Angst in der Hose

07. Mai 2009, 17:36
  • Artikelbild

    Im Schein der Discokugel: I Am Cereals produzieren auf ihrem Debütalbum einen Bastard aus Synthie-Pop, Funk und Dance-Rock. Livepräsentation ist am Montag im Ost-Klub.

Heimische Popmusik befindet sich auf Höhenflug. Zu den tollen wie vielfältigen Veröffentlichungen kommt nun eine weitere Herausragende hinzu: das titellose Debütalbum von I Am Cereals

Wien - Möglicherweise ist zurzeit irgendetwas im Trinkwasser. Eine Substanz, die in dieser Konzentration sonst nur in Großbritannien oder den USA auftritt. Jedenfalls war die Dichte außergewöhnlicher heimischer Popveröffentlichungen lange nicht so augenfällig wie in letzter Zeit. Zu tollen Arbeiten von Clara Luzia (sogar Ö3 hat nun ein Einsehen und spielt die Gute!), Sir Tralala, Naked Lunch, Laokoongruppe, Metalycée, Kreisky, Das Trojanische Pferd, um nur einige zu nennen, kommt nun noch eine dazu: das Debütalbum von I Am Cereals.

Das Sextett, aus dem zumindest der Singer-Songwriter Ben Martin sowie Gerald Huber von den Stimm- und Zwerchfellakrobaten Bauchklang bereits einschlägig auffällig geworden sind, versucht sich an der Königsdisziplin, dem perfekten Popsong. Daran haben sich schon viele die Zähne ausgebissen, der Sechser nimmt diese Aufgabe aber mit Leichtigkeit, die dabei zutage tretende stilistische Vielfalt, die spürbare Spiellaune, sind gleichermaßen erstaunlich wie überzeugend.

Dafür bedienen sich I Am Cereals - wie kommt man auf so einen Namen? - bei der Vergangenheit, insbesondere den 1980ern, und überführen Spurenelemente davon souverän ins Jetzt. Hier angekommen, wird der Überschwang, das zarte Schmalz, der süße Schmelz von Säulenheiligen wie etwa ABC (The Look Of Love!) neu justiert. Einerseits.

Andererseits verständigt man sich auch über ausgewiesene Qualitätsbringer, die in jüngerer Zeit an den Schnittmengen von tanzbarer Rockmusik, New Wave und Pop für Aufregung gesorgt haben. Von Beck über Shawn Lee bis zu Friendly Fires reicht da der Referenzrahmen, den die Band etwa im Song 150 Percent Of Depression noch um angestochene Bläsersätze erweitert. Dazu frickelt die Elektronik, es flirren die Gitarren, das Schlagzeug spielt Disco und aus den Keyboards brummt und groovt es. Zu den weiteren 1980er-Heimsuchungen zählt auch jene, bei der man einen tiefen Diener vor Prince macht.

Diesbezüglich eindeutige Songs wie Loosen The Grip oder You Say You're Not Yourself bestechen mit suprigem Falsettgesang, Abteilung Angst in der Hose, auch der abgebremste Funk aus Keyboard und Wummer-Bass klingt sehr überzeugend. Das bringt ein Justin Timberlake auch nicht besser. Cool und heiß zugleich.

Achterbahnfahrt

Derlei Verehrungsbezeugungen untergraben dabei aber nicht die Originalität der Band. Verwegene Sounds, elektrischer Firlefanz oder auch akustische Gitarren besorgen nicht nur erwähnte Vielfalt. Es fallen dabei auch potenzielle Hits wie Human Vocoder oder das an Zoot Woman erinnernde Two Faces ab. In Serie gesetzt ergibt das eine aufregende Achterbahnfahrt, in Summe ein spektakuläres Popalbum, das am Freitag, 8.5., erscheint. Am kommenden Montag präsentieren I Am Cereals das Werk  live. (Karl Fluch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.5.2009)

 

I Am Cereals (Violet Noise / Hoanzl), live: 11. 5., Ost-Klub, 1040 Wien, Schwarzenbergpl. 10, 21.00

druckenweitersagen:
posten
19 Postings
Edwyn7 
13.05.2009 18:42
French parade

= verdammt gute nummer. für ein debut (auch wenns alte hasen sind) beachtlich.

Miss Understood
09.05.2009 23:12

wow, ben martin zieht ja endlich die engen hosen an.... früher hab ich ja geglaubt ich müsste ihn unterstützen, ihm helfen oder einfach mal eine reinhauen...
endlich mal etwas halbwegs greifbares...
ein wenig mehr princeoreks
vielleicht wirkt es dann mehr - bei mir..

Mario Zoth1
09.05.2009 22:10
Good old St. P.

Her Teiretzbacher, wir sehen uns im Club OST

Susanne Schmidl 
09.05.2009 13:50

bandname ist ein zitat aus southpark

MatjaZ
08.05.2009 20:46
der Trend

I AM CEREALS releasen ihr Album schon beim nächsten LATENZTREND am Samstag den 9.Mai im Warehouse in St.Pölten. Zusätzliche Acts sind FM4 DJ Functionist oder Kiterider,...

Herr Franz Strobel
08.05.2009 19:56
der link fehlt...

www.iamcereals.com

kabelsteckerumschaltboxen
08.05.2009 17:31
ich sage:

mir gefällts. gehet hin und höret!

Erna Quaas
08.05.2009 19:42
Geht's hier um Soap&Skin ...

... oder um I Am Cereals? Ich hab I Am Cereals jedenfalls in St. Pölten schon live gesehen und war hin und weg!!! Weil ich meine Begeisterung nicht in so treffenden Worten auszudrücken vermag wie Herr Fluch, rate ich euch: Testhören auf http://www.iamcereals.com/ oder - sicher noch gscheiter - live anhören!

RebelAngel 
08.05.2009 14:45
...heimische Popmusik...

ist genauso für'n A**** wie die internationale!

boro boros  
14.05.2009 12:44

stimmt

weird sista 
07.05.2009 22:51

nicht nur gerald huber und ben martin wurden bereits "einschlägig auffällig", auch herr richter hat mit "audioexile" ein hervorragendes album geliefert. wenn soviel talent zusammenkommt, kann nur was großes entstehen.

cinderella32
08.05.2009 23:34
Christoph Richter?

Genial!

Lieselotte Kummer
07.05.2009 20:00
Gehört es eigentlich ....

... zum guten Ton der fortschrittlichen Musikkritik, in diesem Zusammenhang Soap&Skin nicht zu erwähnen?

Una música brutal
09.05.2009 11:33

hier geht es ja um pop. soap und skin ist nicht pop und will nicht pop sein.

Miss Understood
09.05.2009 23:17

abgesehen davon,
hab ich noch nie einer ähnlich unsympathisch, hochgelobten "künstlerin" gelauscht.
die dame sollte sich erst einmal finden,
bevor sie kunstikonen erschafft
ganz schlimm!!

Wilhelm Klösch 
08.05.2009 15:37

Ja.

RebelAngel 
08.05.2009 14:44
für Schlafstörungen

gibt's auch Präparate mit weniger Nebenwirkungen!

weird sista 
07.05.2009 22:42

bitte, die wurde ja nun wirklich in den letzten wochen überall hinreichend abgefeiert. ist schon geradezu angenehm, wenn sie NICHT erwähnt wird. denn es gibt wahrlich viele gutes im moment und anja plaschg ist da nicht die einzige.

a weng
08.05.2009 13:37

hypemaschine um ein depressiv-psychotisches mädl, bin froh, nix von ihr zu lesen, wo doch wien voller grandioser musik ist!!

Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.