untersagt. Am späten Freitagabend bestätigte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe seinerseits das Verbot. Damit blieben sowohl die Verlegung der Rechten-Kundgebung von der Innenstadt nach Köln-Deutz als auch das Verbot eines Marschs zum Kölner Moscheeneubau in Kraft.

Bis auf "kleinere Rangeleien" verliefen die Proteste laut Polizei bis zum Mittag friedlich. Insgesamt beteiligten sich daran rund 1.600 Menschen. Laut Bundespolizei musste der Bahnhof Ehrenfeld kurzzeitig gesperrt werden, nachdem mutmaßlich linke Gegendemonstranten die Notbremse eines Regionalexpresses gezogen und das Fahrerhaus mit Farbbeuteln beworfen hatten. 15 Personen wurden demnach festgenommen.

"Stadt der Toleranz"

"Es war schon im letzten Jahr eine Anmaßung und Dreistigkeit, ausgerechnet hier in Köln, in der Stadt der Toleranz und der Vielfalt, mit rassistischen Parolen auflaufen zu wollen", sagte Oberbürgermeister Schramma. Er lobte, dass die Demonstranten mit ihrer Teilnahme an der Kundgebung bekundeten: "Nie wieder Hass und Rassismus, kein schäbiger Wahlkampf auf dem Rücken unserer ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger".

Zu der Gegenveranstaltung hatte das Bündnis "Köln stellt sich quer" aufgerufen. Schramma dankte denen, die in diesen Tagen deutlich machten: "Köln ist nicht rechts, Köln ist nicht braun, Köln ist friedfertig, weltoffen und tolerant. Und Köln ist engagiert, wenn es darum geht, diese Werte und Prinzipien zu verteidigen." "Glücklich die Stadt, die solche Bürger hat", sagte der Grünen-Politiker Reinhard Bütikofer als weiterer Kundgebungsredner. Die Proteste sendeten eine klare Botschaft: "Wir Demokraten lassen nicht zu, dass gegen Minderheiten gehetzt wird."

Die Hauptkundgebung des ersten "Anti-Islamisierungskongresses" war im vergangenen September an den Protesten Tausender Gegendemonstranten gescheitert. "Pro Köln" wird wegen seiner rechten Tendenzen vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz beobachtet. (APA/AP)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 119
1 2 3
Südmährer
11.05.2009 07:01
Der Bürgermeister sollte mal überprüfen,

ob er in der falschen Partei ist.

Aber wahrscheinlich ist er nur ein Opportunist, der sich nach der Mehrheit richtet....

rinius ante portas
11.05.2009 12:40

Dann sind SIE sicher ein Individualist mit festen völkischen Prinzipien und gehören deshalb zur doitschen "Elite", weil Sie sich dem braunen Gesöcks zugehörig fühlen, hm?

Südmährer
12.05.2009 07:19
Ihre Meinung sei Ihnen Unbenommen

allerdings ist sie falsch. Gehöre zu keiner Elite und auch zu keinem "Gesöcks".

Vertrete aber die Meinung, dass Islamismus in Westeuropa nichts verloren hat. Die Kölner Großmoschee ist einfach ein Ausloten der Grenzen und eine Machtdemonstration von Islamisten unter dem Deckmäntelchen der Religionsfreiheit.

philidor85
13.05.2009 11:06

stimmt der islamismus hat in europa nix verloren - der islam allerdings schon (den gibts schon vor dem 20. jahrhundert in europa)

leider werden die beiden begriffe oft gleichgesetzt

und die kluft zwischen west bzw.(süd)osteuropa wollen wir doch überbrücken...das ist ja der eigentliche sinn der eu

Otto Ottinger
 
11.05.2009 00:27
Gegen rote und braune Sozis

Libertin
10.05.2009 12:01

Wie wäre es mit dem Wahlspruch für die FPÖ:
"Moschee, Minarett und Muezzin? Das brauchen wir nicht in Wien!"

suboptimal
 
10.05.2009 11:30
ein paar hundert Teilnehmer haben die Pro-Köln Kulturschützer zusammengebracht

und in diese Zahl sind angereiste Österreicher, Belgier, Franzosen und Tschechen schon einbezogen. "Allein die geringe Zahl der von den rechten Organisatoren mühsam nach Köln gebrachten Kongressteilnehmer zeige klar, dass Köln überhaupt kein Platz ist für ausländerfeindliche Hetze sei." "Manche Pro Köln-Demonstranten machen aus ihrer neonazistischen Gesinnung keinen Hehl: So ist auf einem T-Shirt als Aufschrift zu lesen: "Eure Galgen werden schon gezimmert." Überschrift: Deutsch - Stolz - Treue."

http://www.ksta.de/html/arti... 9278.shtml

Das Bedürfnis der Kölner, von diesem braunen Rand sich selbst und das gesamte Abendland beschützen zu lassen, ist definitiv nicht vorhanden. Und tschüss.
*lol*

super1
10.05.2009 14:06
@ "Und tschüss."

wenn schon: "und tschö!"

Frank der Grosse
10.05.2009 10:46

Es ist durchaus legitim, eine Konferenz zum Thema Islamismus abzuhalten.
Dann aber müssen die Teilnehmer Polit- und Religionswissenschafter sein, Moslems und Vertreter anderer Religionen, Demoskopen, etc!
Und nicht jene Dolme, die tagein, tagaus fremdenfeindliches pseudowissenschaftliches Geschwätz von sich geben! Das ist um nichts besser als Iraner, die eine Israelkonferenz abhalten oder Austrianer, die zum Thema Grünweiss tagen (und umgekehrt)

el puño rojo
 
10.05.2009 10:41
Sind die Linken

für den Islam weil die Rechten dagegen sind ?

(Verkehrte Welt, hätte den Islam selber immer als rechtsextrem eingestuft.)

Artischocke
 
10.05.2009 14:32

Die Linken sind gegen diejenigen, die gegen Minderheiten hetzen. Um welche Minderheit/Religion es sich dabei handelt ist eigentlich zweitrangig.

Das sie "den Islam" und nicht den Islamusmus als rechtsextrem einstufen zeigt mehr über Sie als über den Islam.

el puño rojo
 
11.05.2009 12:46
das will in meinen Kopf nicht rein :

Was hat Islam mit (politisch) Links zu tun?

In jedem Land wo der Islam herrscht sind Linke abgemeldet wenn nicht gar eine verfolgte Minderheit.

Würde mich als Links bezeichnen aber nicht als derart masochistischer Linker das ich einen Feind zum Freund erkläre weil dieser der Feind eines noch grösseren Feindes ist.

Güle, güle Hojaç Bey!
 
17.05.2009 00:36
nicht als derart masochistischer Linker das ich einen Feind zum Freund erkläre weil dieser der Feind eines noch grösseren Feindes ist.

Der Genosse Stalin hat das aber getan.
Sogar 2 Mal: Das 1. Mal waren die Polen ein größerer Feind als die Nazis, dann wieder die Nazis ein größerer Feind als die kap. Westmächte.

_ PATRIOT _
10.05.2009 12:39
Na logo

Die Linken bekämpfen die einheimischen Rechten dadurch, dass sie die ausländischen rechten Fundamentalisten massiv unterstützen.

Und durch ihr hasstriefendes Gegeifere merken sie gar nicht, dass sie sich dadurch selbst ihr Grab schaufen.

ramazotti
10.05.2009 11:08

Genau so ist es leider!

Affe&Affe
10.05.2009 09:27
Kein Islam in Europa!!!

Keine rechte Ideologie in Europa!!!

Ein wahres Dilemma...

Christobal Daumenzee
10.05.2009 02:42
schade, eine ganz besonders Clevere war nicht in Köln

http://www.spiegel.de/panorama/... 27,00.html

...das Fräulein im Spiegelartikel hat die Schönheit einer 'verholzenden Salzpflanze' (Mangrove), ja! Das stimmt!
Glückliche teutsche Rechtsausleger, wie schön sind Eure Mädels - und sooo clever!!

Lieber Herr Schramma, erlaubt doch beim nächsten Mal den Lustigestrigen, ihren 'Kongress' direkt am Rhein zu veranstalten, wenn's Hochwasser wieder kommt. Ertrinken können die Kongressteilnehmer nicht, hohler Kopf hält sie über Wasser. Und entlang des Ufers, von Köln über D'dorf, Duisburg und Wesel, durch die Niederlande bis zur Nordsee stehen die Menschen und pinkeln in den Fluß, ein Gruß an den Kongress, der vorbeischwimmt....

Avicenna
 
11.05.2009 12:55

...die scheint mir aber eher ein Fall für die Psychatrie zu sein.

Güle, güle Hojaç Bey!
 
17.05.2009 00:43
Ja. Überwertige Ideen, Wahnideen...

...aus dem psychotischen Formenkreis.
Armer Teufel.

knievel
09.05.2009 23:47
hirnlose rassistenveranstaltung

da mischt eine fpö mit die zwar gegen den bösen islam ist aber selbst in einem säkulären staat 'abendland in christenhand' plakatiert.

man kann nur hoffen das sich das rechte gesindel genauso subtrahiert wie ihre kärnter lichtgestalt...

haghag
10.05.2009 11:08
nein bitte nicht noch mehr märtyrer

wer soll die alle heiligsprechen?

raymond a
09.05.2009 21:49

Es gab gute Gründe, die von Pro Köln organisierte Konferenz kritisch zu betrachten.

Viel zu oft wird berechtigte Kritik am Islamismus mit (zwar manchmal auch berechtigter) Kritik an Migrantenkriminalität auf unberechtigte Weise zusammengemischt.

gerade die Teilnahme der FPÖ beweist, dass es nicht um Islamismus geht, sondern hauptsächlich um Hetze gegen Muslime...

http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/02/0... gegensatz/

das rechtfertigt jedoch nicht die Vorgänge vom letzten Jahr, als man die Demonstration aus Angst vor Übergriffen gewaltbereiter Gegendemonstranten nicht zuließ.

rage1864
10.05.2009 10:10

Islamismus ...
Christismus ...
Buddhismus ...
Hinduismus ...
Semitismus ...
Buddhismus ...
Zeugen-Jehovaismus ...

- Schon im Wörterbuch nachgeschlagen?

Avicenna
 
09.05.2009 19:46
Wertkonservativen Antifaschismus gibt es auch

Was sehen wir da? In Dt. bekennt sich ein CDU BM zu Toleranz und Weltoffenheit, es gibt einen breiten demokratischen Konsens gegen Ultra-Rechts. Soweit so gut. Auch viele andere konservative Politiker bleiben konservativ, treten aber offen gegen rassistische, demokratiefeindliche und ultra-rechte Tendenzen auf. Ein wertkonservativer Antifaschismus. Der eh. BK Helmut Kohl unterstützte Prodi und das Ulivo Bündnis in Italien. Ganz anders Österreich: die FPÖ zeigt wiedermal wo sie hingehört. Hier ist das ja auch kein Problem. In Dt. werden des gleichen Geistes Kinder vom Verfassungsschutz überwacht (ob's nun gescheit ist oder nicht). Hier wird flächendeckend plakatiert und still gehalten. Man sieht es z.T. auch in diesem Forum.

a blattl schinken
09.05.2009 17:02

sehr gut, weiter so!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 119
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.