Kundgebung gegen zweiten "Anti-Islamisierungskongress" - Gegendemo: Bis zu 1.000 Rechte erwartet
Köln - Tausende Demonstranten haben am Samstag in Köln gegen den zweiten "Anti-Islamisierungskongress" der rechtspopulistischen Bewegungen "Pro Köln" und "Pro NRW" protestiert. Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) sagte bei der zentralen Gegenkundgebung auf dem Kölner Heumarkt, die Rechtsradikalen aus ganz Europa hätten wohl vergessen, was man ihnen bereits im September beim vorangegangenen Kongress zugerufen habe: "Da ist die Tür. Wir wollen euch nicht. Wir stellen uns quer."
An dem "Anti-Islamisierungskongress" nahm auch eine FPÖ-Delegation unter der Leitung von FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky teil. Im Ö1-Mittagsjournal des ORF-Radios sagte Vilimsky, die Moscheen mit ihren Minaretten seien "Siegessymbole des Islam über andere Kulturen". Man wolle "im Zuge eines europäischen Denkens versuchen, diese Art der Islamisierung hintanzuhalten".
Friedlich verlaufen
An der Hauptkundgebung von "Pro Köln" und "Pro NRW" auf dem Barmer Platz im rechtsrheinischen Stadtteil Deutz nahmen laut Polizei rund 300 Menschen teil, darunter schätzungsweise 100 Gegendemonstranten. Mit Trillerpfeifen und lautstarken Rufen wie "Nazis raus aus Köln" und "Haut ab" übertönten sie die Reden von rechtsradikalen Politikern aus verschiedenen europäischen Ländern.
Die Gruppierungen hatten als Veranstaltungsort eigentlich den Roncalliplatz am Kölner Dom vorgesehen - dies hatte aber das Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen untersagt. Am späten Freitagabend bestätigte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe seinerseits das Verbot. Damit blieben sowohl die Verlegung der Rechten-Kundgebung von der Innenstadt nach Köln-Deutz als auch das Verbot eines Marschs zum Kölner Moscheeneubau in Kraft.
Bis auf "kleinere Rangeleien" verliefen die Proteste laut Polizei bis zum Mittag friedlich. Insgesamt beteiligten sich daran rund 1.600 Menschen. Laut Bundespolizei musste der Bahnhof Ehrenfeld kurzzeitig gesperrt werden, nachdem mutmaßlich linke Gegendemonstranten die Notbremse eines Regionalexpresses gezogen und das Fahrerhaus mit Farbbeuteln beworfen hatten. 15 Personen wurden demnach festgenommen.
"Stadt der Toleranz"
"Es war schon im letzten Jahr eine Anmaßung und Dreistigkeit, ausgerechnet hier in Köln, in der Stadt der Toleranz und der Vielfalt, mit rassistischen Parolen auflaufen zu wollen", sagte Oberbürgermeister Schramma. Er lobte, dass die Demonstranten mit ihrer Teilnahme an der Kundgebung bekundeten: "Nie wieder Hass und Rassismus, kein schäbiger Wahlkampf auf dem Rücken unserer ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger".
Zu der Gegenveranstaltung hatte das Bündnis "Köln stellt sich quer" aufgerufen. Schramma dankte denen, die in diesen Tagen deutlich machten: "Köln ist nicht rechts, Köln ist nicht braun, Köln ist friedfertig, weltoffen und tolerant. Und Köln ist engagiert, wenn es darum geht, diese Werte und Prinzipien zu verteidigen." "Glücklich die Stadt, die solche Bürger hat", sagte der Grünen-Politiker Reinhard Bütikofer als weiterer Kundgebungsredner. Die Proteste sendeten eine klare Botschaft: "Wir Demokraten lassen nicht zu, dass gegen Minderheiten gehetzt wird."
Die Hauptkundgebung des ersten "Anti-Islamisierungskongresses" war im vergangenen September an den Protesten Tausender Gegendemonstranten gescheitert. "Pro Köln" wird wegen seiner rechten Tendenzen vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz beobachtet. (APA/AP)